PR mit gefälschter a-t-Mitteilung für AstraZeneca Antidiabetikum

In einem "blitz-a-t" pdf-Dateiweist die Redaktion des unabhängigen Arzneimittel-Informationsdienst "arznei-telegramm" (a-t) auf Trittbrettfahrer-PR hin.

Von einem Arzt erhielt das a-t einen PR-Text zum blutzuckersenkenden Dipeptidylpeptidase (DPP)-4-Hemmer Saxagliptin (Onglyza®), der aufgemacht war, wie ein a-t-Text und mit a-t-Kopf, aber mit Verweis auf ein Heft, das es nicht gibt ("2011; 40: 80-2").Das Fax war dem Mediziner unaufgefordert in die Praxis geschickt worden. In der Fälschung wird das Medikament als angeblich "gute Alternative" für Glitazone gelobt. Der Text ist eine Mischung aus Zitaten, die aus der Saxagliptin-Bewertung in a-t 12/2009 stammen, und Behauptungen, die dem Tenor der a-t-Bewertung diametral entgegenstehen.

Selektiv werden für die Konkurrenzpräparate Sitagliptin (Januvia® und Xelevia®) und Vildagliptin (Eucreas® und Galvus®) schwerwiegende unerwünschte Wirkungen genannt, während unter Saxagliptin angeblich "lediglich Kopfschmerzen, Sinusitis und Übelkeit beobachtet" worden seien.

Klingt kriminell verharmlosend, wenn man das mit der Bewertung des a-t von Dezember 2009 vergleicht:
"Die von Saxagliptin gehemmte DPP-4 hat eine Funktion im Immunsystem. Welche Folgen die Hemmung langfristig haben kann, ist nicht geklärt. Unter den unerwünschten Effekten nach Kurzzeitanwendung fallen beispielsweise Lymphopenien und Hypersensitivitätsreaktionen auf. Saxagliptin steigert möglicherweise das Knochenbruchrisiko.
...
Wir sehen beim gegenwärtigen Kenntnisstand keine Indikation für das Mittel."

Die Fachinformationen zu Onglyza® weisen als häufige Nebenwirkungen aus: Infektion der oberen Atemwege, Harnwegsinfektionen, Gastroenteritis, Nasopharyngitis und periphere Ödeme - neben Sinusitis, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Das Antidiabetikum wird vom Pharmakonzern AstraZeneca vertrieben. Unklar ist, wer für diese unethische und irreführende Fälschung verantwortlich ist. Bisher ist nicht bekannt, an wieviele Ärzte die gefälschte Mitteilung gegangen ist. Das a-t wird eine Strafanzeige gegen Unbekannt stellen.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2011-02-07   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Generikahersteller stricken Aut idem-Netzwerk


Ärztenetzwerke sind für Pharmaunternehmen gefragte Partner, wenn es darum geht, den Unbill der Gesundheitspolitik zu mildern und den Umsatz zu steigern. Das zeigt Markus Grill in einem Artikel im Spiegel mit Beispielen der Unternehmen Heumann, Sandoz und TAD.

Ziel der Generikahersteller ist, die Substitution ihrer Arzneimittel durch preiswertere Präparate mit dem gleichen Wirkstoff zu verhindern. Der Arzt muss nur das "aut idem"-Feld mit Hilfe eines Kreuzes durchstreichen. Dann darf der Apotheker nicht mehr austauschen, sondern muss das Medikament von genau der Firma abgeben, die der Arzt aufgeschrieben hat - selbst wenn dieses Präparat am teuersten ist. Mit Erfolg:
Zum Beispiel das Medizinische Qualitätsnetz Westküste, einen Zusammenschluss von mehr als 90 niedergelassenen Ärzten in Dithmarschen. Resultat der fruchtbaren Kooperation: Während im Landkreis Dithmarschen bei durchschnittlich 32 Prozent aller Rezepte ein Austausch mit günstigeren Pillen ausgeschlossen ist, liegt die Quote unter den Sandoz-Verordnungen bei 68 Prozent.

