Dr.-Titel-Verzicht

Den Medizinern sagt man ja gerne eine besonder Liebe zu ihren Dr.-Grad zu. Karl-Theodor zu Guttenberg ist da aber auch nicht schlecht, obwohl der Mann wahrlich nicht meckern kann, wenn es um die "Titel" geht, die er sich morgens aus der Schublade im Badezimmer ans Revers heften kann.

Er verzichtet , "vorübergehend", auf die Führung des Titels. Dabei hat er gar keinen. In Deutschland werden gemäss § 2 Abs. 1 des "Gesetzes über Titel, Orden und Ehrenzeichen" Titel nur durch den Bundespräsidenten verliehen. Der "Dr." ist also nur ein akademischer Grad, der aus selbst für einige Juristen nicht nachzuvollziehbaren Gründen in Deutschland in die Ausweispapiere eingetragen werden kann. Namensbestandteil ist er nie.

Aber ich will ja mal nicht so sein: Ich erkläre, dass ich aus Solidarität mit KT an diesem Wochenende, Freitag 18:00 Uhr bis Montag 8:00 Uhr vorübergehend auf die Führung meines Dr.-Grades verzichte. Ich betone "vorübergehend".
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2011-02-18   Link   (12 KommentareIhr Kommentar  


chefarztfrau   2011-02-18  
Doktortitelverzicht!!!
Germanist sind wir wohl nicht. Egal, trotzdem großer Sport.


chefarzt   2011-02-18  
Solidarität
Ich erkläre mich ebenfalls solidarisch. Titelniederlegung am Wochenende ...


mager   2011-02-20  
Teil-Solidarität
Kann ich auch rückwirkend nur für Samstag solidarisch (teil-)niederlegen? Also quasi für die Zeit, als KT noch selber geschrieben hat - oder lieber für danach? Herrjemine, aber mein Ehrenwort... CARRIER LOST


ebenedicta   2011-02-20  
Da sind eigentlich ganz andere Dinge seltsam...
Der Dr. WAR tatsächlich mal Namensbestandteil, das ist nur wieder abgeschafft worden (hab ich letztens nachgeschlagen, weil ich wissen wollte ob ich zum Angeben meines Grades verpflichtet bin).

Wenn ich mir überlege, was ich schon alles an Doktorarbeiten gesehen habe, dann ist die Ausrede des Herrn zu Guttenberg, nur einen Fehler gemacht zu haben, schon plausibel (ich habe letztens erst einem Kollegen wegen abgemalter Bilder ins Gewissen geredet). Mich irritieren dabei zwei ganz andere Fakten, die in der Presse gar nicht beachtet werden: a) ist er ja schließlich Jurist und müsste es eigentlich besser wissen und b) wieso hat er für eine so offensichtlich mit inkorrekter Zitierung gespickte Arbeit auch noch "summa cum laude" bekommen? DAS riecht für mich eigentlich fast ein bisschen nach Titelhandel... seltsam auch, dass er überhaupt promovieren durfte, obwohl er kein Volljurist ist - eigentlich nehmen die Juristen nämlich nur die allerbesten zur Promotion an.


hockeystick   2011-02-20  
Die Formulierung "mit inkorrekter Zitierung gespickte Arbeit" ist recht freundlich gewählt für einen Text, der von den ersten Zeilen der Einleitung an aus einer Aneinanderreihung von geklauten und kaum verfremdeten Textfragmenten besteht.


blogwesen   2011-02-21  
Genau und dem Patienten sagt man dann: Für 3 Tage bitte nicht Herr Doktor...Ich erkläre mich gerade solidarisch mit TG, weil eigentlich habe ich 50% meiner Daten manipuliert, um auch ein relevantes Forschungsergebnis zu bekommen....Ach, nee...: Ich meine ich habe eigentlich eine russische Disseration komplett/ fehlerfrei und lückenlos ins Deutsche übersetzen lassen. (Die 100000 zahle ich immer noch ab)

In diesem Fall hätte ich dann auch 'brutalstmögliches' Mitleid...

Ich glaube: ich lege mir mal solidarisch/fiktiv für 3 Tage einen Doktortitel zu...
In den Geisteswissenschaften hatte ich den vor Lichtjahren auch tatsächlich mal anvisiert...Also einen Dr. phil. und keinen Dr. med...

Aber ob ich gerne in einer Linie mit Guido Westerwelle, der über parteinahe Jugenorganisationen promovierte oder Dr. Helmut Kohl stehen will???( Ja, der hatte einen Doktor, aber es war ihm offenbar zu peinlich...) Der hat ja auch wirklich schwülstigen Mist verzapft:

"Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945".

"Die Pfalz beheimatet - soweit sich solche allgemeinen Feststellungen treffen lassen - einen fröhlichen und weltoffenen Menschenschlag, der viel Sinn für gesellschaftliches Zusammenleben und die Freuden der Zeit hat und dem dogmatischen Denken abgeneigt ist. (S. 48)
Und natürlich habe ich diese Promotion auch nicht selbst gelesen und es nur aus dem Internet geklaut..

