Medizinerschwemme


Ich bin gerade in Dons geliebte famous Munich Area, genau am Odeonsplatz. München hat ja die höchste Ärztedichte Deutschlands. Das glaubt man sofort, angesichts der Werbeschilder für Ärzte im U-Bahnhof Odeonsplatz.
 
[unterwegs]
Autor: strappato   2006-09-25   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Wo der Hypochonder hoppt

Das Internet macht es möglich: Symptom-Googlen.

Das kann auch ernste Folgen haben:
Eingebildete Kranke belasten in hohem Masse das Gesundheitssystem. Drei Viertel der Ärzte widmen Patienten mit unbegründeten Krankheitsängsten mindestens doppelt so viel Zeit wie anderen, und nehmen Untersuchungen vor, die sie für unnötig erachten, die aber der Beruhigung der Patienten dienen.
Das ergab eine Studie der Universität Mainz im Rhein-Main-Gebiet.

Hypochondrie ist ein komplexes Thema. Oft sind Somatoforme Störungen die Ursache. Immerhin eine psychische Erkrankung, die eine eigene ICD-Ziffer hat und behandelt werden sollte.

Welchen Stellenwert in unserem Gesundheitssystem Patientenbedürfnisse haben, sieht man daran, dass die Funktionäre mit pawlowschen Reflexen auf die Meldung sofort mit den Themen "Doctor-Hopping", "Überweisungspflicht" und "Hausarztsystem" reagieren. Der Patient ist Schuld und muss per Zwang beglückt werden. Dahinter steht der Grundgedanke, dass ohne Patienten das Gesundheitswesen viel angenehmer wäre.

Eigentlich sollte man denen mal die Leitlinie Somatoforme Störungen um die Ohren hauen.

Häufigste allgemeine Fehler in Diagnostik und Therapie von Patienten mit somatoformen Störungen
  • Übersehen einer somatoformen Störung; Übersehen des Krankheitswertes einer Befindlichkeitsstörung.
  • Verwechslung von somatoformer Störung mit Simulation und Aggravation oder Annahme, dass die Symptomatik "eingebildet" ist".
  • Verhaltensweisen und Maßnahmen, die vom Patienten als Bestrafung erlebt werden könnten.

 
[Patienten]
Autor: strappato   2006-09-23   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Evidenzkriterien

In der Gesundheitsverorgung dreht sich viel um Fragen wie: Was wirkt, was nicht, was schadet sogar, was soll die Solidargemeinschaft finanzieren, was ist das individuelle Vergnügen des Einzelnen?

Dazu werden klinische Studien herangezogen. Bei der Bewertung hat sich das Konzept der Evidenzbasierten Medizin (EbM) als Methode durchgesetzt. EbM ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen externen Evidenz aus systematischer Forschung, so David L. Sackett.

In Deutschland soll das IQWiG den Nutzen medizinischer Leistungen für den Patienten untersucht und Empfehlungen für die Entscheidungsgremien geben und stützt sich dabei massgeblich auf Evidenzkriterien.

Das EbM-Konzept hat jedoch grundsätzliche Schwächen. Alleine wenn man bedenkt, dass Studien von der Pharmaindustrie geschönt werden, negative Ergebnisse unveröffentlicht bleiben oder die Journals nicht unabhängig die Artikel zur Veröffentlichung auswählen.

Aktuell will das IQWiG die Frage klären: Was nützen Antidementiva den Patienten? Hier zeigt sich, dass nicht alles, was Patienten nützt, sich mit streng wissenschaftlichen evidenzbasierten Kriterien klären lasst. Anschaulich erklärt dies der Leiter der Abteilung für Gerontopsychiatrie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, Lutz Frölich in einem Interview mit der Ärzte Zeitung: Mit abstrakten Daten kommt man nicht weiter.

Ähnlich sieht dies auch Hans Förstl, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München. In einem ZEIT-Interview vertritt er die Auffassung: Bei der Demenzerscheinung Alzheimer handelt es sich um einen natürlichen Alterungsprozess.

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Zwei Paper, die sich kritisch mit dem EBM-Konzept auseinandersetzen (Achtung: Schwere Kost!):

Holmes D, Murray J, Perron A, Rail G. Deconstructing the evidence-based discourse in health sciences: truth, power and fascism. Int J Evid Based Health 2006;4:180-186.

Sehon SR, Stanley DE. A philosophical analysis of the evidence-based medicine debate. BMC Health Service Research 2003;3:14.
 
[Wissenschaft]
Autor: strappato   2006-09-21   Link   (11 KommentareIhr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












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