Wobei "teuer" relativ und für den Ausssenstehenden, auch den Arzt, nicht nachzuvollziehen ist. Für Generika gibt es Festpreise. Offen unterscheiden sich die Preise nur gering. Doch haben die Krankenkassen Rabattverträge mit Herstellern per Ausschreibung abgeschlossen, die ihnen bis zu 90% Einsparungen bringen, wenn der bei ihnen versicherte Patient den Wirkstoff von dem Hersteller bekommt, mit dem der Rabatt ausgehandelt worden ist. Der Apotheker ist verpflichtet diese abzugeben. Generikaunternehmen, die keinen Rabattvertrag haben gucken in die Röhre, ausser sie helfen dem Arzt beim aut idem-Kreuz.

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Update: Die Journalistin Nicola Kuhrt hatte im September 2010 ähnliches berichtet.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2011-02-02   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Hinter den Kulissen einer Pharma-Marketingagentur


 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2011-01-14   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Novartis: "'Zeck-Attack' soll in erster Linie Spass machen"

Die Impfstofftocher des Pharmaunternehmens Novartis hatte letzte Woche das Online-Spiel Zeck-Attack vorgestellt, das die Aufklärung über die Risiken, die von Zecken ausgehen können, unterstützen soll. Nicht nur bei mir war das Moorhuhn-Derivat auf Unverständnis gestossen.

Ich hatte der Irene von Drigalski, Leiterin Communications von Novartis Behring, eine E-Mail geschickt, in der ich meinen Eindruck und Bedenken formuliert hatte.

Novartis setzt auf transparente Kommunikation und daher ist nachfolgend die Antwort dokumentiert:

Sehr geehrter Herr Strappato,

wir freuen uns über die Aufmerksamkeit, die unser Spiel bei Ihnen ausgelöst hat und möchten Ihnen für Ihre Anregungen danken.

„Zeck - Attack“ soll in erster Linie Spaß machen. Zugegeben ist es Geschmackssache, ob man an einem Spiel Spaß hat oder es "dämlich" findet - aber das wird wie bei vielen Spielen jeder für sich persönlich entscheiden.

Es stimmt: die Anzahl der FSME-infizierten Zecken im Spiel spiegelt nicht die tatsächliche Erregerprävalenz wider - allerdings hat das Spiel auch nicht den Anspruch einer detailgetreuen Wiedergabe der Wirklichkeit. Wir haben aber durchaus Abstufungen vorgenommen und beispielsweise das unterschiedlich hohe Risiko in der Stadt und der freien Natur verdeutlicht.

Zwischen den einzelnen Leveln verweisen wir auf die Homepage www.zeckeninfo.de, auf der ausführliche Informationen zu Zecken zu finden sind. Hier wird selbstverständlich auch über Borreliose aufgeklärt. Ebenso über allgemeine Maßnahmen, die man beachten sollte, um nicht von Zecken gebissen zu werden.

Gerne werden wir an dieser Stelle auch Ihren Vorschlag umsetzen, und darauf hinweisen, dass eine FSME-Impfung nicht vor Borreliose schützen kann. Ausserdem, dass helle Kleidung vor Zeckenbissen schützen kann. Bei den Schlüsselbegriffen (Borreliose und Schutz vor Zecken) werden wir direkt auf weiterführende Informationen verlinken.

Da wir auf transparente Kommunikation setzten, dürfen Sie unsere Antwort selbstverständlich in Ihrem Blog veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Irene von Drigalski

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2010-08-04   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

E-Mail mit Anmerkungen zu "Zeck Attack" an Novartis

Erst fand ich das Online-Spiel Zeck-Attack einfach nur albern, jedoch auch aufgrund der Kommentare zu dem Posting bin ich der Meinung, dass es darüber hinaus ärgerlich ist und dadurch irreführende Informationen verbreitet werden.

Daher habe ich der Leiterin Communications von Novartis Behring eine E-Mail geschickt, in der ich meinen Eindruck und die Bedenken formuliere. Gleichzeitig ging das Schreiben zur Information an Dr. med. Kurt Müller (Vorsitzender der Deutschen Borreliose Gesellschaft,), Hilda Bastian (Chefredakteurin der IQWiG-Website www.gesundheitsinformation.de) und Dr. Stefan Etgeton (Referent für Gesundheit Verbraucherzentrale Bundesverband).

