Stillstand

Durch den neuen Ärztetarif ist hier nichts gewonnen. Weder ermöglicht er den Kliniken mehr Flexibilität in der Entlohnung, noch leistet er einen Beitrag, die internen Strukturen zu verändern. Allerdings können sich die Sozialpartner nur in dem Rahmen bewegen, den die Politik den Krankenhäusern setzt. Solange wechselnde Regierungskoalitionen bloß neue Milliarden in ein ineffizientes System pumpen, statt dessen Strukturen grundlegend zu verändern und es auf Kostentransparenz, Eigenverantwortung und Wettbewerb auszurichten, wird sich an dem für das deutsche Gesundheitswesen symptomatischen Nebeneinander von Mangelwirtschaft und Doppeluntersuchungen nichts ändern.

Den besten Kommentar zur Tarifeinigung der Kommunen mit dem Marburger Bund hat die FAZ.
 
[Klinik]
Autor: strappato   2006-08-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

No future

Die Stimmung in Deutschland ist schlecht. Wie schlecht zeigt ein Artikel in der aktuellen Ausgabe des Newsletters Informationsdienst Soziale Indikatoren der von der Abteilung Soziale Indikatoren am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) herausgegeben wird.

Im Herbst 2005 wurden im Eurobarometer die Bürger der EU zu ihrer Einschätzung zur Entwicklung von Wirtschaft, Arbeitsmarkt und sozialer Sicherheit befragt.

Schon die Antworten auf die Frage nach der persönlichen Situation in der Vergangenheit und Zukunft offenbaren Abgründe. Die persönliche Situtation sei besser als vor 5 Jahren, das gaben 60% der Iren an und ähnlich viele Esten, Schweden und Dänen - aber nur 24% der deutschen Befragten. Damit teilt sich Deutschland mit Ungarn den vorletzten Platz, nur die Portugiesen sehen ihre Situation noch schlechter (20%). Mit Abstand folgen Polen und die Slowakei, wo immerhin 30% bzw. 29% die derzeitige Situation besser als vor 5 Jahren sahen.

Der Titel Weltmeister im Pessimismus kommt nicht von ungefähr. Die Erwartung, dass die eigene persönliche Situation in 5 Jahren besser ist, teilen nur 25% der Deutschen. Das bedeutet unangefochten den letzten Platz in der EU. Österreich muss sich mit Abstand beim Kampf um die "schwarze Laterne" geschlagen geben. Ein Drittel der Befragten dort sehen positiv in die Zukunft.

Der Artikel bietet noch detailliertere Analysen. Die Zumutungen der grossen Koalition haben sicher nicht dazu beigetragen, dass sich das seit Herbst 2005 zum Positiven verändert hat - eher das Gegenteil.
 
Autor: strappato   2006-08-15   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Auftragsforschung

Bevor ich mich nachher mit einem befreundeten Apotheker treffe und mir Klagen über das Vorgehen von DocMorris anhöre, möchte ich grob ein wenig Einblick in die Mechanismen geben, die Interessenskonflikte erzwingen. Im Kommentar hatte ich ein Beispiel gebracht.

In einer kürzlich erschienen Studie wurde gezeigt, dass ein opioides Schmerzmittel (patentgeschützt) Vorteile gegenüber Morphin hat, da das Risiko für Frakturen beim Patienten erheblich verringert ist. Grund dafür ist, dass es "nicht so dusselig im Kopf macht". Das könnte bedeuten, dass die Mehrkosten durch die Frakturen (bei älteren Patienten oft Oberschenkelhalsbruch mit Hüftendoprothese, Reha und Pflegebedürftigkeit) höher sind, als die Einsparungen durch das preiswertere Morphin.

Mal fiktiv das weitere Vorgehen: Die Studie wurde augenscheinlich nicht von der Pharmaindustrie gesponsert und beruht auf Daten eines schwedischen Registers. Das Ergebnis bleibt dem Pharmaunternehmen, dessen Medikament diesen Vorteil hat, nicht unbemerkt und es erhofft sich dadurch ein neues Argument für die Erstattung. Das Unternehmen versucht nun Wissenschaftler und Beratungsunternehmen zu finden, die in verschiedenen Ländern gesundheitsökonomische Modelle auf Basis der schwedischen Resultate anfertigen und in den nationalen Fachzeitschriften veröffentlichen. Auch soll sie mit Datenbanken in anderen Ländern wiederholt werden. Die Hersteller der Konkurrenzpräparate, die nicht so gut abgeschnitten haben, werden auch die ein oder andere Studie in Auftrag geben, um das Ergebnis zu relativieren oder gar zu widerlegen. Dazu braucht man Wissenschaftler, die im Gegenzug für Drittmittel die Veröffenlichung pushen und ihren guten Namen geben.

Mal angenommen es ist ein junger Wissenschaftler, der noch interessenskonfliktmässig unbefleckt ist. Die Autoren der initialen Studie haben den Vorteil, dass die Veröffentlichung von anderen zitiert wird. Was primäres Ziel eines Wissenschaftlers ist. Ihm wird angeboten, dass er die Ergebnisse mit Unterstützung des Pharmakonzerns genauer untersuchen kann. Er wird eingeladen, um auf Veranstaltungen über seine Studie auch international zu referrieren. Er lernt dort andere Kollegen kennen, die auch klinische Studien oder andere Dinge für das Unternehmen durchführen. Frei nach Casablanca: Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
 
[Ethik & Monetik]
Autor: strappato   2006-08-11   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme





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