Bier als Wunderheilmittel

In Maßen genossen minimiert es das Risiko von Gefässerkrankungen, beugt also auch dem gefürchteten Herzinfarkt vor und regt die Nierentätigkeit an. Des Weiteren wirkt es durch die beruhigende Wirkung des Hopfens stressabbauend. Und dabei hat es lediglich 45 Kalorien pro 100 Gramm. Einzig Mineralwasser, Buttermilch, Kaffe und Tee- natürlich ungezuckert, ohne Sahne- sind kalorienärmer.
Was wird das für ein Wellness-Wundermittel sein?

Altbier. So preist die Düsseldorfer Schumacher-Brauerei ihr Obergäriges an. Düsseldorfer mögen da zustimmen, aber Kölner und andere EU-Bürger wissen, dass dies nicht wahr und durch Studien belegbar ist.

Nach der EU Health Claims Verordnung, die seit dem 1. Juli gilt, sind gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln wie z.B. "wirkt es durch die beruhigende Wirkung des Hopfens stressabbauend" nur zulässig, wenn sie als "Claim" in einer Liste (Gemeinschaftsregister) aufgeführt und damit für ein Lebensmittel oder eine Lebensmittelzutat zugelassen sind. Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos wie z.B. "minimiert es das Risiko von Gefässerkrankungen, beugt also auch dem gefürchteten Herzinfarkt vor" unterliegen Sondervorschriften und müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen und sind grundsätzlich erst einmal verboten.

Die Health-Claims Verordnung ist eigentlich ein Ärgernis, weil sie kleinen und mittelständischen Produzenten - wie der Altbierbrauerei - weitere bürokratische Hürden in den Weg legt. Aber angesichts der 1,6 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland und 20 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten durch alkoholassoziierte Krankheiten ist es in diesem Fall zu begrüssen, dass es bald mit der irreführenden Werbung für gesundheitschädigende Lebensmittel vorbei sein wird.
 
[Public Health]
Autor: strappato   2007-08-12   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Die Internationale der Gesundheitswirtschaft

Institut: Deutsches Gesundheitswesen muss internationaler werden. Bei dieser Überschrift habe ich sofort an das Institut für Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen gedacht. Bingo.

Statt den 60.000 Patienten aus dem Ausland, die Ende des Jahres von der Arbeitsgruppe gezählt wurden, sind es nun nur noch 54.000. Warum so kleinlich sein, wenn es um 800.000 neue Arbeitsplätze bis 2020 geht.

Aus meiner Sicht wird die einzige Internationalisierung die der Pflegekräfte sein und die Arbeitsplätze werden aus möglichst preiswerten Pflegedienstleistungen bestehen. Selbst die Krankenkassen sehen den Bedarf langsam ein - private Investoren schon länger.
 
[Gesundheitswirtschaft]
Autor: strappato   2007-08-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Die Milch machts (Update)

Milch macht Muckies. Zumindest, wenn sie nach dem Training getrunken wird. Das legen die Ergebnisse einer US-Studie nahe. Wird wohl ein Sommerloch-Füller in den Medien in den nächsten Tagen werden - nachdem Milch durch die Preiserhöhungen eine schlechte Presse hatte. Der Focus, Amtsblatt der wellness-orientierten Elite, hat es schon als Meldung. Jedoch nur indirekt auf die kleine Zahl von 18 Probanden hinzuweisen. Genauso, wie nicht erwähnt wurde, dass der U.S. National Dairy Council, das Ernährungsinstitut des Landwirtschaftsverbandes American Dairy Association die Untersuchung finanziert hat. Die geradezu entusiastischen Äusserungen des Autors der Studie, Stuart Phillips, verwundern daher nicht, denn die nächste finanzierte Studie ist in Planung:
A glass of cold milk is refreshing, it rehydrates you and it helps restore muscle. It's also the source of nine essential nutrients so you get everything in one convenient package.
Würde auch gut in einen Werbespot passen.

Mal sehen, was die anderen Zeitungen daraus machen.

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Man sollte noch erwähnen, dass die Gabe von synthetischen Hormonen an Rinder in den USA im Gegensatz zu Europa nicht verboten ist. Vielleicht macht es nicht die Milch, sondern die Pharmaindustrie, und die Resultate sind nicht auf Deutschland übertragbar.

Update:
Die Süddeutsche Zeitung berichtet sehr unkritisch über die Studie - kein Wunder, übernimmt sie doch einen Artikel des Kooperationspartners Medical Tribune.
 
[Klinische Studien]
Autor: strappato   2007-08-10   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Rechtsstreit um ein rotes Kreuz


Wellcome Images

Pharmagigant Johnson & Johnson (J&J) hat in den USA das Rote Kreuz (American Red Cross) verklagt. Es geht dabei um die Nutzung des international anerkannten Symbols "Rotes Kreuz auf weissem Grund", das in der Genfer Konvention als Schutzzeichen "zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde" eingetragen ist. Wie die NY Times berichtet fürchtet J&J um seine Umsätze mit Verbandsmaterial, die das rote Kreuz tragen. J&J vereinbarte mit dem American Red Cross 1895 die Nutzung als Warenzeichen für jegliche pharmazeutischen oder medizinischen Produkte. Die gemeinnützige Organisation hat selber Lizenzen vergeben, die mit den Produkten von J&J konkurrieren. Die Forderung des Pharmakonzerns: Alle in ihren Augen illegalen Produkte sollen zerstört werden und die Gewinne aus dem Verkauf zusammen mit dem Schadensersatz sollen J&J zufliessen.

Das Rote Kreuz geniesst in Deutschland höchstes Vertrauen der Bürger - im Gegensatz zur Pharmaindustrie. Das wird in den USA nicht anders sein. Ich denke J&J ist dabei, weiter Glaubwürdigkeit zu verspielen. Das J&J Blog erklärt den Standpunkt des Unternehmens.
 
[Ausland]
Autor: strappato   2007-08-09   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 



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