Sehr geehrte Frau von Drigalski,

ich betreibe ein journalistisches Blog zum Thema Medizin und Gesundheit (gesundheit.blogger.de) und bin von einem Leser auf das Online-Spiel Zeck-Attack (https://www.zeckattack.com) aufmerksam gemacht worden, das Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH als Anbieter verantwortet.

Gestatten Sie mir die persönliche Vorbemerkung, dass ich das Spiel ziemlich dämlich finde und die Qualität, die ein führendes forschendes Pharmaunternehmen bei der Kommunikation über Erkrankungen auszeichnen sollte, nicht im Mindesten erreicht. Davon abgesehen werden mit dem Spiel jedoch irreführende Informationen vermittelt.

Erregerprävalenz
Während im Spiel etwa 20-25% der Zecken FSME übertragen und durch eine warnende rote Färbung auffallen, sind es in der Realität nur 0%-3,4%, wenn man die vorliegenden Studien berücksichtigt. Dementsprechend wird in Deutschland das Risiko an FSME nach einem Zeckenstich in einem Hochrisikogebiet zu erkranken von Experten nur mit 1:600 bis
1:2000 angegeben; im Niedrigrisikogebiet noch mit 1:10.000.

Borrelioseproblematik
In der Pressemitteilung zum Start der Internetseite (https://www.novartis-vaccines.de/presse/pressrelease_Zeckenweitwurf_beim_Online-Spiel_Zeck-Attack.php) wird auf die Gefahr der Borreliose hingewiesen und für das Spiel ein hoher Anspruch formuliert:

"Das neue Computerspiel „Zeck Attack“ macht spielerisch auf die Risiken aufmerksam, die von Zecken ausgehen. "Zeck Attack" zeigt, worauf man achten sollte, wenn man sich im Freien vor Zecken schützen will. Denn die kleinen Blutsauger können bei einem Stich gefährliche Infektionen wie die Zeckenencephalitis (Frühsommer-Meningoencephalitis; FSME) oder Borreliose übertragen."

Jedoch wird im Spiel diese erheblich häufigere von Zecken übertragene Erkrankung nicht weiter thematisiert. Durch die Minuspunkte, die aus dem "Beschuss" der durch die FSME-Impfung geschützten Personen resultieren, wird suggeriert, dass die Impfung einen umfassenden Schutz gegen alle Erkrankungen bietet, die potentiell nach einem Zeckenbiss auftreten können. Das entspricht der Intention, die in der Pressemitteilung kommuniziert wird: "Manche Menschen sind aber gegen FSME geimpft, erkennbar an einer kleinen Spritze. Werden diese getroffen, können ihnen die Zecken nichts anhaben – Punktabzug für die Blutsauger." Dies ist umso unverständlicher, da die Prävalenz des Erregers in Zecken um das 10-fache höher als bei der FSME liegt und immerhin bis zu 1,4% der Personen nach einem Zeckenbiss Symptome einer Lyme-Borreliose entwickeln.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das Angebot einen Widerspruch zwischen Trivialisierung durch die Art der Präsentation und Dramatisierung des FSME-Risikos erzeugt und damit das Ziel einer "spielerischen Aufklärung über Risiken, die von Zecken ausgehen" verfehlt. Darüberhinaus wird vermittelt, durch eine FSME-Impfung umfassend geschützt zu sein. Wenn das Spiel die Realität abbilden würde, müsste bei jedem 4. im Spiel als geimpft Dargestellten ein "Treffer" zu Sonderpunkten durch die potentielle Übertragung von Lyme-Borreliose führen.

Das angebotene Spiel steht nach meiner Ansicht den von Novartis Vaccines formulierten "Promotional Principles and Practices Policy (VP4)" entgegen, die zu den Grundsätzen für ethisches Geschäftsgebarens des Unternehmens zählen. Aus Kapitel 6.5.3 "Disease awareness programs":

"Any pre- and post-launch disease awareness programs targeted at potential patients must be accurate, balanced and written in appropriate language for the public. The purpose of such programs is to enhance public awareness of disease, to encourage members of the public to seek treatment for their symptoms and thereby save and/or improve the lives of potential patients while not promoting the use of any specific product."

