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Chinas unkontrollierte Chemieindustrie Nicht nur die Aufsicht über die Zulassung und Vermarktung von Medikamenten wird in den Schwellenländern lax gehandhabt, sondern auch die Kontrolle von chemischen Grundstoffen und Vorprodukten. Die NY Times zeigt, wie diese aus China auch auf den amerikanischen Markt gelangen. Man könnte statt FDA und USA sicherlich meist ebenso Europa einsetzen. Dass die erwähnte Messe in Mailand stattfand, kann man als ein Seitenhieb gegen die EU verstehen. Hier der Beitrag als Video. [Pharmaindustrie]
Emerging drug markets In den Industrieländern wachsen die Ausgaben für Arzneimittel nur moderat und Massnahmen zur Eindämmung der ausufernden Kosten für die Gesundheitsversorgung lassen wenig Spielraum für Gewinnsprünge. Einen Ausweg sehen die Pharmakonzerne in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen die Mittel- und Oberschicht vom Wirtschaftwachstum profitiert. Die internationale Verbraucherorganisation "Consumers International" hat in einem Dabei wird wenig Rücksicht auf die Patienten genommen. Oftmals unterbleiben Hinweise auf Nebenwirkungen und Gegenanzeigen. Die Aufsichtsbehörden tun sich schwer, die Bevölkerung vor Medikamenten zu schützen, die in den Industrieländern vom Markt genommen worden sind. Dem Guardian sagte der Sprecher der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers Associations (IFPMA), es koste Zeit, Verhaltensrichtlinien überall zu etablieren. Der Report ist Teil einer Kampagne von Consumers International gegen irreführende Medikamentenwerbung. [Pharmamarketing]
Statistiken selber fälschen In den USA tobt der Vorwahlkampf. Das marode Gesundheitswesen entwickelt sich zu einem Haupthema. Die NY Times hat sich die Argumente des ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph W. Giuliani genauer angesehen, der gute Aussichten hat, für die Republikaner gegen die in Umfragen bei den Demokraten führende Hillary Clinton anzutreten. In Radiospots spricht Giuliani offensiv über seine Prostatakrebserkrankung vor 6 Jahren. Was sehr clever ist, da Zweifel an der Gesundheit vom amerikanischen Wähler abgestraft werden. Er sei geheilt und die Chance seinen Prostatakrebs zu überleben lägen in den USA bei 82%, in England - under socialized medicine nur bei 44%. Woher stammen diese Zahlen? Dies hat die NY Times nachgespürt und der Fall zeigt, wie Wahlkampf in den USA läuft. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt in Grossbritannien bei 74,4%. Giulianis Sprecherin gibt an, dass die Prozentwerte einem Artikel aus einer Veröffentlichung des Manhattan Institutes, einem konservativen Thinktank entnommen worden sind. Autor des Artikels mit dem Titel The Ugly Truth About Canadian Health Care war David Gratzer, ein Wahlkampfberater Giulianis. Dieser sagt, die Statistiken des Commonwealth Fund, einer in der Gesundheitspolitik angesehenen NGO, benutzt zu haben - aber auch, dass die Zahlen 7 Jahre alt seien und "crude". "Crude" bedeutet in der Statistik immer auch "Schrott". Wie man aus den Zahlen für Neuerkrankungen (Inzidenz) und der Sterblichkeit (Mortalität) die Überlebensrate errechnen kann, bleibt das Geheimnis des Autors. Würde Epidemiologen brennend interessieren. Wenn das nicht genug wäre. Zusätzlich sind diese Vergleiche höchst fragwürdig, da natürlich auch der Zeitpunkt der Erkennung eine Rolle spielt. Der überwiegende Anteil der Prostatatumore wächst nur sehr langsam. Abwarten und Beobachten ist eine häufige Empfehlung des Arztes. Ein intensives Screening für die "First Class" Patienten kann die Überlebenszeiten für alle beeinflussen. So gibt der Commonwealth Fund in seinem Statement zu der irreführenden Wahlkampfmunition an, dass die Mortalität in den USA bei 26/100.000 Männern gelegen habe, in Grossbritannien bei 28/100.000. Wobei man auch die demographische Verteilung berücksichtigen muss und solche Vergleiche nur altersstandardisiert sinnvoll sind. Und was lernt Giuliani daraus? Dr. Gratzer dismissed the Commonwealth Fund’s statement, saying the group had “an ideological bias.” Asked if Mr. Giuliani would continue to repeat the statistic, and if the advertisement would continue to run, Ms. Comella responded by e-mail: “Yes. We will. Nicht zu vergessen: Giuliani hat nach seinem Bürgermeister-Job ein Beratungsunternehmen gegründet. Zu den Kunden gehören Pharmakonzerne und der Pharmaindustrieverband PhRMA. In der Wie bekannt wird Hillary Clinton von Pfizer-Chef Kindler unterstützt. Merke: Die Pharmaindustrie gewinnt in den USA immer. -- Update: Der Boston Globe hat die Story auch aufgegriffen. [Ausland]
