FDP macht Apothekerpolitik durch die Hintertür

Wenn ein FDP-geführtes Ministerium die Apotheker mit einem neuen Gesetz beglücken will, sollte man genauer hinsehen. In der Novelle der Apothekenbetriebsordnung soll der Verkauf von den Verkauf von Drogerieartikeln in Apotheken auf das notwendige Mass beschränkt werden. Ausserdem soll es höhere Vorgaben für die baulische Trennung des Labors und die Diskretion am Tresen geben.

Bei der Apothekerlobby kommt das gut an, weil es den traditionellen Apothekentyp zementiert. Mit diesen Vorgaben würde der deutsche Markt für Apothekenketten unattraktiver. Eine anständige Rendite, die Aktionäre erfreut ist nur mit Ausweitung des Zusatzsortiment zu erreichen. Das schafft eine stabile, von den Unbillen der Politik unabhängige Einnahme. Für das Beibehalten der "Rezeptur" wie der abgetrennte Teil der Offizin genannt wird, gibt es für Fillialapotheken keinen vernüftigen Grund - ausser sie vom Markt fernzuhalten. Individuelle Medikamente sind qualitativ besser in zentralen Laboren herzustellen. Auch der Punkt der Beratungspflicht zielt darauf Apothekenketten und Abholstationen zu erschweren.

Die Änderung der Apothekenbetriebsordnung fällt gesundheitspolitisch kaum auf. Damit kann die FDP im nächsten Schritt den Apothekenmarkt öffnen und Ketten zulassen. Dies würde das Image der Partei als Hüter des freien Marktes stärken und den Geruch der "Apothekerpartei" verdrängen. Sozusagen Apothekerpolitik durch die Hintertür.

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Und nebenbei bedeutet das auch Mehreinnahmen für die Apotheker. Mit dem Verweis auf die Beschränkung des Drogerie- und Nahrungsergänzungsmittel-Sortiments müssen Unternehmen, die mit dem Zusatz "aus der Apotheke" werben wollen, in Zukunft erheblich mehr Geld auf den Apothekertresen legen, um sich in die Regale der Apotheken einzukaufen.
 
[Apotheken]
Autor: strappato   2010-07-20   Link   (8 KommentareIhr Kommentar  



 

Bezahlte Actos®-Experten erhalten Plattform in der "Welt"

Ein kleines, alltägliches Beispiel, wie sich die deutsche Qualitätspresse - und sei es nur aus Naivität - von bezahlten Meinungsbildnern instrumentalisieren lässt, um die Botschaften der Marketingabteilungen von Pharmaunternehmen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die "Welt" berichtete gestern über den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die Antidiabetika Actos® (Pioglitazon) und Avandia® (Rosiglitazon) künftig nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstatten zu lassen.

Die Autorin des Artikels, Shari Langemak, hat zwei Experten ausfindig gemacht, die die Entscheidung im Fall Actos® für unbegründet halten:
Dennoch raten viele Experten dringend dazu, Glitazon nicht gleich Glitazon zu setzen. Man müsse zwischen den verschiedenen Substanzen dieser Medikamentengruppe trennen können: "Diverse Studien haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko für Rosiglitazon gezeigt, allerdings nicht für Pioglitazon. Beide Medikamente wirken ganz unterschiedlich - das wissen die Fachleute schon lange", sagt Professor Erland Erdmann, Direktor am Herzzentrum der Universität zu Köln.
und
"Ich halte die derzeitige Beschlusslage für unklug. Es gibt genügend Daten, die es rechtfertigen, das Medikament weiterhin als Option zu behalten - nicht mehr und nicht weniger", sagt Professor Diethelm Tschöpe, Direktor des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen.

Was die Autorin vergisst zu erwähnen, ist die Tatsache, dass beide Herren schon in der Vergangenheit fest in die Marketingkampagne von Takeda Pharma für Actos® eingebunden waren. Nur eines von vielen Fundstücken: Schon im Jahr 2007 konnte man Erdmann und Tschöpe Seit' an Seit' auf einer Pressekonferenz von Takeda zum gleichen Thema und mit der gleichen Botschaft pdf-Dateiantreffen. Solche Auftritte werden erfahrungsgemäß üppig honoriert.

Transparenz bleibt in der deutschsprachigen Medizinberichterstattung ein Fremdwort.
 
[Medien]
Autor: hockeystick   2010-07-19   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Links am Samstag

'Politik der Nadelstiche' soll Rösler stoppen.

Bundestag: Gruppenantrag zu eigenem Ethikbeirat.

Avandia’s Sales Drop Far Behind Actos.

Avandia Advice: Talk to Your Doctor. (But What About?)

Diabetes Drug Maker Hid Test Data, Files Indicate.

UW ethics policy draft set off uproar among doctors - Ärzte der University of Wisconsin beklagen Einkommenseinbussen durch die strengen Verhaltensregeln der Uni.

Gates Foundation Sells Off Almost All HealthCare Investments - Big Pharma: Strong sell.

Pfizer: The Drug Giant That Makes Bank from Drugs That Can Kill You - Other drug companies have a portfolio of products, Pfizer has a portfolio of scandals...

Watchblogs. Wächter über dem Mainstream - die Stationäre Aufnahme wird in dem Artikel nicht genannt. Glück gehabt...
 
[Links]
Autor: strappato   2010-07-17   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Systemversagen bei klinischen Studien

“The Record trial raised the question whether the entire system is corrupt. To the extent that we can’t trust the data, we are in jeopardy of giving patients the wrong drugs.
Die bittere Erkenntnis von Dr. Jerome P. Kassirer, ehemaliger Herausgeber des New England Journal of Medicine, aus dem Avandia-Skandal.
 
[Quotes]
Autor: strappato   2010-07-17   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












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