Daher würde ich mir eine Anpassung bzw. Verbesserung des Online-Spiels wünschen, z.B. könnte durch entsprechende Informationen zu Beginn das Spiels darauf hingewiesen werden, dass lediglich spielerisch auf die Risiken der FSME aufmerksam gemacht wird und eine FSME-Impfung das generelle präventive Verhalten etwa durch entsprechende Kleidung, nicht ersetzen kann. Dazu gehört beispielsweise auch beim Wandern und Spielen möglichst nicht an Sträuchern und Büschen entlang streifen, denn anders als im Spiel gezeigt, springen Zecken den potentiellen Wirt nicht an.

Ich werde diese Anmerkungen im Blog veröffentlichen, eine Antwort von Ihnen selbstverständlich nur mit Ihrer Zustimmung.

Mit freundlichen Grüßen

strappato

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Nachrichtlich an:
Dr. med. Kurt Müller (Vorsitzender der Deutschen Borreliose Gesellschaft)
Hilda Bastian (Chefredakteurin der IQWiG-Website www.gesundheitsinformation.de)
Dr. Stefan Etgeton (Referent für Gesundheit Verbraucherzentrale Bundesverband)

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2010-07-31   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Zecken-Moorhuhn mit Novartis


Alle kennen Moorhuhn. Ein Werbespiel für Whisky, bei dem Geflügel mit Schrot vom Himmel geholt werden musste. War 1999 ein Hype sondersgleichen. Ich höre jetzt die Leser seufzen: "Schon so lange schon her?"

Einige stöhnen wohl nicht und die sitzen bei Novartis Vaccines. Für die scheint ein Schwachsinnsspiel auch 2010 noch ein idealer Werbeträger zu sein. Zecken auf Menschen im Englischen Garten abfeuern. Mit biologische Kriegswaffen gegen Bayern. Während Johnnie Walker vor 11 Jahren wenigstens keinen Anspruch mit dem Werbegame verbunden hatte, erwartet Novartis Vaccines von dem Spiel Zeck Attack nicht weniger, als dass "das neue Computerspiel spielerisch auf die Risiken aufmerksam macht, die von Zecken ausgehen" .
Wie in der Realität sitzen auch bei „Zeck-Attack“ die Zecken gut versteckt im dichten Gebüsch und warten dort auf eine Blutmahlzeit. Zeigt sich ein mögliches Opfer, kann der Spieler per Katapult mit Zecken nach ihm werfen.

Ich würde gerne was intelligentes, satirisches, beissendes dazu schreiben, aber jeder, der irgendwie mit Pharma oder Medizin beruflich zu tun hat, wird sich beschämt abwenden und bitterlich weinen - ein paar schmerzbefreite Pharmawerber ausgenommen.

--
Im Übrigen ist das ausbaubar. Babys mit Masernviren aus dem Weg räumen, Senioren mit Grippeviren aus dem Rollstuhl werfen, ...
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2010-07-28   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Deutsche Herzstiftung im Rhythmus von Sanofi-Aventis

Multaq® (Dronedaron) ist ein Medikament von Sanofi-Aventis, das der Kontrolle der Herzfrequenz bei Vorhofflimmern dienen soll, einer bei älteren Menschen recht verbreiteten Herzrhythmusstörung.

Seit Januar ist Multaq® in Deutschland zu haben. Das Medikament gilt als wirkschwächer als das schon lange auf dem Markt befindliche Konkurrenzpräparat Amiodaron. Dafür ist Multaq® aber rund fünf mal so teuer.

Unabhängige Experten zeigen sich wenig begeistert von Multaq@. Das Arzneitelegramm (a-t, 02/2010) beklagt methodische Mängel in den vom Hersteller vorgelegten Studien und urteilt:
Im Vergleich zu Amiodaron verhindert Dronedaron Rezidive eines Vorhofflimmerns deutlich schlechter.
[...]
Bevorzugte Strategie bei Vorhofflimmern ist die Kontrolle der Ventrikelfrequenz. Dronedaron ist hier zwar Plazebo überlegen, ein Vergleich mit Standardmitteln wie Betablockern fehlt jedoch.
[...]
Bei derzeitiger Datenlage sehen wir keine Indikation für die teure Amiodaronvariante.

