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Rationierung Achtung Feinbild wird wieder aus der Kiste geholt: Pharmavertretern muss der Besuch in Arztpraxen verboten werden, fordert der Geschäftsführer der KV Bayern. Was die eigentliche Stossrichtung ist, wird aus einem anderen Statement von ihm deutlich: Man muss sich davon verabschieden, dass die Ärzte alles verordnen können, was auf dem Markt ist. Also der der Einstieg in die offene Rationierung von Leistungen - die im übrigen schon verdeckt heute alltäglich ist, wenn man sich die Unterversorgung in vielen Bereichen ansieht.Dies sind nicht nur Gedankenspiele: Die Krankenkassen wollen im Vertragsgeschäft mit Ärzten und anderen Leistungserbringern mehr Einfluss auf die Versorgung nehmen - was auch auf eine Beschränkung bei der Erstattung von Therapien und Medikamenten hinausläuft. Und nebenbei empfiehlt der Geschäftsführer die bei Direktverträgen von Kassen mit Leistungserbringern eigentlich überflüssig werdende KV für eine neue Aufgabe: Die Vertragsärzte auf Linie zu bringen und die Mengensteuerung noch rigoroser zu kontrollieren. Eine Dienstleistung, die die Krankenkassen sicher goutieren. Eigentlich ein Armutszeugnis für die zögerliche Politik. Wenn es die Politik nicht schafft, Ziele für die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung und der Gesundheitsversorgung zu entwickeln, werden Krankenkassen und Ärzteverbände diesen Leerraum mit Ideen füllen. Ob das immer Interesse der Patienten ist? [Arzneimittel]
Tamiflu™ und Vogelgrippe In einem Artikel im Journal "The Lancet" wird die Wirksamkeit von antiviralen Medikamenten bei der Virusgrippe untersucht: Antivirals for influenza in healthy adults: systematic review Das Ergebnis müsste die Verantwortlichen im Hinblick auf eine Pandemie durch einen mutierten Vogelgrippe-Virus beunruhigen. Die Autoren gehen daher davon aus, dass der alleinige Einsatz von Neuraminidasehemmern (wie Tamiflu™) in einer Pandemie aufgrund der in einer solchen Situation sehr viel höheren Viruslast nicht ausreichend ist, um eine Ausbreitung zu kontrollieren. Vielmehr könnte eine zu optimistische Einschätzung der Wirksamkeit von Neuraminidasehemmern zu einem erhoehten Risikoverhalten und somit sogar zu einer Förderung der Virusausbreitung führen. Der Einsatz von Neuraminidasehemmern während einer Influenza-Epidemie ist somit nur bei zusätzlichen Schutzmassnahmen wie Isolation oder Schutzkleidung Erfolg versprechend. Der routinemässige Einsatz von Neuraminidasehemmern in üblichen Grippewellen wird aufgrund der fehlenden Wirkung bei den grippeähnlichen Erkrankungen nicht empfohlen. Aber dies wird den Aktienkurs des Tamiflu-Herstellers nicht beeindrucken: Roche hat die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Das Geschäft mit der Angst war immer schon lukrativ. [Public Health]
Stottern des Reformmotors Die Reduzierung der Zahl der Krankenkassen (zur Zeit rund 260) ist ja ein Herzenswunsch von Ulla Schmidt. Die grosse Koalition stösst damit auf unerwartenden Wiederstand: Die Länder wollen mit einem eigenen Gesetzentwurf Kassenfusionen erschweren. Die Kassen sollten deshalb in Zukunft für einen Fusionsantrag ein detailliertes Organisations-, Personal- und Finanzkonzept vorlegen müssen. Darin müsse auch aufgeführt werden, wie sich die Beiträge nach einer Fusion voraussichtlich entwickeln. Außerdem fordern die Länder, auch über Fusionen von den Kassen entscheiden zu dürfen, die eigentlich nicht in ihren Aufsichtsbereich fallen. Das betrifft besonders Betriebs- und Innungskassen. Wenn eine Fusion über Ländergrenzen hinweg stattfindet, wollen die Landesregierungen per Staatsvertrag zustimmen. Diese Forderungen sind ein Schlag ins Kontor für alle Reform-Bemühungen und es ist zu befürchten, dass die "grosse" Gesundheitsreform wieder durch Grabenkämpfe aufgerieben wird. Dazu passen auch die Meldungen, dass die schwierigen Teile wie die Reform des ärztlichen Honorars und des Risikostrukturausgleichs erst einmal auf die lange Bank geschoben werden. [Reform]
Versuchskarnickel Grosse Hoffnungen sowohl der Politik als auch der Industrie liegen auf der elektronischen Gesundheitskarte. Sie soll ein Allheilmittel gegen die ausufernde Bürokratie sein, gleichzeitig die Qualität der Versorgung verbessern und die grundlegende Modernisierung des deutschen Gesundheitswesens ermöglichen. In den Modellregionen beginnt nun die Erprobung. Dabei zeigt sich, mit welch' heisser Nadel das Projekt gestrickt ist.Bei den teilnehmenden Ärzten kommt erster Unmut auf. Der Aufwand ist immens und die Gegenleistung vage: Bitte gehen Sie davon aus, dass die Kassenärztliche Vereinigung sowie die Ärztekammer Nordrhein bzw. die auf Bundesebene federführende KBV und BÄK alles unternehmen werden, um den teilnehmenden Testpraxen eine angemessene Aufwandserstattung durch die bereitstehenden Gelder der gematik zukommen zu lassen. Was im Einzelnen tatsächlich bezahlt wird, kann jedoch erst ermittelt werden, wenn die weiteren Verhandlungen der Projekte mit der gematik abgeschlossen sind. Die Ärzte sind ja in Sachen Honorar einiges gewöhnt, aber dagegen ist selbst der Punktwert des EBM eine harte Währung. Man hat den Eindruck, dass die beteiligten Unternehmen und Verbände glauben, dass die Ärzte sehnsüchtig auf die Karte gewartet haben. Hat denn keiner aus den Erfahrungen bei der Einführung der Versichertenkarte und der Praxiscomputer gelernt? [Gesundheitswirtschaft]
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