Auftrags-Lobbyisten

Dass "Leiharbeiter" aus Verbänden und der Industrie in Bundesministerien tätig sind, ist schon länger bekannt. Nun hat Lobby Control eine neue Liste veröffentlicht. Ergebnis: Nichts Neues im Gesundheitsminsiterium (BMG). Die Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die Techniker Krankenkasse (TKK), die Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutsche Apotheker, alles bekannt. Für Irritationen sorgte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), aus dem mehrere Mitarbeiter mindestens bis Mai 2007 abgeordnet waren. Aus der Beschreibung bei Lobby Control wird der Leser auch nicht schlau. Will Bundesministerin Schmidt die Pharmaindustrie auf den Mond schiessen?

Wollen wir mal ein wenig helfen: Das DLR ist Projekträger für die Forschungsförderung des Bundesministerium für Gesundheit. Das heisst, diese DLR-Mitarbeiter sind im Auftrag des Ministeriums tätig. Warum sollen dann nicht ein paar davon ihren Schreibtisch nicht im Ministerium haben? Das erleichtert die Zusammenarbeit mit den zuständigen Abteilungen ungemein. Jeder, der schon einmal ein Projekt für das BMG mit der DLR als Projektträger durchgeführt hat, weiss, wie schnell man zwischen die bürokratischen Mühlsteine von Ministerium und Projektträger geraten kann. Würde mich wundern, wenn im Bundesforschungsministerium keine DLR-Mitarbeiter zu finden wären.

Das BMG beschäftigt also selbst beauftragte Lobbyisten in seinen Räumen. Hoffentlich ist der Rest der Lobby Control-Liste besser recherchiert.
 
[Politik]
Autor: strappato   2007-07-27   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  


gn8   2007-07-27  
Die Zusammenarbeit mit dem neoliberalen Think-Tank in Gütersloh wird auch auf diese Art und Weise gefördert, läuft dann «wie geschmiert». Man könnte glatt glauben, dass der Staat die geförderten Unternehmen irgendwie abzockt, oder?


strappato   2007-07-27  
Forschungsförderung ist nicht interessenlos. Der Projektträger überwacht die Kriterien, nach denen sich Universitäten, Stiftungen und Institute bewerben können und evaluiert die Forschritte und Weiterförderung. Gerade in Deutschland läuft das nicht sehr transparent ab. Aber um das zu hinterfragen langt es eben nicht, eine "Lobby-Liste" zu veröffentlichen.








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