Eigentlich wenig aufregend. Nichts, was die Herzpatienten in Deutschland in Unruhe versetzen sollte. Umso mehr überrascht eine gestern erschienene Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung, die ihren Weg in verschiedene Online-Medien gefunden hat. Anlass: Der Verein veranstaltet im November die "Herzwochen" zum Thema Herzrhythmusstörungen. In der Meldung äußert sich Prof. Thomas Meinertz, seit Juni frisch gekürter Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, allgemein zu der Behandlung von Herzrhytmusstörungen.

Weiter heißt es (Hervorhebungen von mir):
Die Herzwochen richten sich an Patienten, Ärzte und die vielen Menschen, die sich generell für das Thema Herzrhythmusstörungen interessieren. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, von unabhängigen Experten auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen Informationen zu den wichtigsten Entwicklungen zu erhalten.

Zu den Fragestellungen gehören zum Beispiel:
- Wie werden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert?
- Was ist mit Rhythmusmedikamenten zu erreichen? Welche Risiken sind mit ihnen verbunden?
- Was ist von dem neuen Medikament gegen Vorhofflimmern, Dronedaron, zu halten?

Was unabhängige Experten von dem Präparat halten, wissen wir ja schon.

Aber was die "Deutsche Herzstiftung" wohl davon hält?

Ich habe da eine Vermutung. Denn, wie es der Zufall will: Ihr frisch gekürter Vorstandsvorsitzender, der das Präparat allem Anschein nach in die Pressemitteilung gehoben hat, arbeitet in Sachen Dronedaron als bezahlter Meinungsbildner für Sanofi-Aventis. Man traf ihn noch kürzlich auf Pressekonferenzen und pdf-DateiMarketingveranstaltungen von Sanofi-Aventis, anlässlich derer er die Vorzüge des Medikaments zu preisen wusste.
 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2010-07-22   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Abbott schickt bei Facebook HIV-Infizierten vor

Der Pharmakonzern Abbott betreibt unter "garten-der-lueste.com" eine Website zum Thema HIV/Aids. Disease Awareness nennt man solche Angebote, die im Graubereich zwischen Information und Werbung angesiedelt sind. Praktisch jedes Pharmaunternehmen lässt sich von Marketingagenturen für umsatzrelevante Indikationen oder neue Medikamente eine Informationsseite für Patienten unter einer markanten URL erstellen. Dabei ist verstärkt zu beobachten, dass Social Media Elemente eingebaut werden und dass die Grenzen, die das Heilmittelwerbegesetz vorgibt, immer wieder neu ausgetestet werden.

Der Blogger Ulrich Würdemann weist in seinem Blog ondamaris in Zusammenhang mit dem "Garten der Lüste" auf ein bemerkenswertes Pharmamarketing hin.

Auf Garten der Lüste bloggt Desmond. Ein 29-jähriger HIV-Infizierter erzählt aus seinem Leben. Sehr aufwändig realisiert. Das Urteil über die Authentizität, oder in welchem Umfang die Medienagentur die Texte möglicherweise einem Kommunikationsziel anpasst, bleibt dem Leser überlassen.

Der Bereich des transparenten Marketings wird aber in jedem Fall verlassen, wenn Desmond in die Social Media Welt eintaucht.

Auf der Facebookseite zu "Desmonds Blog" fehlt jede Kennzeichnung, dass es hier nicht alleine um ein Blog eines Betroffenen geht, sondern um ein Angebot, dass die Kommunikationsagentur "Allround Team" für Abbott betreut und auf die auch die domains "desmonds-blog.de" und "garten-der-lueste.com" registriert sind.
Hallo, ich bin Desmond. In meinem Blog spreche ich Klartext über mich und mein Leben mit HIV. Das hilft mir mit der Infektion umzugehen. Und es ist mir wichtig, andere mit dem Thema HIV zu erreichen. Der Blog erscheint auf www.desmonds-blog.de

Neben der nicht gekennzeichneten Werbung für einen Pharmakonzern, fragt Ulrich Würdemann zu Recht:
Wird hier das Image eines ‘Blogs eines HIV-Positiven’ benutzt, instrumentalisiert, um über immer neue Wege direkten Zugang zu Patienten zu bekommen?

Das wäre dann der Doppelschlag gegen ethisches Pharmamarketing.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2010-07-11   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Die Vitamin-PR-Falle

Der WDR hat heute in seinem Programm eine Wiederholung der Reportage Die Vitaminfalle gesendet. Ein kritische Abrechnung mit den Versprechungen der Vitaminindustrie.

