USA: Ärzte bekommen Preisschilder

Die US-Gesundheitsreform könnte auch das Aus für die beliebten Pharmakugelschreiber dort markieren. Im verabschiedeten Gesetz findet sich eine Passage zur Offenlegung von Geschenken und Zuwendungen der Pharma- und Medizintechnikunternehmen an Ärzte.

Die Physician Payment Sunshine Provisions, Seiten 1542-1563 des Gesetzes, verpflichten die Unternehmen ab 2012 alle Abgaben, die den Wert von 10 Dollar überschreiten, zu dokumentieren und mit Namensangabe zu veröffentlichen. Wenn der Arzt mehr als 100 Dollar im Jahr von der Firma kassiert hat, müssen sogar jegliche Zuwendungen, bis hin zum Kugelschreiber für wenige Cents, öffentlich gemacht werden.

Angesichts dieses Dokumentationsaufwandes werden die Unternehmen wohl auf Kleinkram wie Kugelschreiber und Post-It-Blöcke verzichten sich auf grössere Dinge konzentrieren, um den Arzt zu motivieren. Ob sich die Ärzte äberhaupt weiterhin gerne beschenken lassen, wenn Patienten die finanziellen Beziehungen zu Pharmaunternehmen im Internet nachlesen können, ist zu bezweifeln. In jedem Fall werden die Ärzte bei der Art der Beziehungen zur Industrie sehr genau auswählen.

Ein weiterer Schritt zur Transparenz, die hierzulande fehlt.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2010-03-27   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Pharma give-aways

Eine beeindruckende Sammlung von unnützen Dingen, die als Marketing von den Pharmakonzernen unter die (Fach)-Leute geschmissen werden, präsentiert das Blog PICHIGÜILIS.

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Das Blog hat einen Aufsatz über das Wesen der "Pichigüilis" verlinkt. Leider in spanisch. Aber selbst die suboptimale google-Übersetzung ist gut. Ich wäre sehr dafür, wenn das Wort Pichigüilis für Pharma-Werbegeschenke Eingang in die medizinische Fachsprache in Deutschland erhalten würde.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2010-02-07   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber-Ersatz


Nur noch Pharmaunternehmen setzen auf den traditionellen Kugelschreiber als Give-Away, den in Zeiten, in denen der Computer selbst in Praxen und Kliniken Einzug gehalten hat, immer weniger Ärzte wirklich brauchen. Kliniken, Apotheken und Medizintechnik-Unternehmen haben, der obigen Ausbeute zu urteilen, Schokolade als Medium zu Kundenbindung entdeckt. Schokolade ist allen gesundheitsbedenklichen Inhalten wie Zucker und Fett zum Trotz immer noch emotional positiv besetzt. Die Sozialisation aus der Kindheit wirkt bis ins Erwachsenenalter.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2009-04-29   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Abschied vom Pharmakugelschreiber


Eine Institution, die Generationen von Ärzten begleitet hat und immer zu Diensten in der Kitteltasche war, tritt zumindest in den USA seinen letzten Weg an. Pharmakugelschreiber werden ab heute in den Praxen und Krankenhäusern seltener vom Pharmaberatern verteilt werden. Mit ihnen all die anderen Give-Aways und Gimmicks mit Aufdruck von Pharmakonzernen oder Medikamenten, ob Kaffeetassen, T-Shirts oder Schreibtischuhren.

Mehr als 40 Pharmaunternehmen haben eine pdf-DateiVerhaltensrichtlinie des US-Pharmaindustrieverbandes PhRMA unterzeichnet, der die Aufgabe des Pharmaaussendiensts auf die Information des Arztes und die Unterstützung der Weiterbildung und Forschung beschränkt.
The revised, voluntary Code, which will take effect in January 2009, reaffirms that interactions between pharmaceutical company representatives and healthcare professionals should be focused on informing the healthcare professionals about products, providing scientific and educational information, and supporting medical research and education.

Während die Werbemittelindustrie damit rund eine Milliarde Dollar Umsatz jährlich verliert, darf sich die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Gastronomie freuen. Weiterhin erlaubt sind die Einladungen von Ärzten zum Esssen oder die beliebte Belieferung ganzer Abteilungen mit Mittagslunch - sofern es mit Information oder Weiterbildung verbunden ist.

Der Stopp der Pharmakugelschreiber trifft einge Ärzte hart. Die NY Times lässt in ihrem Artikel Kugelschreibersammler und -liebhaber zu Wort kommen.
It seems goofy to us; we like getting our pens,” Dr. Susan B. Hurson, an obstetrician and gynecologist in Washington, said in a telephone interview.

Es bewegt sich in den USA etwas im Hinblick auf die Transparenz bei der Zusammenarbeit von Pharmaunternehmen mit Ärzten und anderen Gruppen. Erinnert sei an die freiwillige Veröffentlichung einiger grosser Pharmakonzerne von Zuwendungen an Patientengruppen und Fachverbänden, oder die Ininitativen des US-Senats, alle Zahlungen und Ausgaben die einen bestimmten Betrag übersteigen, öffentlich zu machen.

