Champix-Schadensersatzklage in den USA gegen Pfizer

In der Diskussion um die Sicherheit der Raucherentwöhnungspille Champix® (in den USA Chantix®) ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Die Witwe eines Selbstmörders verklagt in den USA den Hersteller Pfizer. Ihr Mann hatte sich am 3. Januar erschossen, 3 Monate nach Beginn der Entwöhnungs-Therapie mit Champix®.

Abzuwarten bleibt, ob dies nun eine Klagewelle auslöst. In sogenannten "Class Action Suits" kann in den USA ein Geschädigter stellvertretend für viele Betroffene klagen. Unwahrscheinlich, dass es für Pfizer bei der Einzelklage bleiben wird.
 
[Champix]
Autor: strappato   2008-07-11   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Kontraste-Beitrag über Pharma-Schleichwerbung

Kein Politmagazin ohne einen Beitrag über die Pharmaindustrie. So auch das ARD-Magazin "Kontraste". Wenn es heute auch nur eine wenig glaubwürdige Gegendarstellung der Bunte-Chefredakteurin zu dem Vorwurf der Platzierung von Pharma-Schleichwerbung war.

Glaubwürdiger erscheint da der Auslöser für die Gegendarstellung, der vor 2 Monaten unserer Aufmerksamkeit entgangen ist. Ein Beitrag vom 8.5. mit dem Titel "Den Patienten im Visier – die Tricks der Pharmaindustrie".

Anders als es der eher dröge Titel erwarten lässt, ist der Film aufwendig recherchiert und aufschlussreich.

Den Autoren gelingt es in einer verdeckten Recherche, von einschlägig spezialisierten PR-Agenturen die aktuellen Preise für die Platzierung von Schleichwerbung in Zeitschriften wie etwa der Burda-Postille "Bunte" zu erfahren.

Interessant auch der neue Trend, gekaufte Artikel über verschreibungspflichtige Medikamente mit einer Telefonaktion zu verknüpfen.

Konkret gezeigt werden Beispiele für offensichtlich gekaufte Artikel über das MS-Medikament Tysabri®, die Raucherentwöhnungspille Champix®, die Diabetes-Tablette Januvia® und die Abspeckpille Acomplia®. Keine Überraschung: Alles Medikamente, die hier im Blog schon ein Thema waren.

Der Beitrag ist auf dieser Seite als Video abrufbar.
 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2008-07-11   Link   (21 KommentareIhr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber-Test (X)


Die Behandlung von AIDS ist immer eine Herausforderung. HAART (Highly Active Anti-Retroviral Therapy), eine Kombination aus mehreren antiretroviralen Medikamenten, war ein Meilenstein. Die Lebenserwartung von Patienten der Kombinations-Therapie gleicht sich nach und nach der normalen Lebenserwartung an. Ziel der Therapie ist es, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu drücken und die CD4-Zellwerte zu erhöhen, um so das Immunsystem gegen opportunistische Infektionen und andere Aids-definierende Erkrankungen zu stärken. Trotz der beeindruckenden Erfolge der Therapie gelingt eine dauerhafte Unterbindung der Virusreplikation bei einem großen Anteil von HIV-Infizierten nicht. Die wichtigste Ursache hierfür ist die Resistenzentwicklung, d. h. die Fähigkeit eines mutierten Virus, bei höheren Konzentrationen einer antiretroviralen Substanz zu replizieren. In vorbehandelten HIV-Populationen treten Resistenzen zu fast 50% auf.

Neue Medikamente, die die Virusreplikation hemmen sind daher nötig. Die Integrase ist eines der drei Schlüsselenzyme für die Vermehrung von HIV. Es war jedoch lange Zeit nicht gelungen, einen Integrasehemmer zu entwickeln.

Der Pharmakugelschreiber bewirbt den ersten Integrase-Hemmer für die Behandlung der HIV-Infektion. Mit Isentress® (Raltegravir) von Merck & Co. (in Deutschland "MSD Sharp & Dohme") steht die sechste antiretrovirale Wirkstoffklasse zur Behandlung zu Verfügung. Zugelassen ist das Medikament für "vorbehandelte, erwachsene Patienten mit nachgewiesener HIV-Replikation trotz antiretroviraler Therapie".

Nun gilt es für MSD, den Startvorteil in Umsatz umzusetzen. Mit Elvitegravir (Gilead) ist ein weiterer Integrasehemmer in der fortgeschrittenen Entwicklung. Zumal Studien nahelegen, dass die Resistenzbarriere von Raltegravir nicht hoch genug sind. Mögliche Kreuzresistenzen mit Elvitegravir deuten sich zusätzlich an. Merck & Co. führt klinische Studien durch, die den Vorteil von Isentress® schon zu Beginn einer AIDS-Behandlung zeigen sollen.

