Ignoranz vor der Realität

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschschrift Public Health Forum geht es um die Selbsthilfe. Das Thema "Einfluss der Pharmaindustrie auf Selbsthilfegruppen" wird nur kurz im Editorial angesprochen.
Inwieweit darüber hinaus [Ministerien, Deutsche Rentenversicherung, Krankenkassen] bestehende finanzielle Engpässe auf der Gruppen- oder Verbandsebene auch ein Einfallstor für Lobbyisten sein könnten, muss kritisch beobachtet werden.
Desweiteren wird noch auf die pdf-DateiErklärung zur Wahrung der Neutralität und Unabhängigkeit hingewiesen, die fester Bestandteil der Antragsunterlagen für die Selbsthilfeförderung auf Bundesebene ist.

"Lobbyisten", "könnten", beobachtet". Klingt alles sehr vage. Einfach die Augen vor der Realität verschliessen, in der beispielsweise der weltgrösste Pharmakonzern Pfizer zweimal im Jahr Vertreter von Selbsthilfeverbänden für 2 Tage zum "Patienten-Dialog" einlädt. Übrigens nächste Woche ist es wieder soweit.
 
[Selbsthilfe]
Autor: strappato   2007-06-09   Link   (7 KommentareIhr Kommentar  



 

Generation CD

An Don Alphonsos blogbar ging diese Woche um die Überschätzung des web2.0-lifestyles . Mich hat dieser Tage ein schönes Beispiel erreicht. Thema: Planung eines Abi-Treffens. Es wird diskutiert, wer welche CDs mitbringt. CDs? Immerhin keine Langspielplatten. Ich hätte fast gemailt: Lasst eure CDs stecken, ich bringe meinen iPod mit. Aber das hätten sie wahrscheinlich nur mit Hilfe ihrer Kinder verstanden.

Und um wieder zu der Diskussion bei Don zu kommen. Dies sind alles Spitzenverdiener: Anwälte, Heuschrecken und Unternehmensberater. Wie formuliert es Don:
Was wir mit diesem vollkommenen Gegensatz der Mediennutzung erleben, ist meines Erachtens ein klassischer Ausgangspunkt für eine Katastrophe einer Ideologie, die mit den Worten begraben wird, sie sei ihrer Zeit voraus gewesen. Ja, ich weiss, das ist böse formuliert.Wenn ich mit den “practical visionaries” im Sinne der Reboot rede, gelte ich als reaktionärer Old Economist, der alles schlecht macht. Und wenn ich mit denen rede, die mit dem Internet jenseits von Mail und Pornodownload nichts anfangen können, gelte ich als der Web2.0Freak mit total seltsamen Ansichten. Die Synthese daraus lautet für mich: Solange es die anderen in derartiger Marktnichtdurchdringung gibt, solange bei 3 Millionen Anwesenden nur 300 Photos im Web2.0 landen, ist jede Theorie zur Marktentwicklung im Web2.0 Makulatur. Denn das Geld geht dahin, wo die Leute sind. Auf die Mille Miglia, und nicht zur Reboot, und all den anderen schicken werbefinanzierten Internetideen.

 
[heile Welt]
Autor: strappato   2007-06-09   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

PBK Ideenreich ist nicht durchgefallen

Ich weiss, dass aus Österreich einige Pharmamarketeers das blog misstrauisch verfolgen. Daher endlich einmal "Gratulation". Die Wiener
Agentur PBK Ideenreich - mit deutschem Ableger - hat mit der Bioflorin® Kampagne hat nicht nur das Goldene Skalpell im Heimatland gewonnen, sondern auch den deutschen Comprix. Balsam für die österreichische Pharmawerber-Seele, die immer ein wenig wehmütig auf den drittgrössten Pharmamarkt der Welt schielt.

Angesichts des Produktes würde man sagen: Nicht durchgefallen. Wirkung erreicht.

