USA news (I)

Vier ehemalige Angestellte der argentinischen Niederlassung von Schering-Plough dürfen in den USA gegen ihre Entlassung klagen. Grund für den Rauswurf: Sie hatten als whistleblower Informationen über illegale Marketingaktivitäten, einschliesslich der Bestechung von Ärzten, an die Öffentlichkeit gebracht.

Damit dies nicht so weit kommt - quasi präventiv im Dienste der Pharmaindustrie - hat die Universität Toledo, wie schon ein halbes Dutzend anderer US-Universitätskliniken, klare Regeln für den Kontakt zu Pharmaberatern beschlossen. Nichts mehr mit free lunch. Die Pharmakonzerne sollen alleine $ 2 Millionen pro Jahr für freie Verköstigung der Klinikmitarbeiter und Medizinstudenten ausgegeben haben.

Vielleicht werden die Essen demnächst an die Krankenkassen und Healthcare provider umgeleitet. Eine Studie von IMS zeigt, dass für den Markterfolg "payers, patients and policy makers" von grösserer Bedeutung sind, als die verschreibenden Ärzte. Eigentlich logisch angesichts des Drucks zur Kostendämpfung und der Notwendigkeit zu Nutzenbewertungen. Das haben selbst in Deutschland die Pharmakonzerne gemerkt und bauen ihren Aussendienst ab.
 
[Ausland]
Autor: strappato   2007-05-28   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Whistleblower galore

Pfizer Ex-Vize-Präsident, whistleblower und Autor Peter Rost hatte in den letzten Wochen wieder einmal Unregelmässigkeiten bei Pfizer aufgedeckt. Diesmal ging es um Schmiergeldzahlungen an Regierungsstellen und Steuerbehörden.

Peter Rost hat in sein blog eine Übersicht der Artikel gestellt.

Bevor es weitergeht. Er hat angekündigt, dass nächste Woche bei ihm eine ehemalige Pharmaberaterin über die Vermarktung des Medikament Mirapex® (Pramipexol in Deutschland Sifrol® von Boehringer Ingelheim) auspacken wird. Es ist zur Behandlung des "Restless leg syndrom" zugelassen, einer Erkrankung, die unter schwerem Disease mongering Verdacht steht.

Um mal einen Verdacht zu äussern. Mirapex® ist 1997 von Boehringer Ingelheim entwickelt worden und wurde bis 2004 von Pharmacia in den USA vermarktet. Nach der Übernahme von Pharmacia durch Pfizer ist es wieder an Boehringer gegangen. Es ist jedoch zumindest in der EU erst seit 2006 für die Indikation "Restless leg syndrom" zugelassen worden. Kampagnen, die auf die Erkrankung aufmerksam machten, begannen aber schon 2003. Scheint ein Fall von off-label Vermarktung zu werden.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2007-05-28   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

SiCKO - Offizieller Trailer

Hier ist auch der offizielle Trailer zu Michael Moores neuem Film SiCKO. Auf der Internetseite können User über ihre Erfahrunen mit ihrem Gesundheitsystem bzw. ihrem healthcare provider berichten.


Zusammenstellung von Pressekritiken auf film-zeit.de.
 
[SiCKO]
Autor: strappato   2007-05-28   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Pharmaberater im Dienst der Patienten

America's pharmaceutical research companies and healthcare providers have a shared goal: to improve the lives and health of patients. The debate on physician education and pharmaceutical representatives is an important one. PhRMA and its member companies remain dedicated to improving their work with physicians so that they -- and their patients -- have the latest and best information about important and often life-saving treatment options.
Scott Lassman, senior assistant general counsel for the Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA) im Boston Globe.
 
[Pharmaaussendienst]
Autor: strappato   2007-05-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Lieber Onkel Doktor

Das wollte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Ein Schnipsel aus der Mondkind Kampagne. Für das Produkt, dessen Einsatz genau für die geworbene Indikation nun verboten worden ist.

(klick macht gross)

Information an die Ärzte in Form eines Kinderbriefs: "Lieber Onkel Doktor". Süss, nicht?
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2007-05-27   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Anwaltsfortbildung in Sachen Avandia®

Wo sich ein Skandal abzeichnet sind die Anwälte nicht weit. Eine Woche nach den Hinweisen, dass das orale Antidiabetikum Rosiglitazon (Handelsname Avandia®) von GlaxoSmithKline (GSK) das Risiko von Herzinfarkten und tödlichen Herzerkrankungen erhöhen könnte, werden Fortbildungen für Anwälte angekündigt.
Sessions include:
* Avandia® Timeline, Events and Background
* FDA: Its Purpose, Operations, and Regulatory Activities with Avandia
* The Science and Medicine behind Avandia and it''s Side Effects
* Liability Issues with Avandia
* Defense Issues with Avandia
* Avandia Case Selection and Evaluation

 
[Ausland]
Autor: strappato   2007-05-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Überblick behalten

Die Süddeutsche Zeitung über das Dilemma bei der Zulassung von Arzneimitteln: Sicherheit vs. Behandlung.

Dabei wärmt Werner Bartens wieder einmal die Legende mit den 20.000 Medikamenten auf. Was schon ein Fortschritt ist, oft genug wird von 50.000 Medikamenten auf dem deutschen Markt gesprochen.