MSD lässt sich den Fortschritt gut bezahlen. Isentress® wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten gegeben. Der Apothekenverkaufspreis pro Tabletten-Monatspackung liegt bei 1062,03 Euro. Nicht viel niedriger als für die im letzten Jahr zugelassene Dreifachtherapie mit Atripla® (1212 Euro).

Der Erfolg scheint MSD recht zu geben. Konkurrent Roche hat erklärt, die Arzneimittelforschung für die Indikation HIV/AIDS aufzugeben. Das von Roche vertriebene Fuzeon® war bis zur Markteinführung von Isentress® das einzige Medikament für intensiv vorbehandelte Patienten. Der hohe Preis von über 2000 Euro pro Monat und die Tatsache, dass das Roche-Präparat als Spritze 2x täglich verabreicht werden muss, wird in vielen Fällen zu einer Therapieumstellung geführt haben.

Der Pharmakugelschreiber gehört zu den formschöneren Exemplaren. Durch den Druckknopf in den Brand-Farben, ein "MSD" auf dem Metallclip und die Metallspitze hebt er sich von den Standard-Schreibgeräten der Werbemittelindustrie ab. Aus Sicht von MSD sicher der Bedeutung und des Preises des beworbenen Medikaments angemessen.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: strappato   2008-07-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pharmakugelschreiber vor dem Aus

Der US-Pharmaindustrieverband PhRMA läutet in einem neuen freiwilligen pdf-DateiVerhaltenskodex das Ende einer Ära ein. Sogar ihre Kaffeetassen sollen sich Ärzte in Zukunft selber kaufen:
Providing items for healthcare professionals’ use that do not advance disease or treatment education — even if they are practice-related items of minimal value (such as pens, note pads, mugs and similar “reminder” items with company or product logos) — may foster misperceptions that company interactions with healthcare professionals are not based on informing them about medical and scientific issues. Such non-educational items should not be offered to healthcare professionals or members of their staff, even if they are accompanied by patient or physician educational materials.

Essenseinladungen sowie direkte Geldzahlungen, etwa in Form von sogenannten Beratungs- oder Vortragshonoraren, bleiben natürlich weiterhin erlaubt.
 
[Pharmakugelschreiber]
Autor: hockeystick   2008-07-10   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Von Lügen und kurzen Oberschenkeln

Der streitbare Lebensmittelchemiker Udo Pollmer ließ gestern in einer Fernseh-Diskussionsrunde des SWR die Ernährungsampel-Apologetin und Diät-Expertin Bärbel Höhn (Vorsicht, Bild!) ganz alt aussehen. Pollmer räumte in wenigen Sätzen mit den Legenden auf, die als Basis für den aktuellen Übergewichts-Aktionismus von Politik und Industrie herhalten müssen.

Eine Zunahme des Körpergewichts bei Kindern und Jugendlichen? Nein, der Trend zeige u.a. nach den qualitativ hochwertigen pdf-DateiDaten des Landes Brandenburg seit einigen Jahren eher nach unten. Die "Unterschicht" sei dicker als die "Oberschicht"? Das lasse sich dadurch erklären, dass Menschen aus dem Mittelmeerraum - in Deutschland häufiger in unteren Einkommensklassen anzutreffen - im Durchschnitt einen gedrungeneren Körperbau hätten, insbesondere kürzere Oberschenkelknochen. Eine "Ernährungsampel"? Überflüssiger Hokuspokus.

Sehenswert. Wiederholungen der Sendung am Samstag um 13.02 Uhr und am Sonntag um 03.05 Uhr in EinsExtra.
 
[Medien]
Autor: hockeystick   2008-07-10   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Lifestyle Medikamente für Haustiere

America’s animals, it seems, have very American health problems. More than 20 percent of our dogs are overweight; Pfizer’s Slentrol was approved by the F.D.A. last year as the country’s first canine anti-obesity medication. Dogs live 13 years on average, considerably longer than they did in the past; Pfizer’s Anipryl treats cognitive dysfunction so that absent-minded pets can remember the location of the supper bowl or doggy door. For lonely dogs with separation anxiety, Eli Lilly brought to market its own drug Reconcile last year. The only difference between it and Prozac is that Reconcile is chewable and tastes like beef.

Interessanter Artikel im NY Times Magazine über Verhalten, Verhaltensstörungen und Verhältnis von Haustieren.
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2008-07-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Report Mainz deckt auf - ein Jahr zu spät

Gestern hat das Magazin "Report Mainz" über gekaufte Radiobeiträge zur Werbung für die Gesundheitsreform berichtet.

