Verhaltensauffällig und ruhig gestellt Report Mainz hat mit Dr. Gerhard Libal einen bemerkenswert offenen Kinder- und Jugendpsychiater vor die Kamera bekommen. Nach eigener Aussage verschreibt er zahlreichen Kindern Neuroleptika außerhalb der zugelassenen Indikation, darunter auch Kindern im Kindergartenalter. Kein Einzelfall. In Deutschland werden immer mehr Kinder und Jugendliche mit Neuroleptika behandelt. Das belegen Zahlen einer bisher unveröffentlichten Studie der Uni Köln. Die Wissenschaftler verglichen Daten der AOK Hessen aus den Jahren 2000 und 2006. Ergebnis: Die Zahlen sind alarmierend.
Seine Fachkollegin Charlotte Köttgen sieht das kritisch:Hochgerechnet auf ganz Deutschland erhielten im Jahr 2000 6.864 Kinder und Jugendliche ein neuartiges Neuroleptikum. 2006 sind es bereits 28.100. Viermal so viele wie vor sechs Jahren. Neuroleptika haben sehr schwerwiegende Nebenerscheinungen. Sie haben vermehrt Folgeerscheinungen wie Diabetes, Gewichtszunahmen mit den Folgen von Kreislaufstörungen, Herz-Kreislaufstörungen, mit der Folge von unwillkürlichen Bewegungszwängen, die oft anhaltend bleiben, die also nicht wieder zurückgehen. Das Transkript des Beitrages hier, der Filmbeitrag selbst ist offenbar noch nicht online. [TV-Magazine]
strappato 2008-10-21
Ein wenig übergeigt ist diese Passage:
Doch bei Gerhard Libal werden auch Kleinkinder mit dem Medikament behandelt.
Dann sind es nach üblichem Verständnis eben gerade keine Kleinkinder mehr.O-Ton, Dr. Gerhard Libal, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie: »Ich habe auch gute Erfahrungen bei kleineren Kindern, die so vier-fünf Jahre alt sind. mager 2008-10-22 Leider gibt es keine allgemeingültige Alters-Definition. Im allgemeinen meint "preschool child" = Kleinkind = 2-5 Jahre. (lt. EMEA)
Die 4- bis 5-Jährigen, die ich kenne, würden sich jedenfalls nicht als Kleinkinder bezeichnen lassen. ;-)
>> Kommentieren pantertiger 2008-10-22 Schoener Naehrboden
Die in diesem Beitrag angedeutete Verschreibungspraxis im Kinder- und Jugendbereich sammelt Kraft und gibt einen schönen Nährboden für die geschilderten Sachverhalte in den Beiträgen "Gedraengel auf dem Siegertreppchen II" und "Abkassiert in der Klinik".(Nicht nur)Die Praxis der vorschnellen ADS- und ADHS-Diagnosen hat eine mindestens ebenso vorschnelle Verschreibung der entsprechenden Medikamente - vorzugsweise als Möglichkeit zur Durchsatzsteigerung - zur Folge. Das holt Schwung für eine von uns jetzt noch gar nicht einschätzbare Welle von mindestens larvierten Depressionen; wenn nicht eher endogenen Depressionen (weil unerkannt iatrogen) (vgl. Post "Gedraengel auf dem Siegertreppchen II"). - Und dann liegen die selben, nun schon erwachsenen, Persönchen (nicht die behandelnden Ärzte) später irgendwann in einer Klinik im Bett und telefonieren - und werden ausgebeutet (vgl. Post "Abkassiert in der Klinik"). - Dann werden allerdings schon jede Menge wunderschöne, funkelnde, von privaten Betreibergesellschaften geführte Spezial-Heime in ländlichen Gegenden parat stehen.
In den 80er Jahren wurde das Schlagwort "Medikalisierung" geprägt.
>> Kommentieren |
br> |
Letzte Beiträge und Kommentare / Frohe Weihnachten
(strappato) / OH!!!
(kelef) / Frohe Weihnachten
(strappato) / Subjektive Wahrnehmung
(casadelmar) / Sehr interessante Sichtweise,...
(akademischer ghostwriter)
Zum Kommentieren bitte einloggen. |