Medikamentenlager

Mal wieder ein Beispiel aus der Praxis, das zeigt, wie die Interviews und Vorlagen der Gesundheitspolitiker von den Realität entfernt sind.

(4) Pharmazeutische Unternehmer dürfen Muster eines Fertigarzneimittels an Personen nach Absatz 3 Satz 1 nur auf jeweilige schriftliche Anforderung, in der kleinsten Packungsgröße und in einem Jahr von einem Fertigarzneimittel nicht mehr als zwei Muster abgeben oder abgeben lassen. Mit den Mustern ist die Fachinformation, soweit diese nach § 11a vorgeschrieben ist, zu übersenden. Das Muster dient insbesondere der Information des Arztes über den Gegenstand des Arzneimittels. Über die Empfänger von Mustern sowie über Art, Umfang und Zeitpunkt der Abgabe von Mustern sind gesondert für jeden Empfänger Nachweise zu führen und auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen.
§47 Arzneimittelgesetz

Ist eigentlich eindeutig oder? Wie sieht es in der Realität aus?

Ich bin im Vergleich mit anderen Kollegen von generischen Firmen noch recht gut dran. Die bekommen Ihre Lieferungen auf Euro-Paletten...
Blog: Notizen eines Pharmaberaters.
Die Kontaktware, die ein einziger Pharmareferent übers Jahr verschenkt, ist so gigantisch, dass sich damit locker drei Apotheken füllen ließen. Im Juni vergangenen Jahres hat Ratiopharm seinen Außendienstlern die "Musterplanung 2005" geschickt, die dem stern vorliegt: eine genaue Auflistung, wie viele Gratis-Medikamente (so genannte Ärztemuster) ein Außendienstler im Jahr erhält. Darunter sind 2100 Packungen des Blutdrucksenkers Amlodipin, 500 Packungen Schmerztabletten Diclofenac, 3800 Packungen des Herz-Kreislauf-Mittels Metoprolol und so weiter. Insgesamt bekommt ein Ratiopharm-Referent mehr als 40.000 Arzneimittelpackungen zum Verschenken.
Ratiopharm - Der Pharma-Skandal Stern 46/2005

Die Diskrepanz zwischen Gesetz und Praxis ist evident. Eigentlich müssten von Generika keine Muster verteilt werden, da der Wirkstoff schon lange auf dem Markt ist. Aber niemanden interessiert es.

Das kann zu unerwarteten Problemen führen. Aus dem Stern-Artikel: Weil die ganze Ware in keinen Kofferraum der Welt passt, stapeln sich die Medikamente meist im Keller der Außendienstler oder in deren Garage. Pharmareferenten erkennt man auch daran, dass sie ihr Auto zu Hause im Freien parken. Ob da eine genügend sichere und ordnungsgemässe Lagerung garantiert werden kann?
 
[Arzneimittel]
Autor: strappato   2006-09-06   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  


hockeystick   2006-09-07  
Das mit den Probepackungen ist ein Thema für sich, das zu überaus originellen Auswüchsen führt: "Dass Vernunft wird nicht immer honoriert wird, bekam ein Arzt aus Westfalen zu spüren. Er glaubte, ökonomisch sinnvoll zu handeln, sah sich aber plötzlich mit einem Ordnungsgeld von 250.000 Euro konfrontiert. Grund dafür war ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Der Arzt hatte unbenutzte und nicht verfallene Medikamentenpackungen an Patienten weiter gegeben, damit aber den Zorn der im Ort ansässigen Apotheker erregt." (von hier).


strappato   2006-09-07  
Daher bekommt man als Patient recht selten Ärztemuster. Ich habe mir erzählen lassen, die gehen hauptsächlich an das Praxispersonal und das nähere Umfeld. So eine Art Naturalvergütung zum Aufstocken des kargen Einkommens.








Stationäre Aufnahme












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