Lesetest von Wyeth


Wellcome Images

Die Seite Comeback ins Leben ist auf den ersten Blick das beim Pharma-PR gewohnte Portal eines Pharmakonzerns zu einem nicht weiter genannten Medikament, das die Patienten durch Unterstützung bei ihrer Erkrankung ansprechen soll. Positiv: Das Pharmaunternehmen wird klar genannt und das Impressum ist vollständig.

Bis man auf das Patientenportal stösst. Wir erinnern uns: Werbung zu verschreibungspflichtigen Medikamenten darf nur Personen, die zur Verschreibung oder zur Abgabe von Arzneimitteln befugt sind, erreichen. Anscheinend ist man bei der PR-Agentur "Public Health" der Auffassung, dass Informationen für Patienten, der ein Medikament schon vom Arzt verschrieben bekommen haben, keine Werbung - im Sinne einer Verkaufsförderung - darstellt. Trickreich wird der Zugang zu den Fachinformationen durch eine Maske verwehrt, in die man die Chargennummer der Medikamentenpackung eintragen muss. Rechts danaben wird gezeigt , wo man die findet, und wer dies nicht schafft, kann auch die abgebildete Nummer "24010" nehmen. Also eher ein Lesetest, als eine Zugangsbeschränkung.

Dort findet der Patient dann Gebrauchsinformation zu dem beworbenen TNF-alpha-Blocker Enbrel® (Etanercept), eine FAQ mit kurzer Auflistung der Nebenwirkungen (die nicht den Vorgaben der Beipackzettel mit Relevanzangaben entsprechen), Anwendungsbroschüren (die sonst der Pharmareferent an Ärzte verteilt) und ein SMS-Reminder (der via SMS an den Injektionstermin erinnert).

Bei der Umgehung des Werbeverbots im Arzneimittelgesetz lassen sich die österreichischen Agenturen immer etwas einfallen. Sehr kreativ. Könnte man fast den Hut vor ziehen.

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Ich sollte mir die cleveren Burschen und Madls wirklich mal bei der Verleihung des goldenen Skalpels ansehen.
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2007-07-18   Link   (7 KommentareIhr Kommentar  


galapagos   2007-07-19  
dabei gehts kaum um cleverness. der unterschied zu deutschland ist, es kratzt in österreich keinen. die kaffeehaustische, unter die man kehren kann, sind hoch. in österreich gibts praktisch keine medien oder weblogs, die hungrig wie aktuell bei freenet oder combots systematisch aufdecken, aufgreifen, diskutieren. geschweige denn aktive kontrollbehörden oder konkurrenzierende unternehmen, die tätig werden. wenn der eine dreck am stiefel hat, sticht er doch dem anderen nicht das auge aus. der kaffee muss schmecken und mit nem kleinen "is eh ned so schlimm" ists aus der welt...


galapagos   2007-07-19  
ein interessanter beitrag findet sich übrigens bei herrn knüwe, der das prinzip österreich ähnlich erklärt: http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1413


fabianfuchs   2007-07-19  
Oooooch, in Deutschland bedient sich Wyeth da mehr oder minder geschickt des "Verlages" BSMO mit rheumawelt.de und psoriasiswelt.de.


hockeystick   2007-07-19  
In unserem gemeinsamen Nachbarland gibt es sogar für "redaktionelle" Arzneimittelwerbung eins auf die Mütze.


strappato   2007-07-19  
Aber auch nur leicht:

Keine besonders schwere Strafe, da das Gesetz Haft oder Busse bis zu 50 000 Franken zulässt», qualifizierte Schweizer-Werbung-Rechtskonsulent Marc Schwenninger am Donnerstag gegenüber dem Klein Report das Urteil.


siyani   2007-07-19  
Bei der Begründung "...Das Verbot wird mit dem Argument begründet, dass Patienten ihren Arzt derart beeinflussen können, dass er nicht mehr gestützt auf sein Fachwissen entscheidet...." würde ich aber dann endlich auch gleich die Fachwerbung kippen, denn die hat ja mit Fachwissen auch schon lange nix mehr am Hut!


strappato   2007-07-19  
Ganz so einfach ist es ja nicht.

Das Arzt-Patient-Verhältnis hat doch noch eine andere Qualität, wie das Arzt-Pharmaberater-Verhältnis.








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