Daher lege ich meinen fiktiven Doktortitel mal wieder ab..Für die nächsten 4 oder 5 Jahre...


watchdog   2011-03-29  
Lipid-Liga
Liebe Blogger, über die Lipid-Liga ist hier ja schon einiges geschrieben worden. Auf ihrer Internetseite brüstet sie sich auch mit Veröffentlichungen in den Medien. Cholesterin-senkung wird dort immer noch als DAS Mittel beschrieben, um koronaren Krankheiten vorzubeugen. Mich interessiert: Was wisst ihr über die "vermeintliche Unabhängigkeit" der Lipid-Liga?


hockeystick   2011-03-30  
Die Lipid-Liga als "gemeinnütziger" Verein wird nicht zuletzt von den interessierten Industriezweigen finanziert (Hersteller von Cholesterinsenkern, Hersteller von "cholesterinsenkender" Margarine, Hersteller von einschlägigen Laborgerätschaften usw.), wie ja mittlerweile offen eingeräumt wird.

Darüberhinaus haben alle führenden Figuren der Lipid-Liga, bei denen ich das bisher überprüft habe, persönliche finanzielle Verbindungen zu diesen Firmen. Vermutlich ist die Summe, die auf die persönlichen Konten der Funktionäre fließt, weitaus größer als die, die direkt dem Verein zufließt.

Die Angst vor Cholesterin ist nach wie vor die Basis für einen Milliardenmarkt, entsprechend gutes Geld wird für Expertenstatements bezahlt. Wenn ein Anbieter von Produkten in diesem Segment ein Expertenstatement benötigt, das zum eigenen Produkt passt, dann weiß er, an wen er sich wenden muss.


watchdog   2011-04-04  
Lipid-Liga
Hört sich nach einem lukrativen Geschäft für beide Seiten an. Suche noch mehr Beispiele für offensichtliche Werbung für Cholesterinsenkung in der Presse oder im TV, die nicht zu alt sind. Vielleicht gibt es aber auch zu Ostern wieder die üblichen Cholesterin-Seiten....


watchdog   2011-04-04  
Verbindungen der Lipid-Liga
Welche Verbindungen gibt es denn genau zwischen Weizel, Kreuzer, Klose oder Klör zur Pharma-Industrie? Weizel in Bild der Frau (ist sogar auf der Seite der Lipid-Liga aufgeführt). Gibt es noch andere Beispiele?


hockeystick   2011-04-05  
Diese Typen sind als Sprecher auf Veranstaltungen (Symposien) der Pharmaindustrie unterwegs, kassieren erfahrungsgemäß ein paar tausend Euro pro Auftritt und verdienen sich so ein nettes Zubrot. Daneben gibt es vermutlich noch "Beratungsverträge", die die Herren gegen den einen oder anderen zusätzlichen Euro zu besonderen Leistungen in der Pressearbeit motivieren, wie vermutlich im Fall der sehr öffentlichkeitswirksamen Zusammenarbeit von Pfizer und Klör in Sachen Champix (Stichworte AIR und Edelman PR).

Publikationen in relevanten Journalen findet man bei Typen dieses Schlages eher selten, daher also meist auch keine Interessenkonflikt-Statements. Dagegen sind ein, zwei Google-Abfragen besonders im Archiv der Ärztezeitung fast immer aufschlussreich. Beispiele:

Weizel ist beispielsweise für MSD unterwegs (vgl. auch diesen Artikel)
http://www.google.de/search?hl=de&safe=off&q=%22Achim+Weizel%22+site%3Aaerztezeitung.de+MSD&aq=f&aqi=&aql=&oq=

Klör ist nach meinem Eindruck weder bei der Auswahl seiner Auftraggeber noch bei den Themenfeldern, die er dabei abdeckt, besonders wählerisch. Deshalb konnte er auch als Gastroenterologe die Champix-Kampagne locker stemmen. Hier ein wahllos gegoogelter aktuellerer Auftritt für Trommsdorff:
http://www.medizin-telegramm.com/mediapool/45/451382/data/2010/11-2010/11.11.10_Herz_und_Hirn_gezielt_schuetzen.pdf

Kreuzer ist ebenfalls für MSD unterwegs (z.B. http://www.aerztezeitung.de/e-paper/frames/elementframe.aspx?id=212855&type=1&q= ). Hier gibt es Kreuzer auch in bewegten Bildern bei der Propagierund von Ezetemib/Inegy auf einem MSD-Symposium zu sehen:
http://webtv.medizin-online.de/film1.html

Natürlich ist auch Klose in Sachen MSD sehr engagiert:
https://portal.aekb.de/VKalender/2010-05/2761102010020550001/07-080510_Berlin.pdf

(MSD hat im Moment von den Pharmafirmen das größte Interesse an einer Propagierung von "Cholesterin-Zielwerten", weil die Firma mit Ezetemib/Inegy ein teures Medikament vermarktet, das nach der vorliegenden Studienlage über die Senkung des LDL-Laborwerts hinaus keinerlei klinischen Nutzen besitzt, ja anscheinend sogar mehr schadet als nützt. Die "Zielwerte" lassen sich aber in vielen Fällen nur mit genau diesen Medikamenten erreichen.)


multiresistent   2011-04-11  
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Dabei passiert doch in letzter Zeit eine Menge im Pharmamarkt...schade, dass es hier so ruhig geworden ist.








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