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Schokoladen-Statistik Qualitätssicherung einmal anders: Im Royal Cornwall Hospitals NHS Trust müssen die Schwestern Pralinen zählen. Jedes mal, wenn eine Schwester als Dank von den Patienten eine Aufmerksamkeit bekommt: Pralinen, Schokolade, Blumen oder Wein, muss ein Formular ausgefüllt werden. Alles zur Qualitätsmessung. Da können sich die Bürokraten in unseren Kliniken noch etwas abgucken. Sonst scheint dieser NHS Trust keine Probleme zu haben, was sind schon 8 Millionen £ Miese und die Entlassung von 300 der 5000 Beschäftigten. Wie wäre es denn mit einer Art Proxy-Parameter: Der Taillenumfang der Schwestern? [Ausland]
Wir alle werden Kommunarden WGs sind diesen Sommer beliebt. Die konsequente Form der Wohngemeinschaft ist die Trotz massiver Kritik von allen Seiten hat sich die grosse Koalition anscheinend auf den Gesundheitsfonds als kleinsten gemeinsamen Nenner geeignigt. Das Prinzip: Alles kommt in eine Kasse. Die gesetzlichen Krankenkassen bekommen daraus für jeden Versicherten einen fixen Betrag. Genau wie die Kommunarden durch ihre Lebens- und Wirtschaftsform ihre individuellen Bedürfnisse einschränken, werden die Krankenkassen zu reinen Geldverteilungsinstitutionen - der Weg in die Einheitskasse. Auf der Einnahmeseite funktioniert die Kommune auch: Das Geld in der Kasse verliert seine Persönlichkeit. Es soll nicht mehr nachzuvollziehen sein, wer mehr oder weniger zum Kassenstand beiträgt. Solange dies sich am Solidaritätsprinzip orientiert (jeder soviel er kann) ist dies kein Problem. Aber im Gesundheitswesen bestimmt der Gesetzgeber über die Leistungsbereitschaft. Finanzierungslöcher zu stopfen wird dadurch leichter und der Druck, über Strukturreformen die Effizienz und Qualität zu verbessern nimmt ab. Ob der Wettbewerb gestärkt wird, weil Krankenkassen, die besser wirtschaften, attraktiver für neue Kunden wären, wie es Gert Wagner vom DIW sieht, hängt entscheidend von der Strukturreform ab. Nur grosse Hoffnungen mache ich mir da nicht. Zerschlagung der Kassenärzlichen Vereinigungen, Einzelverträge von Krankenkassen mit Leistungsanbietern, Selbstbestimmung über den Leistungskatalog und andere Dinge, die die Krankenkassen in die Lage versetzen würden, aktiv die Effizienz zu beeinflussen, sind wohl politisch nicht durchsetzbar. Der Verlauf der Verhandlungen über die Gesundheitsreform lässt sogar befürchten, dass Strukturreformen auf der Strecke bleiben, wenn man sich erstmal darüber geeinigt hat, wie mehr Geld ins System kommt. Der Wettbewerb auf Kassenebene wird sich darauf beschränken, der Insolvenz zu entgehen. Es ist damit zu rechnen, dass einige der 260 Krankenkassen mit den 170 Euro für jeden Versicherten und einem noch nicht näher spezifizierten Ausgleich für höhere Ausgaben nicht auskommen. --- Alle werden natürlich nicht Kommunarden. Die Privatversicherten müssen sich wohl an der grossen Kasse nicht beteiligen und der Arbeitgeberbeitrag wird gedeckelt. [Reform]
Fehlversorgung Gestern habe ich wieder einmal den Irrsinn unserer Versorgungslandschaft erlebt. Wir haben ein Projekt zum Thema Schwerhörigkeit. Dazu habe ich ein Interview mit einem verantwortlichen HNO-Arzt in einer Universitätsklinik geführt, der auch in der Verbandspolitik aktiv ist. Ganz grob: Die niedergelassenen HNO-Ärzte überweisen die Patienten ungerne in die Kliniken zu Implantat-Versorgung und Chirurgie (Cochlear-Implantante, Mittelohrimplantate und andere Therapien, die es mittlerweile gibt). Weil der Patient dann "weg" ist und sie Angst haben, dass der Patient mit der Therapie nicht zufrieden ist und dies auf ihn zurückfällt. Die Hörgeräteakustiker versuchen ihrerseits, den Kunden möglichst lange zu halten und nicht an den Chirurgen zu verlieren. Es gibt keine Therapie-Leitlinien in diesem Bereich, ausser für Cochlear-Implantate. Die Qualität der Diagnostik und Versorgung ist mangelhaft. Was dazu führt, dass beim HNO-Arzt zwei Diagnostik-Termine vorgeschrieben sind (beim Privatpatient lang ein Termin) und die Auswahl und Anpassung eines Hörgerätes Monate dauert. Die Begutachtungsanleitung des Medizinischen Dienstes ist eine Katastrophe. Die Kliniken erhalten regelmässig Rückzahlungsaufforderungen, obwohl die Patienten von der Therapie profitieren. Für Cochlear Implantate gibt es in den Zentren Budgets, aber dennoch sieht man immer wieder, dass Krankenhäuser auf Einzelfall-Basis diesen Eingriff erstattet bekommen, mit unbestimmter Qualität. Durch die fehlende Qualitätskontrollen bei der Anpassung und Einstellung werden die Potentiale der Hörgeräte und andere Hörhilfen nicht ausgenutzt. Im Detail ist es noch schlimmer. Solange solche Versorgungsprobleme nicht gelöst werden, werden wir noch unzählige Reformen benötigen. [Reform]
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