Auf diese hohen Zahlen kommt man nur, wenn alle Wirkstoffe, alle Darreichungsformen aller Hersteller und jede Packungsgrösse gezählt werden. Laut Arzneimittelreport betrafen im Jahr 2005 96% der Verordnungen nur 3000 verordnete Arzneimittel. Da diese Zahl auch die Generika beinhaltet, sind hier auch wirkstoff- und wirkstärkegleiche Arzneimittel mit enthalten. 70% der verschriebenen Packungen waren generische Wirkstoffe, die schon lange am Markt sind und deren Patent abgelaufen ist.

Die aktuelle Rote Liste kennt 8834 Präparatenamen.
 
[Pharmaindustrie]
Autor: strappato   2007-05-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Counter-detailing

Die AOK Hessen hat im Februar 2007 mit einer offensiven Kampagne gegen die einseitige indurstrieabhängige Information der Ärzte bundesweites Aufsehen erregt. Damals stellte die Krankenkasse eine CD vor, die als Lernmedium die Vertragsärzte über die Tricks der Pharmaberater informieren sollte. Die Reaktionen waren erwartungsgemäss: Selbst die hessische Sozialministerin sorgte sich um die Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie. Anscheinend blieb das trotz der Kritik nicht erfolglos. Mittlerweile können interessierte Ärzte aus anderen Bundesländern die CD über einen Verlag für 19,95 Euro käuflich erwerben.

Die AOK verwies auf Befragungen von Ärzten und Versicherten, die sich mehr unabhängige Informationen über Arzneimittel wünschten. Leider hat die AOK die Ergebnisse bis auf einige Zahlen in der Pressekonferenz und Sildes in der Pressemappe (aok-versichertenbefragung (pdf, 101 KB)) bisher nicht veröffentlicht und verweigert auch auf Anfrage detaillierte Informationen.

Nun ist die zweite Stufe angelaufen. Wie schon im Februar angekündigt, sollen Ärzte, die Patienten auf preiswertere Medikamente umstellen, für die die Kasse Rabattverträge mit Herstellern ausgehandelt hat, 20 Euro "Beratungshonorar" erhalten. Prompt ist von "Bestechung" die Rede. Ein aberwitziges Argument, angesichts der Marketingpraxis der Pharmaindustrie, die für die Umstellung des Patienten auf teure Präparate im Rahmen von Anwendungsbeobachtungen weit höhere Summen dem Arzt zusteckt. Jedoch zeigt dies, wie üblich für die Ärzte das Pharmamarketing mit allen Facetten, ob Anwendungsbeobachtungen mit fraglichen wissenschaftlichen Wert, geschönten Informationen durch den Pharmaaussendient oder industriefinanzierte Fortbildungen, geworden ist.

Die Aufregung über das Vorgehen der AOK Hessen komt nicht von ungefähr. Zum ersten Mal wird von einer Krankenkasse systematisch counter-detailing betrieben. Weitere Aktionen sind denkbar. In den USA gibt es sogar Programme, in denen die Ärzte von Aussendienstmitarbeitern besucht werden.
 
[GKV & PKV]
Autor: strappato   2007-05-26   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Ausgeturft

Vor einigen Wochen gab es hier im blog einen Artikel über eine ethisch sehr grenzwertige Marketingkampagne.

Die Europäische Arztneimittelagentur EMEA hat nun beschlossen, die Anwendung des beworbenen Produktes, Desmopressin Nasenspray, zur Behandlung der Primären Enuresis Nocturna (PNE) zu verbieten.
Eine Behandlung mit Desmopressin, einem synthetischen Analogon des natürlichen antidiuretischen Hormon (früher auch Vasopressin genannt) kann unter Umständen das nächtliche Malheur vermeiden, weil Desmopressin die Wasserresorption in den Sammelrohren der Niere und damit die Urinproduktion senkt - freilich ohne dabei die Natrium- und Kaliumausscheidung im Urin zu verändern. Das kann bei einer Überdosierung zur Hyponatriämie und zur Wasserintoxikation führen. Eine Pharmakovigilanzstudie aus Frankreich hatte im März 2005 gezeigt, dass das Risiko nach Verwendung des Sprays deutlich erhöht ist.

Damit hat sich die Kampagne, inklusive der zum Astroturfing gegründeten Vereine Initative Trockene Nacht - Guter Tag und Club Mondkind erledigt.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2007-05-26   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Doping-Gesellschaft

Georg Paul Hefty weist in seinem Kommentar in der FAZ auf den Zusammenhang zwischen Doping im Radsport und die gesellschaftliche Realität hin.
Wer Aldag, Bölts, Dietz oder Zabel vorwirft, gelogen und betrogen zu haben, lügt sich in die eigene Tasche, betrügt sich selbst: Doping ist in der Leistungsgesellschaft immer wieder und überall, nur heisst es nicht überall und immer so. Das Geschehen ist stets das gleiche: Jemand verschafft sich mit eigentlich unerlaubten Mitteln eine Kraft – auch Wettbewerbsvorteil genannt –, die er eigentlich nicht hat. Biochemisches Doping ist nur eines dieser Mittel, finanzielles Doping – auch Bestechung genannt – ein anderes.

Bisher kaum thematisiert: Die Rolle der Gesundheitsindustrie, die die Produkte und Experten für "biochemisches Doping" liefert. Von Epo bis zu Wohlfühl-Psychopharmaka. Der Sprit für die Leistungsgesellschaft. Verwundert es da, dass in der Pharmaindustrie und im Gesundheistwesen auch das "finanzielle Doping" besonders ausgeprägt ist?
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2007-05-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












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