Boehringer kann FDA nicht befriedigen

0,8 zusätzliche SSEs (Satisfying Sexual Events) im Monat. Das ist auch der FDA zu wenig. Die US-Arzneimittelbehörde sieht in ihrer Bewertung keine signifikante Wirkung von Boehringers Frauen-Libido-Booster Flibanserin. Die FDA bearbeitet den Zulassungsantrag des Pharmakonzerns Boehringer für das ursprünglich als Antidepressivum entwickelte Medikament, das als "Viagra für Frauen" durch die Medien geistert.

Nach Meinung der FDA schafften es zwei Studien von Boehringer nicht, eine statistisch signifikante Steigerung des Sexualverlangens bei Frauen zu zeigen, dokumentiert in einem täglichen Journal durch die Studienteilnehmerinnen. Frauen, die den Wirkstoff einnahmen, berichteten zwar von geringfügig mehr befriedigenden sexuellen Erlebnissen, jedoch war das laut FDA nicht das primäres Studienziel.
The division wanted to see that an effect of treatment is an overall increase in sexual desire regardless of whether a sexual event occurred or not," states the FDA review.

Am heutigen Freitag wird ein Expertenpanel bei der FDA die Sicherheit und Wirksamkeit der "Lustpille" abwägen. Die FDA muss diesem Votum nicht folgen. Jedoch sieht es für das Expertenhearing nicht sehr vielversprechend für Boehringers Umsatzhoffung aus.

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Update

Der Expertenausschuss der US-Gesundheitsbehörde FDA empfahl das Boehringer-Präparat Flibanserin nicht zuzulassen. In dem Artikel wird auch ein potentieller Markenname für das Medikament erwähnt: "Girosa".
 
[Flibanserin]
Autor: strappato   2010-06-17   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Sartanisch gefährlich

Mit dem überaus originellen Wortspiel "sartanisch gut" wirbt Berlin-Chemie für den Blutdrucksenker Olmesartan (Votum®), ein im Jahr 2002 auf dem Markt erschienenes Me-too-Präparat aus der Medikamentenklasse der Sartane.



Der unabhängige Arzneimitel-Informationsdienst "Arznei-Telegramm" (a-t) zeigt sich gegenüber der gesamten Medikamentenklasse skeptisch und hielt Olmesartan schon bei der Markteinführung für potentiell gefährlich und überflüssig:
In der Hochdrucktherapie stehen gut erprobte Arzneimittel zur Verfügung, in erster Linie Diuretika, Betablocker und ACE-Hemmer.

Ein hinsichtlich Langzeitnutzen und -sicherheit nicht beurteilbares Me-too-Produkt wie Olmesartan (OLMETEC, VOTUM) aus der Klasse der Angiotensin-II-Blocker, deren therapeutischer Stellenwert derzeit weitgehend offen ist, wird nicht gebraucht.

Die Frage des kanzerogenen Potenzials von Olmesartan erscheint uns ungeklärt.

Das Werbemotiv scheint in der Tat treffender gewählt, als es dem Hersteller lieb sein kann. Keine acht Jahre nach der Markteinführung macht sich nun auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Sorgen um mögliche Nebenwirkungen des Präparats und hat eine Untersuchung eingeleitet. Denn in einer Langzeitstudie hatte es in der mit dem Medikament behandelten Patientengruppe in einem solch auffälligen Maße zusätzliche Todesfälle gegeben, dass man nicht mehr darüber hinwegsehen konnte.

Dabei ist es ausgerechnet die Zunahme der kardiovaskulären Todesfälle gegenüber der Placebogruppe, die den Wissenschaftlern Sorge bereitet. Denn gerade zu deren Vermeidung wird das Medikament häufig verschrieben. Die Onlineausgabe des Deutschen Ärzteblatts dazu:
Die Patienten wurden auf täglich 40 mg Olmesartan oder Placebo randomisiert. [...] Die Patienten waren im Durchschnitt über 39 Monate mit Olmesartan exponiert, berichtet die FDA.

In dieser Zeit kam es zu 26 Todesfällen gegenüber 15 im Placebo-Arm. Der Unterschied ist vor allem auf kadiovaskuläre Todesfälle (15 vs. 3) zurückzuführen. Ein ähnlicher Trend ist in der zweiten Studie zu erkennen.

[...]

Die FDA will dazu die Primärdaten der Studien analysieren. Vorerst werden keine Konsequenzen aus den Studienergebnissen gezogen. Die Behörde ist weiterhin davon überzeugt, dass die Vorteile der antihypertensiven Therapie auch mit Olmesartan größer sind als die Risiken.

Natürlich ist sie das.
 
[Arzneimittel]
Autor: hockeystick   2010-06-15   Link   (7 KommentareIhr Kommentar  



 

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Österreich: Aufstand der Turnusärzte (Video) - "Das einzige, was ich im Turnus gelernt habe, ist Maschinschreiben"

23andMe: Gentest-Firma vertauscht DNA-Ergebnisse ihrer Kunden.
F.D.A. Faults Companies on Unapproved Genetic Tests - darunter auch 23andMe.

Free latte for oncologists? Not without disclosure - Namen kaffeetrinkender Ärzte werden im Internet veröffentlicht.

Europas Patienten können Arzt frei wählen - EU-Gesundheitsminister: Patienten sollen künftig frei wählen können, in welchem Land sie sich einer Behandlung unterziehen.

Verdacht auf Körperverletzung und Betrug: DRK-Chefarzt und Geschäftsführer verhaftet.

Reaktion auf Pharma-Sparpaket: Kohlpharma streicht 150 Stellen.

Neuer Pharmakontrolleur: 'Unsinniges aussortieren'.

Impfungen: Nutzenbewertung aus verschiedenen Blickwinkeln - So wird Vertrauen geschaffen: Die Erstellung des Beitrages wurde durch einen unconditional grant der Sanofi-Pasteur-MSD GmbH, Leimen, unterstützt.

Paging Dr. House: You Spend a Lot of Money in 43 Minutes - in einer Dr-House-Folge werden medizinische Leistungen für 298.000 Dollar verabreicht.

Schönheitswahn. Der Körper als Baustelle.

Asco-Kongress: Kostspieliger Gewinn an Lebenszeit.

Cheap cancer drug 'could save the sight of tens of thousands of older people'.

Disease-Management. Patienten im Datenverlies.
 
[Links]
Autor: strappato   2010-06-12   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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