Vorteils-Maximierung

Dienstwagenaffäre belastet Arzneimittelprüfer. Da hat man das Gefühl, das Ziel aller Beteiligen im Gesundheitssystem sei einzig das Maximieren der eigenen Vorteile und Gewinne.

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Update:

Die Süddeutschen Zeitung meldet, dass Sawicki seinen Posten räumen muss.
 
[IQWiG]
Autor: strappato   2010-01-17   Link   (16 KommentareIhr Kommentar  


hockeystick   2010-01-18  
Audi Q7.

Keine weiteren Fragen.


strappato   2010-01-18  
Am Mittwoch will der IQWiG-Vorstand über die anstehende erste Verlängerung des Arbeitsvertrags entscheiden. Wetten werden angenommen.


share of horst   2010-01-19  
Ich setze auf Sawicki, mangels Alternativen. Die diskutierten Nachfolger, z.B. Prof. Porzsolt, können selbst die FDP-Verschwörer Rösler, Üzzer und Baum nicht ernst meinen. Ist schon schick, zwei Tage vor der Personalentscheidung vertrauliche Informationen einer Wirtschaftprüfung der FAZ zuzuspielen.


strappato   2010-01-20  
Ist schwierig. Zum einen könnte das BMG mit einem Veto mal zeigen wo der Hammer hängt. Jedoch wird die Empörung in der Öffentlichkeit gross sein, da die Medien Sawicki in den letzten Wochen zum Robin Hood der Patienten stilisiert hatten. Mein Eindruck ist, dass von den Medien die Rolle des IQWiG-Leiters überschätzt. Das IQWiG ist ein Dienstleister, der Aufträge abarbeitet. Als Gegenspieler zur Gesundheitspolitik der Bundesregierung taugt das IQWiG nur bedingt.

Im Koalitionsvertrag steht folgendes:
Die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden wir auch unter dem Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren überprüfen und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten und Patienten, Leistungserbringer und Hersteller verbessern.

Meine Vermutung. Sawicki wird bleiben. Wenn die Bundesregierung mit der "Akzeptanzverbesserung" durch ist, wird er selber keine Lust mehr auf den Job haben.


share of horst   2010-01-20  
Zum Gegenspieler zur Gesundheitspolitik der Bundesregierung taugt das IQWIG sicherlich nicht aber als natürlicher Feind der Pharmaindustrie kommt es deren Büttel, der FDP, in die Quere. Ich will Sawickis Verfehlungen auch nicht klein reden,aber wenn man mal live gesehen hat wie Deutschlandchefs großer Pharmakonzerne im A8 mit Chaffeur in weißen Handschuhen zu Anhörungen beim Gemeinsamen Bundesausschuss vorgefahren wurden, weiß man wo die Beiträge von GKV-Pflichtversicherten landen und kann sich über 15 € für Rasenmäherbenzin nicht empören.

Übrigens werden die Patientenverbände, wie hier ja auch schon öfter berichtet und in oben genanntem Koalitionsvertrag auch aufgeführt, für die Industrie immer wichtiger. Wenn man die auf seiner Seite hat kann man auch mal Protestauszüge aus IQWiG-Anhörungen choreographieren, wie bei den Insulin-Analoga geschehen.


der landarsch   2010-01-19  
Wenn man den Artikel aus der FAZ so liest kann man sich des Eindruck nich erwehren, Sawicki habe die Schnauze voll. Bei der Position fliegen in der Holzklasse? Wegen 25 € Superbenzin der Aufstand? usw...?

Mal schauen, wo Sawicki in Zukunft seine Brötchen verdient? Mit Sicherheit aber nicht mehr zu dem Preis. Aber klug ist man immer erst hinterher!♦


hockeystick   2010-01-19  
Ich frage mich ja vor allem, was der für einen Rasenmäher fährt.


sfinxx   2010-01-20  
Zitat:

"Da hat man das Gefühl, das Ziel aller Beteiligen im Gesundheitssystem sei einzig das Maximieren der eigenen Vorteile und Gewinne."

Was heißt hier Gefühl? Das IST so. Und das ist ja wohl auch so gewollt.

Woher die Verwunderung?


hockeystick   2010-01-20  
Laut SpOn dementiert Sawicki die Vorwürfe in Sachen Dienstwagen.

