Pharmaindustrie-Lobby in den USA

Die FAZ beschäftigt sich mit dem Stellenwert der Gesundheitsversorgung als Thema im US-Vorwahlkampf. Der Bericht des Washingtoner Korrespondenten mündet in einem Kommentar, der Wettbewerb und Eigenverantwortung, die Grundpfeiler der USA in Gefahr sieht.
Statt nur am Symptom der hohen Zahl von Nichtversicherten herumzukurieren, muss die Ursache der hohen Kosten beseitigt werden. Nicht weniger, sondern mehr Wettbewerb im amerikanischen Gesundheitswesen ist hierzu notwendig. Das gilt mit Blick auf Ärzte und Krankenhäuser ebenso wie für die Pharmaindustrie und für Versicherungen. Ein schärferer Konkurrenzdruck und mündige, aufgeklärte Verbraucher bieten die besten Chancen, dass erstklassige Gesundheitsdienstleistungen und wirksame Medikamente zu bezahlbaren Preisen zu haben sind.

Da kann man anderer Meinung sein. Nur ist diese Einschätzung meilenweit entfernt von der Wahlkampfrealität. Pharmakonzerne, Versicherungen, Krankenhäuser, Ärzte - keiner will den Wettbewerb mit Konkurrenzdruck. Dafür wird im Wahlkampf einiges eingesetzt. In der Vergangenheit hat sich die Medizinindustrie als ergiebige Quelle für Wahlkampfspenden und Lobbyistenzuwendungen erwiesen.

Ein aktuelles Beispiel, wie Meinung gemacht wird: In der sonst seriös-liberalen NY Times durfte Peter Pitts, Vice-Präsident einer PR-Agentur, die Pharmakonzerne zu ihren Kunden zählt, die Meinung seiner Auftraggeber in der op-ed Kolumne verkünden. Aufgetreten ist er jedoch als Präsident des Center for Medicine in the Public Interest, a nonprofit organization that receives financing from the pharmaceutical industry. Einer Astroturfing-Organisation der Pharmaindustrie.

Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln in direktem Vergleich, wie es IQWiG, NICE und Institutionen in anderen Ländern machen und deren Ergebnisse als Entscheidungsgrundlage für die Erstattung dienen, ist für Pitts Teufelszeug. Was nun nicht verwundert.

Neben Pitts im Center for Medicine in the Public Interest: Robert Goldberg, ehemaliger Direktor des Manhattan Institutes, das auch den republikanischen Kandidaten und Pharmalobbyisten Rudy Giuliani mit fragwürdigen Argumenten versorgt.

Ein Problem der Amerikaner? Nicht alleine. Mit dabei ist auch Jacob Arfwedson. Ein Schwede, mit besten Beziehungen zu neoliberalen, von der Pharmaindustrie finanzierten europäischen Thinktanks, wie das Centre for the New Europe, Stockholm Network, Timbro, Institut Euro 92.

Die in der FAZ beschworene ausgezeichnete Qualität des amerikanischen Gesundheitswesens offenbart sich besonders bei der Einflussnahme auf die Politik. Weltklasse. Doch Europa holt auf.
 
[Politik]
Autor: strappato   2007-11-04   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  


mager   2007-11-05  
Lustig: Mr. Pitts findet, daß die GKV biased wäre wenn es um die Bewertung von Studien geht. Wie gut, daß wir Mama Pharma haben! M.








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