Avastin - Verunsicherung und Nebelkerzen In den USA hatte Genentech, der Hersteller von Avastin® und Lucentis®, Mitte Oktober Das ist jedoch das einzige was klar ist. Widersprüchlich bleiben dagegen die Umstände der Gespräche zwischen Genentech, den Fachverbänden der Augenärzte und der Zulassungsbehörde FDA. Das Unternehmen will die weitere Belieferung von einer Erlaubnis der FDA abhängig machen. Wobei unklar ist, ob Genentech selber aktiv sich darum bemüht und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Ausserdem gab Genentech bekannt, 350.000 Ampullen Avastin® vernichtet zu haben, weil das Produkt nicht die Standards erfüllt, die das FDA für die Anwendung im Auge fordere. Auch hier bleiben die Rolle der FDA und Details im Dunkeln. Der in dem offenen Brief von Genentech zitierte "Warning-Letter" ist nicht datiert. Er könnte sich auch auf eine Inspektion bei einer Apotheke im Jahr 2005 beziehen. Wenn in dem Brief die Rede ist von Avastin deemed unsuitable for use in the eye due to a higher visual inspection standard. (These lots would have been entirely suitable for its approved use as an intravenous cancer medication),
dann müsste sich der "visual inspection standard" eigentlich auf die Qualitätssicherung beziehen - lediglich optisch und nicht analytisch. Bei einem Produkt, dass steril in Ampullen verpackt wird, bleiben Fragen offen.Es hat alles den Anschein, dass Genentech für Verunsicherung bei der Anwendung von Avastin® zur Behandlung von AMD sorgen will. Zurück zu Deutschland. boocoampany hat eine Gegendarstellung vom Verband "Pro Retina" erhalten, weil dieser in einem Artikel seine Unabhängigkeit von Novartis nicht ausreichend gewürdigt sieht. Dazu gebe ich einen Kommentar von hockeystick wieder. Deshalb nimmt Pro Retina nicht nur Geld von Novartis, sondern tourt auch mit der von Novartis ins Leben gerufenen und finanzierten Lobbyinitiative "AMD-Alliance" gemeinsam durch die Republik, die das Novartis-Logo bereits auf der Homepage zeigt. Die Europa-Koordinatorin der AMD-Alliance arbeitet wiederum als "Campaign Manager" für das Royal National Institute of Blind People. Das RNIB hat allein im vergangenen Jahr knapp £100.000 von Novartis erhalten. "Fachlich unterstützt" wird die AMD-Alliance wiederum von der Dr. Rainald von Gizycki von der Pro Retina. Im Gegenzug verbreitet die Pro Retina das Material der AMD-Alliance auf ihrer Homepage. (Das könnte man jetzt noch stundenlang so fortsetzen.) [Avastin - Lucentis]
USA schaut in die Schweiz und nach Holland Die USA sucht nach einer neuen Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung. Nach Informationen der NY Times haben es den politisch Verantwortlichen in den USA die Gesundheitssysteme in der Schweiz und in den Niederlanden besonders angetan. Unsere beiden kleinen Nachbarländer sind Ziel einiger Informationsbesuche. Bitter für Ulla Schmidt und Andrea Kdolsky - nicht Deutschland, nicht Österreich. Dies muss kein Makel sein. Die Schweiz ist das Land mit dem nach den USA teuersten Gesundheitswesen und höchsten Preisen bei Medikamenten. Die Niederlande musste die an die Wand gefahrene Versorgung 2006 radikal reformieren und hat erst 2 Jahre Erfahrung mit dem neuen System - nicht unbedingt die Wenn jetzt der Traum ein Mix aus hohen Medikamentenpreisen wie in der Schweiz und privater Zwangsversicherung mit gesetzlich abgesicherter Minimalversorgung wie in den Niederlanden ist, dann braucht sich in den USA nicht all zu viel zu ändern. Lediglich die Finanzierung - Steuermittel, Arbeitgeber, Kopfprämien - ist zu klären. Fraglich bleibt, ob die Gesundheitsversorgung in einem dicht bevölkerten Land mit 16 Millionen Einwohnern und einem kleinen reichen Land mit 7 Millionen Einwohnern als Vorbild für 300 Millionen Amerikaner dienen kann. Wahlkampf eben. [Ausland]
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