Die Entscheidung über die Vertragsverlängerung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,673060,00.html


mager   2010-01-20  
Auch die taz hat Gegenteiliges im Interview: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wir-werden-genug-beschimpft/

Erstmal ist Ruhe geboten: nach dem letzten lauten Pressecoup gegen Sawicki ist auch wenig hängen geblieben. Skandalös ist aber nicht nur die Instinktlosigkeit, sich bei dem Gehalt das Rasenmährbenzin bezahlen zu lassen, sondern auch, das der Bericht wohl ohne weitere Klärung aus dem IQWiG geleckt ist - "zufälligerweise" direkt vor der pot. Wiederwahl.


strappato   2010-01-21  
Nach den Informationen der Süddeutschen Zeitung ist doch eine Entscheidung gefallen:
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki, in den nächsten Tagen abgelöst. Zwar vertagte der Vorstand des Instituts nach einer vierstündigen Sitzung am Mittwoch offiziell seine Entscheidung. Aus Kreisen des Gremiums hieß es jedoch, dies sei nur aus formal-rechtlichen Gründen geschehen.



share of horst   2010-01-21  
Was die forschende Pharmaindustrie an Sawicki immer gestört hatte (muss man ja nach seiner offensichtlichen Absägung schreiben), war vor allem, dass er so telegen und sympathisch in der Öffentlichkeit rüberkam. Darüber wurde er in Teilen der Medien als der Heilige Georg der Pharmaindustrie dargestellt. Der Stern hatte hier z.B. einige dümmliche Artikel mit Sawicki als Held und Pharma als Bösewicht veröffentlicht. Vertreter der Industrie kamen dagegen regelmäßig in Talkshows überaus schlecht weg und verstärkten das schlechte Image nur noch.
Es gab beim VFA daher das Bestreben, jemanden aus den eigenen Reihen als sympathischen Gegenpart zu Sawicki für die Öffentlichkeit aufzubauen aber man fand offenbar niemanden. Bei dem Personalbestand ja auch kein Wunder.


strappato   2010-01-21  
Sawicki hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Medien ihn als einsamen David gegen den Goliath Pharmaindustrie aufgebaut haben.

Die Pharmaindustrie fordert einen Scoping-Prozess, wie beim NICE, um bei der Konkretisierung der Forschungsfrage und Definition der Zielkriterien einbezogen zu werden. Das IQWiG hat immer argumentiert, dass der Ablauf in Deutschland sogar transparenter als beim NICE wäre und die Industrie ausreichend Möglichkeiten hätte, ihre Sichtweise zum Berichtsplan im Stellungnahmeverfahren einzubringen.

Beim NICE geht die Kommunikation mit der Industrie mittlerweile soweit, dass es dort einen "consultancy service" gibt. NICE bietet eine produktspezifische Beratung an, damit die Hersteller schon während der Entwickung die möglichen Evidenzanforderungen des NICE berücksichtigen können. Beim IQWiG gibt es Personen, die mehr auf die Pharmaindustrie zugehen würden, aber mit Sawicki war das undenkbar.

Die forschende Pharmaindustrie findet es unbefriedigend, kaum Kriterien bei der Studienplanung zur Vorbereitung auf ein HTA zu haben, ausser der Massgabe "beste Evidenz, RCTs, patientenrelevanter Nutzen ". Das IQWiG wurde in den Medien in den letzten Tagen oft als "Arzneimittel-TÜV" bezeichnet. Im Gegensatz zum IQWiG unterhält der TÜV umfangreiche Beratungsleistungen für die Automobilhersteller über die gesamte Produktionskette hinweg.


amelia   2010-01-21  
Klingt ein bisschen wie die Ratingagenturen, die auch "produktspezifische Beratung" für Subprime-Verbriefungen angeboten haben.


mager   2010-01-21  
Sawicki weg
SPON berichtet, dass er nicht verlängert wird: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,673239,00.html

Zum Vorschlag der Pharmaindustrie-Beratung a la TÜV: damit würde doch der Bock zum Gärtner gemacht! Das könnte nicht kostenlos erfolgen - und wenn man solche Einnahmen hat kann man nicht mehr unabhängig sein.
Scoping klingt zwar nett - aber unter uns: es geht es doch da nur um Einfluß in Sinne der Industrie!


strappato   2010-01-22  
Ich kann die Industrie aber verstehen. Wenn von der Wahl des richtigen primären Endpunkts einer klinischen Studie die Erstattung abhängt, wäre es hilfreich die Wünsche zu kennen, bevor eine Stidie finanziert wird. Was das Scoping angeht. Das IQWiG hat für mich immer überzeugend dargelegt, dass ihr Ansatz mit dem Stellenungnahmeverfahren mindestens so viel Mitsprachemöglichkeiten eröffnet, wie das Scoping beim NIOE.








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