In Europa und besonders Deutschland wird der Pharmakugelschreiber noch lange ein Reservat haben und mit ihm die Autoren von Büchern und Dokumentationen, in denen bekannte unethische und fragwürdige Verhaltensweisen im Gesundheitswesen immer wieder neu zu einem Skandal arrangiert werden.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2009-01-01   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber-Test (X)


Die Behandlung von AIDS ist immer eine Herausforderung. HAART (Highly Active Anti-Retroviral Therapy), eine Kombination aus mehreren antiretroviralen Medikamenten, war ein Meilenstein. Die Lebenserwartung von Patienten der Kombinations-Therapie gleicht sich nach und nach der normalen Lebenserwartung an. Ziel der Therapie ist es, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu drücken und die CD4-Zellwerte zu erhöhen, um so das Immunsystem gegen opportunistische Infektionen und andere Aids-definierende Erkrankungen zu stärken. Trotz der beeindruckenden Erfolge der Therapie gelingt eine dauerhafte Unterbindung der Virusreplikation bei einem großen Anteil von HIV-Infizierten nicht. Die wichtigste Ursache hierfür ist die Resistenzentwicklung, d. h. die Fähigkeit eines mutierten Virus, bei höheren Konzentrationen einer antiretroviralen Substanz zu replizieren. In vorbehandelten HIV-Populationen treten Resistenzen zu fast 50% auf.

Neue Medikamente, die die Virusreplikation hemmen sind daher nötig. Die Integrase ist eines der drei Schlüsselenzyme für die Vermehrung von HIV. Es war jedoch lange Zeit nicht gelungen, einen Integrasehemmer zu entwickeln.

Der Pharmakugelschreiber bewirbt den ersten Integrase-Hemmer für die Behandlung der HIV-Infektion. Mit Isentress® (Raltegravir) von Merck & Co. (in Deutschland "MSD Sharp & Dohme") steht die sechste antiretrovirale Wirkstoffklasse zur Behandlung zu Verfügung. Zugelassen ist das Medikament für "vorbehandelte, erwachsene Patienten mit nachgewiesener HIV-Replikation trotz antiretroviraler Therapie".

Nun gilt es für MSD, den Startvorteil in Umsatz umzusetzen. Mit Elvitegravir (Gilead) ist ein weiterer Integrasehemmer in der fortgeschrittenen Entwicklung. Zumal Studien nahelegen, dass die Resistenzbarriere von Raltegravir nicht hoch genug sind. Mögliche Kreuzresistenzen mit Elvitegravir deuten sich zusätzlich an. Merck & Co. führt klinische Studien durch, die den Vorteil von Isentress® schon zu Beginn einer AIDS-Behandlung zeigen sollen.

MSD lässt sich den Fortschritt gut bezahlen. Isentress® wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten gegeben. Der Apothekenverkaufspreis pro Tabletten-Monatspackung liegt bei 1062,03 Euro. Nicht viel niedriger als für die im letzten Jahr zugelassene Dreifachtherapie mit Atripla® (1212 Euro).

Der Erfolg scheint MSD recht zu geben. Konkurrent Roche hat erklärt, die Arzneimittelforschung für die Indikation HIV/AIDS aufzugeben. Das von Roche vertriebene Fuzeon® war bis zur Markteinführung von Isentress® das einzige Medikament für intensiv vorbehandelte Patienten. Der hohe Preis von über 2000 Euro pro Monat und die Tatsache, dass das Roche-Präparat als Spritze 2x täglich verabreicht werden muss, wird in vielen Fällen zu einer Therapieumstellung geführt haben.

Der Pharmakugelschreiber gehört zu den formschöneren Exemplaren. Durch den Druckknopf in den Brand-Farben, ein "MSD" auf dem Metallclip und die Metallspitze hebt er sich von den Standard-Schreibgeräten der Werbemittelindustrie ab. Aus Sicht von MSD sicher der Bedeutung und des Preises des beworbenen Medikaments angemessen.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2008-07-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber vor dem Aus

Der US-Pharmaindustrieverband PhRMA läutet in einem neuen freiwilligen pdf-DateiVerhaltenskodex das Ende einer Ära ein. Sogar ihre Kaffeetassen sollen sich Ärzte in Zukunft selber kaufen:
Providing items for healthcare professionals’ use that do not advance disease or treatment education — even if they are practice-related items of minimal value (such as pens, note pads, mugs and similar “reminder” items with company or product logos) — may foster misperceptions that company interactions with healthcare professionals are not based on informing them about medical and scientific issues. Such non-educational items should not be offered to healthcare professionals or members of their staff, even if they are accompanied by patient or physician educational materials.

