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Qualität von Kardioverter-Defibrillatoren Eine deutsche Forschergruppe am Herzzentrum Ludwigshafen hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es mit der Qualität von implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren steht. Bei Patienten mit hohem Risiko für Kammerflimmern können miniaturisierte automatische Defibrillatoren (Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren oder ICD von englisch Internal Cardioverter/Defibrillator), ähnlich einem Herzschrittmacher, implantiert werden. Die Implantation kann je nach Gerät schon einmal 28.000 Euro kosten. Der Gerätepreis macht einen Grossteil dieser Kosten aus. Die Hersteller verdienen gut. So konnte Medtronic seinen Gewinn im dritten Quartal 2006 wieder einmal um 11% steigern. Was besonders den ICDs zu verdanken war, die in dem Quartal $ 710 Millionen Umsatz brachten. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Krankenversicherung auch eine angemessene Qualität für das Geld bekommt. Dem ist aber nicht so: Die Forscher fanden in dem 2,5-jährigen Beobachtungszeitraum an 15% der Implantate Leitungsfehler. Statistisch waren nach 8 Jahren nur noch 60% fehlerfrei. Kleemann T, Becker T, Doenges K, Vater M, Senges J, Schneider S, Saggau W, Weisse U, Seidl K. Annual Rate of Transvenous Defibrillation Lead Defects in Implantable Cardioverter-Defibrillators Over a Period of >10 Years. Circulation 2007;doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.106.663807. Damit stellen die Leitungsfehler ein weitaus grösseres Problem dar, als ein Ausfall der Batterie. Vor zwei Jahren hatte medtronic 87.000 ICDs wegen eines möglichen Kurzschlusses der Batterien zurückgerufen - bei einer Ausfallswahrscheinlichkeit von 0,2-1,5% nach drei Jahren. In der Studie waren ältere Geräte von Leitungsfehler genauso betroffen wie neuere Modelle. Es ist nicht verwunderlich, dass bisher trotz der hohen Kosten für das Gesundheitssystem solche Verlaufsstudien selten sind. Die Ärzte sind eng mit den Herstellern verbunden. Die Hersteller Medtronic und Boston Scientific wollten auf Anfrage der Zeitung Boston Globe keine Stellungnahme abgeben. [Gesundheitswirtschaft]
Marketing vor der Zulassung Man könnte meinen, das ist ein neuer Trend: Die Vermarktung startet bevor das Medikament überhaupt zugelassen ist. Die Fälle: Sanofi-Aventis mit der Diätpille Acomplia - aufgedeckt von BrandweekNRX. Pfizer mit dem HIV-Medikament Maraviroc - aufgedeckt von Peter Rost. [Pharmamarketing]
Kein Interesse an Interessenskonflikten "Newsday" deckt einen Fall von Vergesslichkeit bei einer Stiftung in den USA auf. When the president of a cancer-fighting foundation implored government advisers to back the drug Tarceva as a treatment for pancreatic cancer, she didn't tell them its Long Island manufacturer had given thousands of dollars to her group. Instead, Carolyn Aldige of the Cancer Research and Prevention Foundation told a Food and Drug Administration advisory committee she had no financial ties to OSI Pharmaceuticals, the Melville company that makes Tarceva. But Aldige now says her foundation had received funding from OSI and its marketing partner for Tarceva, Genentech. [Ethik & Monetik]
Drug pushers Sehr lesenswert: Ein Beitrag in der April-Ausgabe der Zeitschrift "The Atlantic" mit dem Titel "The Drug Pushers". Der Autor Carl Elliott, Professor am Center for Bioethics der University of Minnesota, beschreibt den wachsenden Einfluss des Pharmamarketings und des Pharmaaussendienstes. Er kommt zu dem Schluss, dass die Kompetenzgrenzen zwischen den Pharmaberatern und den Ärzten bröckeln. Whether doctors and reps are all that different from one another is no longer clear. Doctors know a lot more about medicine, and drug reps dress a lot better, but these days both are Organization Men, small cogs in a vast health-care machine. They are just doing their jobs in a market-driven health-care bureaucracy that Americans have designed, and that we defend vigorously to critics elsewhere in the world. Like anyone else, doctors and reps are responding to the pressures and incentives of the system in which they work. [Pharmaaussendienst]
