Traumberuf Medizinjournalist (XIV) (Update 2)

Heute ist wieder so ein Tag, an dem die Medizinjournalisten in aller Welt zur Hochform auflaufen. Nur die Kollegen aus Deutschland sind noch ein wenig in Verzug. Selbst "focus.de" ist bis jetzt noch nicht am Start.

Wunderpille gegen Herzerkrankungen (der Standard)
'Superpill' may cut heart disease: study (AFP)
Polypill cuts stroke risk by half (Livemint)
Five-in-one 'polypill' can halve risk of heart disease, says study (Guardian)
Polypill 'significantly reduces the risk of heart disease and strokes' (Telegraph)

Worin genau liegt die Sensation? Eine Studie eines kanadischen Wissenschaftlers mit umfangreichen Verbindungen zur Pharmaindustrie hat im Auftrag einer indischen Pharmafirma gezeigt, dass die gemeinsame Einnahme von fünf Wirkstoffen ausgewählte Laborparameter ähnlich stark beeinflusst, als würde man die Wirkstoffe einzeln schlucken.

Der in vielen Schlagzeilen behauptete klinische Nutzen, der bei der Primärprävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen schon für die Einzelwirkstoffe fraglich ist, war noch nicht einmal Gegenstand der Untersuchung.
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Update: Na also, geht doch. Focus Online gewinnt wie erwartet den nationalen Geschwindigkeitspreis mit dem Titel "Kombi-Pille: Alleskönner für den Herzschutz".

Update 2: Auf Platz 2 begrüßen wir Werner Bartens (jetzt.de / Süddeutsche Zeitung):
Besonders Herzinfarkt und Schlaganfall wurden durch den Arzneicocktail weniger wahrscheinlich.
und Bronze geht an die Berliner Morgenpost, mit einem Sonderpreis für den größten klinischen Nutzen:
Damit sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei gesunden Personen um mehr als 80 Prozent.

 
[Journalismus]
Autor: hockeystick   2009-03-31   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Nobody-Affäre bringt JAMA-Herausgeber unter Druck

Die Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift JAMA hatten kürzlich für Aufsehen gesorgt. Sie hatten den Wissenschaftler Jonathan Leo als "Nobody and Nothing" beschimpft und nicht nur ihn, sondern auch seinen Arbeitgeber in beispielloser Weise unter Druck gesetzt. Leo hatte zuvor öffentlich auf inhaltliche Unstimmigkeiten und verschleierte Interessenkonflikte in einem pharmafreundlich ausgefallenen JAMA-Artikel hingewiesen.

Die JAMA-Herausgeber sahen sich zunächst gezwungen, in einem pdf-DateiOnline-Editorial ihr Verhalten wortreich zu rechtfertigen und zu relativieren.

In einer pointierten Stellungnahme schildert und bewertet der "Nobody" daraufhin die Vorgänge:
The implications of the JAMA's reaction to our letter are significant. [...] In the past, I have criticized direct-to-consumer advertising of psychiatric medications, which is not helpful to Big Pharma. However, I have never been telephoned or threatened by representatives from Big Pharma. In contrast to my experience with JAMA, any exchanges have been civil and appropriate.
[...]
What began as a short (and potentially obscure) letter about undisclosed COI has now led to questions about the limits of institutional authority in the medical publishing industry, the extent of academic freedom, and even the role of the First Amendment.

Am Mittwoch hatte die pharmakritische Alliance for Human Research Protection (AHRP) in einem offenen Brief an die American Medical Association (AMA) als Konsequenz aus den Vorgängen die sofortige Suspendierung der beiden beteiligten Herausgeber und eine Entschuldigung gegenüber Jonathan Leo gefordert. Die AMA kündigte daraufhin am Freitag an, die Vorwürfe formell untersuchen zu wollen:
In accordance with the Editorial Governance Plan for JAMA, this entire matter is being formally referred to the Journal Oversight Committee (JOC). The AMA is requesting that the JOC examine the concerns related to Professor Leo’s inquiry and upon completion present its findings to the AMA Board of Trustees. The AMA Board will give careful consideration to whatever is reported to it by the JOC.

 
[Wissenschaft]
Autor: hockeystick   2009-03-30   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 


 



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