Das traf bei den Herstellern von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmittel natürlich nicht auf Begeisterung. Besonders eine "Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung" mit der einprägsamen Abkürtung "GIVE" hatte sich in einer Pressemitteilung gegen die einseitige Darstellung in der Reportage gewehrt.

GIVE ist ein trojanisches Pferd der Pharmaindustrie. Auf der Interseite hält sich der Verein sehr bedeckt:
GIVE, die Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung e.V. ist ein eingetragener Verein zur Förderung des Wissens über die Themen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Mikronährstoffe. Die Initiative macht es sich insbesondere zur Aufgabe, im Interesse der Öffentlichkeit differenziert über den elementaren Nutzen der o.g. Stoffe zu informieren sowie damit in Verbindung stehende wissenschaftliche Hintergründe allgemein verständlich zu machen. Die Gemeinschaft, die u.a. von Angehörigen führender forschender Gesundheitsunternehmen ins Leben gerufen wurde, wird in ihrer Tätigkeit durch unabhängige Experten beraten.

"Angehörige führender forschender Gesundheitsunternehmen", "unabhängige Experten" - nennen wir es doch mal beim Namen. Der Domaininhaber sitzt nicht in Wölfersheim, wie der Verein, sondern in Bad Homburg. Die dort angegebene E-Mail Adresse führt zu Dr. Kaschny PR GmbH. Ein Kunde der Agentur ist GlaxoSmithKline Consumer Healthcare, und als "Marken", für die die Agentur tätig ist, die Vitamin- und Mineralstoff-Abtteilung von GSK mit den Brands "Abtei" und "Cetebe". Als Geschäftsführerin des Vereins fungiert die Inhaberin einer PR-Agentur, die auf der Internetseite von Dr. Kaschny PR als "Kooperationspartner" aufgeführt wird.

Wenn man nach den unabhängigen Experten forscht, fällt Dr. med. Thomas Schettle auf. Experte in eigener Sache. Der Mediziner arbeitet als Medizinischer Direktor der Whitehall-Much GmbH. Whitehall-Much gehört nach der Wyeth-Übernahme zu Pfizer und hat mit "Centrum", "Vitasprint" und Caltrate Marktführer auf dem Feld der Nahrungsergänzungsmittel im Angebot. Der erste Vorsitzende von GIVE stammt aus dem Marketing des Untermehmens.

Das Unternehmen Queisser Pharma schickt seine Mitarbeiterin Ebba Loeck als 2. Vorsitzende des Vereins an die Vitamin-PR-Front. Die Forschungsdirektorin beim Hersteller der Vitamin- und Mineralstoffprodukte, die unter der Marke Doppelherz verkauft werden, darf auch als Expertin auftreten.

Astroturfing? Nicht ganz, aber ein typischer Fall von verdeckter PR in der Pharmaindustrie.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2010-06-26   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Die Pharma-Kongresse tanzen

Medizin- und Wissenschaftsjournalistin Elke Brüser war auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin:
Von den 8.000 Besuchern, die zur DGPPN-Tagung gekommen waren, hatte der Konzern AstraZeneca fast 1.000 auf Kosten der Firma eingeladen [...] Wer den DGPPN-Kongress für einen Tag besuchte, konnte sich sechs Punkte bei der Ärzte- oder Psychotherapeutenkammer gutschreiben lassen.
Zirkus der Seelenheiler

Und Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz berichtet über die Jahresversammlung der American Society for Clinical Oncology (ASCO) in Chicago:
Über den Daumen gepeilte 50 bis 100 Millionen Euro pumpen Pharmaunternehmen jährlich allein in den Krebskongress in Chicago. Zwar gibt es für diese aus vielen Quellen zusammengetragene Schätzung keine offizielle Bestätigung. Unbestritten aber ist: Medizinkongresse platzen in jenen Fachdisziplinen aus allen Nähten, wo das Geschäft mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten boomt. Der Markt der Krebsmedikamente mit einem Volumen von 52 Milliarden Dollar ist das Paradebeispiel dafür.
In den Fängen der Lobbyisten
 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2010-06-07   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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