Einfluss von Pharmareferenten

Ich schreibe gerade ein Paper, das sich mit Kriterien für die Bewertung der Effizienz von Medikamentenverschreibungen beschäftigt. Da ist mir ein bemerkenswerter Artikel in die Hände gefallen.

Eine Studie aus den Niederlanden hat gezeigt, dass die Anzahl der Besuche von Pharmareferenten in Einzelpraxen negativ mit der Qualität der Medikamentenverschreibung korrelieren.
Fam Pract 2005;22:624-630

Ein Argument für Ulla Schmidt, die die Besuche des Pharmaaussendienstes bei niedergelassenen Ärzten beschränken will.
 
[Ambulante Versorgung]
Autor: strappato   2006-09-03   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Einfluss der Pharmaindustrie auf Fachzeitschriften

Ein Artikel im BMJ (British Medical Journal) zeigt, wie die Pharmaindustrie den Inhalt von medizinischen Journals beeinflusst.
BMJ 2006;332:1444-1447

Die Autoren fassen es folgendermassen zusammen:
  • Die meisten Journals haben keine Regelungen zur Frage des "conflict of interests" für die Herausgeber.
  • Artikel, die in gesponserten Beilagen der Journals erscheinen, machen einen erheblichen Teil der Einnahmen des Verlags aus.
  • Fachgesellschaften erzielen mehr Einnahmen durch Anzeigen in ihren Zeitschriften als Mitgliedsbeiträge.
  • Die Journals scheinen ohne Anzeigen nicht überleben zu können.
  • Artikel in medizinischen Fachzeitschriften, die sich kritisch mit der Pharmaindustrie auseinandersetzen, haben erhebliche Einbussen bei den Anzeigeerlösen zu Folge.
  • Eine systematische Untersuchung wie kommerzielle Interessen die Entscheidungen von Herausgebern und Verlagen beeinflussen, ist notwendig.
Dazu ein interessanter Kommentar von Richard Smith, dem früheren Herausgeber der BMJ, der die Rolle des New England Journal of Medicine (NEJM) im Vioxx-Fall beleuchtet. J R Soc Med 2006;99:380-382

Sein Fazit:
It fits with the argument that medical journals are an extension of the marketing arm of pharmaceutical companies and that the full data of trials should be published not in medical journals, where an incomplete story is advanced, but on the web.

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Update

- So wird das in Deutschland gemacht.

- Richard Smith hat dazu auch ein Buch geschrieben: The Trouble with Medical Journals, das im Oktober erscheint.
 
[Klinische Studien]
Autor: strappato   2006-09-02   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Pflege als nächstes Sanierungsprojekt

Wenn die Gesundheitsreform auf dem Weg gebracht worden ist, soll die Pflegeversicherung saniert werden.

Da zeigt sich ein Trümmerfeld: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen empfahl in seinem Gutachten 2005 eine Verschmelzung von Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Das Gutachten war eine Ohrfeige für die Politik:
  • Wenig konsequente Ansätze, um Pflegebedürftigkeit zu verzögern oder zu vermeiden.
  • Kaum Anreize, die die Vorbeugung belohnten.
  • Missachtung des Leitgedankens "Reha vor Pflege"
  • Versorgungslücken und Defizite durch fehlende Koordination zwischen Pflegekassen und Krankenkassen.
  • Mängel bei der Betreuung Demenzkranker.
  • Mängel bei elementaren Bereiche der Pflege.
Statt diese Probleme anzugehen, kündigt das Bundesgesundheitsministerium Leistungsumschichtungen von der stationären zur ambulanten Pflege an. Die ambulante Pflege belastet die Pflegekassen weniger als die stationäre. Angesichts der demographischen Situation aber nur eine kurzzeitige Lösung und kein Weg um die Pflegeversicherung finanziell dauerhaft zu stabilisieren. Auszubaden haben es die Familien, die bei reduzierten stationären Pflegesätzen einen grösseren Teil selber aufbringen müssen.

Eine Entlastung würde die Legalisierung der geschätzten 100.000 osteuropäischen Pflegekräfte bringen, die zur Zeit in den Privathaushalten tätig sind. Das Problem ist lange bekannt, aber keine Regierung will sich mit den gemeinnützigen Trägern und der Pflegelobby anlegen.

Da sind unsere österreichischen Nachbarn weiter: Bundeskanzler Schüssel plädiert für eine Legalisierung ausländischer Pflegekräfte. Und kann sich dabei der Unterstützung von 70% der Österreicher sicher sein.
 
[Pflegeversicherung]
Autor: strappato   2006-09-01   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Die eiserne Ulla

In der Presse erhält Ulla Schmidt Respekt für ihr kluges Taktieren. Sie hat die Union in eine Lage hinein manövriert, in der sie alles schlucken muss, was die Ministerin ihnen vorsetzt. Die Eckpunkte der Reform bieten einiges an Interpretationsfreiraum. Schmidt wird ihn nutzen.

Ein Grund dafür ist, dass die CDU/CSU keine Gesundheitspolitiker von Format hat. Seehofer lebt von seinem Ruhm als Ex-Minister und ist in der Fraktion isoliert, da er eher die Politik der SPD favorisiert. So kann die eiserne Ulla weiter alle Hebel in Richtung Einheitskasse und Staatsmedizin setzen.

Nur: Der Lösung der Probleme und einer notwendigen Reform, die den Namen verdient, kommen wir nicht näher.
 
[Reform]
Autor: strappato   2006-09-01   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme





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