Alt werden

Die Netzeitung hat ein Interview mit der Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig geführt:

Was ich mit Technik verbinde, ist Weltverbesserung. Ich glaube sehr fest und gerne daran, dass es für jedes soziale Problem eine technische Lösung gibt. Und die Suche nach diesen Lösungen interessiert mich.

So kann man auch den massenhaften Stellenabbau begründen.
Das Phänomen gibt es. Aber man muss auch sehen, dass dadurch wiederum andere Leute einen Job bekommen.

Ich glaube, dass die Zeit des Faktenwissens vorbei ist. Das menschliche Gehirn ist nicht dazu da, sich Faktenwissen zu merken. Das kann Google für uns erledigen.

Ich finde Halbwissen interessanter als Ganzwissen.

Ich bin ein wenig fassungslos, angesichts dieser kindlich-naiv anmutenden Weltsicht. Aber bevor ich mich da lange mit aufhalte, buche ich es einfach unter: "Ich werde alt" ab.
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2006-07-16   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Pharma Watch is back

Michael Lascelles is back. Nach einer Pause von 4 Monaten gibt es wieder neue Enthüllungen aus der Welt der Pharmaindustrie in seinem blog Pharma Watch.
 
[Links]
Autor: strappato   2006-07-15   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Parallelgesellschaft

"Pott" - das ist im hiesigen niederdeutschen Dialekt der Begriff für Topf. Als Abkürzung für "Ruhrpott" ist er mir lange nicht untergekommen - in den letzten Tagen hat diese Bezeichnung in der blogger-community jedoch Konjunktur. Grund ist der Silberstreif, den die Apologeten der neuen Internet-Medien-Revolution gerade am Horizont des Ruhrgebiets sehen, das sonst eher durch Arbeitslosigkeit, Immigrantenprobleme und Überalterung matt-grau schimmert.

Mein Weg nach Koblenz führte mich mich gestern mit dem Zug durch diese Region, in der die digitale Medienrevoltion, angeführt von der WAZ und in Person der angeheuerten neuen stellvertretenden Chefredakteurin, ihren Ausgangspunkt nehmen soll.

Eine Region, die bereit ist für den Umbruch sieht anders aus. Graue Bürobauten, die den heutigen Ansprüchen an Büroraum nicht genügen und in Frankfurt oder München schon längst geschleift worden wären. Menschen mit dem Durchschnitts-Chic, der von Bratislava bis Itzehoe konsensfähig ist. Häuser mit dunklen Dächern und nikotingetränkten Gardinen.

Beim Blick auf die Bahnsteige habe ich mir vorgestellt, dass diese Menschen demnächst im Lokalteil ihrer Zeitung einen groben Überblick lesen können und die "kleinteiligen" Informationen sich aus dem Internet holen werden. Das wird eine Entlastung für sie sein. Lokalteile auf BILD-Dortmund-Niveau. Vor lauter Freude werden sie vergessen im Internet ihren Teil zu der "Pott-Community" beizutragen. Stattdessen werden sich die Ruhrpottler in der Diaspora dort tummeln, die sich schon lange den wirtschaftlichen Realität gebeugt haben und nun in aller Welt den Geist des Ruhrgebiets - Tauben, Tanner, Pilsken Trinken - pflegen.

Dort treffen sie dann auf die blogger. Blogs, in denen 100x über dasselbe Rock-Konzert berichtet wird und kein einziges Mal über das neue Stück einer freien Theatergruppe. Die blogger werden mit den Exil-Ruhrpöttlern eine Community bilden, unscharfe Fotos austauschen, bloggen, kommentieren, verlinken und blogger-Treffen abhalten. 90% der Bewohner des Ruhrgebiets werden es nicht bemerken und auch nichts verpassen.

Auch eine Art Parallelgesellschaft.
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2006-07-08   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 



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