Essenseinladungen sowie direkte Geldzahlungen, etwa in Form von sogenannten Beratungs- oder Vortragshonoraren, bleiben natürlich weiterhin erlaubt.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: hockeystick   2008-07-10   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Brachial-Werbung



Ist schon ein Jahr alt: Die Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide versuchen im Stil von schlechten Privatfernsehen-Comedy dem Ärztemangel abzuhelfen. Ob das der richtige Weg ist, junge Ärzte zu werben? In jedem Fall der ethisch falsche. Als Patient würde ich mir meine Gedanken machen.

Presseecho:
Hamburger Abendblatt
Ärzteblatt

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Soll ich das unter "Pharmakugelschreiber" abheften?
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2008-03-03   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber: Hardware-Spam


Pharmamarketing-Blogger John Mack hat sich Gedanken über den Nutzen der Pharmakugelschreiber gemacht. Gemeinhin würde man die bunten Teile mit dem Schriftzug eines Medikaments in der PC-Ära als überkommene Tradition belächeln.

Zweifel kamen John Mack bei einer ganzseitigen Anzeige eines Anbieters von Werbekugelschreibern in der Fachzeitschrift Pharmaceutical Executive. Mack rechnete nach und kam zum Schluss, dass lediglich ein als Kunde für den beworbenen Kugelschreiber gewonnener Pharmakonzern die Kosten für die teure Anzeige wieder einspielt.

Dass ein Pharmaunternehmen zugreift, ist nicht unwahrscheinlich. Nach der Kalkulation von John Mack könnten 98% der beschenkten Ärzte den Stift in die Tonne treten. Bei den verbliebenen 2% muss der Kugelschreiber nur einen zusätzlichen Wert von 2 Dollar bei den Verschreibungen für das beworbene Präparat generieren, damit sich die Kampagne mit dem Pharmakugelschreiber für das Unternehmen auszahlt. Put your brand in their hands.

Ob die Rechnung so stimmt, bleibt offen. Nicht nur, weil der beworbene Kugelschreiber im Internet mit stolzen 1,25 Dollar in der Preisliste steht. Weniger aufwändige Modelle sind jedoch für die Hälfte zu haben, Rabatte gehören zum Werbegeschäft und es muss ja nicht gleich ein Markenhersteller wie "Senator" sein. Das Prinzip wird aber klar: Keine Distributionskosten, weil der Aussendienst sowieso den Arzt aufsucht, grosse Diskrepanz von Einsatz zu potentiellen Ertrag und die grosse Anzahl der Ärzte. Ist wie bei E-Mail Spam. Und so werden uns trotz Computers, elektronischer Patientenakte und papierloser Praxis die Pharmakugelschreiber noch lange begleiten. Wie Spam eben. ... und manchmal steht ja sogar Viagra drauf.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2008-02-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber-Test (IX)


Eigentlich kein Pharmakugelschreiber-Test. Das Schreibgerät von dem Unternehmen Desitin ist ein Druckbleistift. Getreu dem Werbe-Claim "Lamotrigin Desitin® quadro - das besondere Generikum gibt man sich nicht mit schöden Kugelschreibern ab.

Selbst Laien finden auf der Internetseite alle Fachinformationen und die unmissverständliche, eigentlich an den Arzt gerichtete, Aufforderung, doch ein Kreuz bei "aut idem" auf dem Rezept zu machen. Wichtig, weil es auch preislich was Besonderes ist: Während 100 Tabletten mit 100 mg Wirkstoff von den bekannten Generika-Anbietern für unter 70 Euro (Apothekenverkaufspreis) zu haben sind, verlangt Desitin für die viertelbare Tablette 122,08 Euro. Den Preis beim Arzt zu rechtfertigen und durchzusetzen wird immer schwerer, da einige Krankenkassen Rabattverträge mit Herstellern für den Wirkstoff Lamotrigin vereinbart haben, der zur Therapie von Epilepsie und zur Prävention depressiver Episoden bei Patienten mit bipolaren Störungen eingesetzt wird.

Der Bleistift ist blau, transluzent, 0,7 mm Mine und hat sogar eine einziehbare Spitze, damit die Kitteltaschen nicht leiden. Ansprechend, mit der Chance auf eine längere Halbwertszeit auf dem Schreibtisch als die 08/15 Pharmakugelschreiber. Ob dies dem Arzt hilft, die Arzneimittelbudgets und Rabattverträge zu vergessen, ist ungewiss, obwohl Lamotrigin stimmungsstabilisierend wirkt.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2007-12-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber-Test (VIII)

Heute übernehme ich einen Test:


Form follows function.

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Der "Levitra® pop-up pen" wird grossflächig verteilt. Bei ebay USA wird er in 5er-Packungen verkauft. Wer eine Adresse in den USA hat, kann den Kugelschreiber für die Teilnahme an einer
Umfrage bekommen. Der Stift bringt es mittlerweile auf 6 Youtube-Videos. Nicht schlecht für einen Pharmakugelschreiber. Wird ein Klassiker.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2007-08-20   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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