Celesio-Chef fordert Liberalisierung - oder auch nicht Der Vorstandsvorsitzende von Celesio fordert in der FTD die Politik auf, ihn bei der Aufteilung des Apothekenmarktes zu unterstützen. Bevor apothekenfremde Anbieter wie Lebensmitteldiscounter oder Drogerien den Markt mit Masse statt Qualität verwässern - und die satten Gewinne verderben. Was habe ich vor ein paar Tagen Die Aufteilung des Apothekenmarktes zwischen den Grosshändlern lässt sich auch für Preiskontrollen nutzen. [Apotheken]
Atemloses A(u)stroturfing Wie dreist GlaxoSmithKline (GSK) in Österreich das Asthma-Marketing betreibt, haben wie In Österreich gibt es eine Aktion Atemschule. Laut Aussage auf der Homepage: Die Atemschule ist ein Service der österreichischen Lungenfachärzte gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie - unterstützt von GlaxoSmithKline. Alles als Verein organisiert. Wenn man nun auf "Impressum" geht wird die Sache klarer: Diese Internetseite und die Datenbank, die alle von Ihnen eingegebenen Informationen enthält, werden von einem von GSK ausgewählten externen Unternehmen in den USA betreut, in Übereinstimmung mit den Anweisungen von GSK Österreich und dieser Private Policy. Wenn Sie persönliche Informationen angeben, stimmen Sie zu, dass Ihre persönlichen Informationen in den USA verarbeitet werden. Sollten Sie diesbezüglich Fragen haben, kontaktieren Sie bitte GSK an der unten angegebenen Adresse: GlaxoSmithKline Pharma GmbH, Albert-Schweitzer-Gasse 6, 1140 Wien, Tel.: +43 1 970-75/0 oder per email at.info@gsk.com.
Gut, GSK ist der Sponsor. Aber auffallend ist, dass der Vereinssitz an der Firmenadresse von GSK ist.Verein Atemschule Trainingskreis für Patienten mit Asthma oder COPD (ZVR-Zahl 480847164) Albert Schweitzer Gasse 6 A-1140 Wien Der Vorstand:
[Oesterreich]
Journalismus zum Schütteln Mal ein Beispiel für den Journalismus, der bei SPON gepflegt wird. Achtung diesmal wildere ich in fremden Terrain. SPON im Reiseteil: Abenteuer-Reiseanbieter verärgert Umweltschützer. Offensichtlich eine Meldung der Nachrichtenagentur ap: Planned road trip to South Pole raises concern. Was aber von SPON nicht genannt wird. Denn man hat ja recherchiert, und herausgefunden, dass die Internetseite http://www.zerosouth.com nur noch eine Fehlermeldung bringt. Flugs wird geschlussfolgert, dass der Veranstalter den Schwanz eingezogen hat. Diese Mutmassung ist jedoch alles andere als richtig. Unter der in der SPON-Meldung genannten Internetadresse http://www.drivearoundtheworld.com findet man natürlich noch die Tour und einen In der ap-Meldung kritisiert der Experte Hemmings, dass so ein Event die Landroute als sicheren Weg zum Südpol propagieren würde und andere Leute auf die Idee kämen. "Hey, ich will zum Südpol". Er sieht es als Teil eines grösseren Problems. Die Anzahl der Touristen könnte im nächsten arktischen Sommer die Zahl von 50.000 erreichen, 1990 waren es erst 2.500. Wenn der SPON schreibt: Laut Hemmings würde die Nachfrage nach Südpol-Reisen enorm steigen, sobald man die ersten Touristen dort erlaube, ist das also bestenfalls eine schlechte Übersetzung. Ob dies die Antarktis braucht und nutzt, bleibt offen. Nur eines ist klar: Der SPON-Artikel ist ziemlicher Blödsinn, der mit ein wenig Recherche vermieden hätte werden können. [heile Welt]
Tabakindustrie & Ärzte Ist schon ein paar Wochen alt, aber trotzdem interessant: Ein Artikel im Ärzteblatt über den Einfluss der Tabakindustrie auf medizinische Forschung. Es klingt fast unglaublich: Als erste medizinische Fachgesellschaft hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) 2006 einen ethischen Kodex verabschiedet, in dem jede Form der Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie entschieden abgelehnt wird. Der Bundesverband der Pneumologen (BdP) ist mit einem gleichartigen Kodex gefolgt. Wir schreiben das Jahr 2007 und immer noch wird über diese Thema diskutiert. [Ethik & Monetik]
Kahlschlag bei AstraZeneca AstraZeneca will 40% der 2300 Stellen in Deutschland einsparen. Besonders trifft es den Vertrieb und Aussendienst. Alleine 400 Pharmaberater sollen betroffen sein. [Pharmaindustrie]
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