Als redaktionelle Beiträge getarnt sind von privaten Hörfunksendern vorproduzierte Sendeminuten des Gesundheitsministeriums über die angeblichen Vorzüge der Reform ausgestrahlt worden. Report kritisiert, dass die Bundesregierung im Zusammenhang mit der Kampagne die Öffentlichkeit getäuscht habe. Auf eine Anfrage der Linkspartei, ob für die Kampagne komplett sendefähige Hörfunkberichte erstellt wurden, erklärte
die Bundesregierung, dies sei nicht der Fall gewesen.

Damit nimmt das ARD-Magazin einen Fall vom August 2007 auf. Damals hatte Report herausgefunden, dass
Familienministerin Ursula von der Leyen Steuergelder in die Hand genommen hatte, um Hörfunkbeiträge produzieren zu lassen.

Nun das Gesundheitsministerium. Für die Recherche brauchte Report fast ein Jahr. Alexander Svensson hatte in seinem Blog "Wortfeld" schon kurz nach Ausstrahlung der Sendung im August 2007 die vier von ihm gefundenen Clips präsentiert, in denen die Wohltaten der Gesundheitsreform journalistisch verbrämt die Radiohörer begeistern sollten.

Nach der gestrigen Report-Sendung hat nun die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen Ermittlungen aufgenommen. Dabei rechnet niemand mit Konsequenzen, da die Radiostationen nur drei Monate lang ihre Sendungen speichern müssen. Die Beweissicherung wäre im August 2007 noch einfacher gewesen, wenn denn Landesmedienanstalt oder Report Mainz recherchiert oder Blogs gelesen hätten.
 
[Medien]
Autor: strappato   2008-07-09   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

BAG Selbsthilfe verzichtet auf Teilnahme bei BVMed-Kampagne

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG Selbsthilfe) hat nun auch gemerkt, dass das Aktionsbündnis meine Wahl eine Lobby-Veranstaltung der Medizinproduktehersteller und ihres Unternehmensverbandes (BVMed) ist. In einem Rundschreiben informiert die BAG die Mitgliedsverbände, dass die BAG sich nicht beteiligen wird:
Vor wenigen Wochen wurden nun die Selbsthilfeorganisationen in Deutschland von der Agentur „Werber Shandwick“ angeschrieben, ob sie sich nicht an der Kampagne „Bündnis meine Wahl“ mitwirken möchten.

Obgleich auch aus Sicht der BAG SELBSTHILFE großer Bedarf besteht, die Öffentlichkeit auf die anstehenden Veränderungen im Hilfsmittelbereich hinzuweisen, wird sich die BAG SELBSTHILFE als Dachverband nicht an dieser Kampagne beteiligen. Grund hierfür ist der Umstand, dass hinter der Kampagne primär Hilfsmittelhersteller stehen.

Spät, aber nicht zu spät, nachdem in der Presse der Referatsleiter Gesundheitspolitik der BAG im Zusammenhang mit der PR-Aktion zitiert worden war.

Übrigens sind auf der Internetseite immer nur noch die 26 Unterstützer aufgeführt, die zu Beginn dabei waren. Nicht gerade ein Selbstläufer.
 
[Selbsthilfe]
Autor: strappato   2008-07-09   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Nachaufregung über ARD-Schleichwerbung

Stefan Niggemeier kommentiert die Reaktion der ARD auf die Kritik und den offenen Brief des "PR-Rats" (DRPR) im Zusammenhang mit der wiederholten Ausstrahlung der mit Pharma-Schleichwerbung durchsetzten Krankenhausserie "In aller Freundschaft":
Anstelle von Raff antwortete dem DRPR der MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze. Laut epd-Medien vom 21. Juni erklärte er, die schon erfolgte Bearbeitung sei intensiv gewesen: „Das ging von der Retusche bis hin zu Neusynchronisierung — ein arbeitsintensiver, teurer und aufwendiger Vorgang.” Das halte ich an sich schon für einen Skandal: Dass die ARD Rundfunkgebühren dafür ausgibt, in einem „teuren” Verfahren eine Billigserie oberflächlich von den Schleichwerbespuren zu beseitigen, anstatt den Müll einfach wegzuwerfen. Aber die Argumentation ist vor allem entlarvend: Das war teuer, was wir gemacht haben, also muss es auch gut gewesen sein und jetzt gefälligst reichen.

[...]

Die ARD beharrt auf ihrem Recht, teuer und schlecht überarbeitete, acht Jahre alte Folgen einer Serie auszustrahlen, deren Drehbücher die Pharmaindustrie bezahlt oder geschrieben hat und wundert sich, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland Legitimationsprobleme hat.

 
[ARD-Schleichwerbung]
Autor: hockeystick   2008-07-09   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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