--
Eine Frage bleibt: Nun auf dem Leiberl nicht nur "Wir sind gold", sondern "Wir sind schwarz-rot-gold"?
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2007-06-09   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Klarheit und Leuchtkraft mit Ratiopharm

Der Spiegel hat sich angesehen, wie Philipp Daniel Merckle sein Unternehmen Ratiopharm nach den Bestechungsskandalen wieder auf den rechten Weg bringen will. Ein cent für die Weltrettung.
Damit der Kunde die gute Tat von Ratiopharm auch wahrnimmt, bietet der Konzern den Apothekern einen besonderen Service: Sie erhalten vom Konzern eine Plastikweltkugel zum Aufstellen, mit dem Logo der Stiftung. Für jede Ratiopharm-Packung, die der Kunde kauft, bekommt er vom Apotheker einen Jeton, den er symbolisch in die Weltkugel werfen darf. "Die Kugel erhalten Sie entweder selbststehend oder mit einer für den Verkaufsraum geeigneten Säule zur freien Platzierung", heißt es dazu in der Broschüre. Und: "Ihr Ratiopharm Aussendienst hilft Ihnen gerne weiter."
...
Als Arzt kann man sich einen "Blauen Stein" kaufen und auf den Schreibtisch stellen. Er wurde von einer schweizerischen Künstlerin entworfen, kostet 1000 Euro und bringt "Klarheit und Leuchtkraft". "Mit diesem Stein auf Ihrem Praxis-Schreibtisch dokumentieren Sie die besondere Haltung, die Sie und Ihre Mitarbeiter auszeichnet", lockt der Prospekt. Mindestens drei Viertel des Kaufpreises der Produkte gehen natürlich an "World in Balance".
Der Spiegel nennt dies eine sonderbare Mischung aus Esoterik, Weltverbesserungswillen und Waldorf-Rhetorik.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2007-06-08   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Tomograph 2

Die zweite Ausgabe des pointierten österreichischen Pharmamarketing-Videomagazins Der Tomograph ist online.

Mein Lieblingssatz:
Alles relativ, ich komme aus dem Fach Journalismus.

 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2007-06-08   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Medienrat steht auf der langen Leitung

Der Medienrat Berlin-Brandenburg hat einen Beitrag über die High-Tech-Proteine der Musenhof-Klinik in der Sendung „Gesund und schön“ bei n-tv vom 2. September 2006 wegen Verstosses gegen das Schleichwerbeverbot beanstandet. (Mitschnitt auf der oben verlinkten Seite).

Man könnte annehmen, die Medienaufsicht funktioniert. Dann aber bitte nicht diese Seite anklicken. Dort erfährt man, dass die NDR-Sendung "Zapp" schon am 7.12.2005 über die engen Beziehungen der Musenhof-Klinik zu n-tv berichtet hatte.

Aber nicht nur in redaktionellen Beiträgen durfte sich die Klinik präsentieren. Selbstverständlich steht der Experte der Musenhof-Klinik auch in Chats zur Verfügung.

Wobei die ARD nicht viel besser war. Auch hier die umtriebige Klinik am 11.9.2004.

Übrigens. In der vom Medienrat beanstandeten Sendung geht es um Proteindrinks. 6 Dosen à 375 g für 324 Euro. Im gut sortierten Sportlerbedarf bekommt man das Kilogramm Proteinpulver für unter 25 Euro. So urteilen die Profis einer Fitness und Bodybuilding Community über den n-tv-Beitrag.
 
[Medien]
Autor: strappato   2007-06-08   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Produkt-PR im Pharmabereich

Interessante E-Mail aus Österreich:
Subject
EINLADUNG: Was kann und darf Produkt PR im Pharmabereich?

Einladung: „Was kann und darf Produkt PR im Pharmabereich?“

Sehr geehrter

der Umgang mit Medien wird von vielen Pharmaexperten noch immer sehr ambivalent gesehen, dabei sind die österreichischen Gesundheitsjournalisten offen und bereit über die Leistungen und Fortschritte der Pharmaindustrie zu berichten. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit bietet mit ihren Methoden einen optimalen Weg, um Patienten zu informieren, ohne werblich aktiv zu werden.

Mit unserem Public Health Ansatz haben wir die Massnahmenvielfalt der PR in ein pharmaspezifisches Setting gebracht, das allen rechtlichen und ethischen sowie allen wissenschaftlichen und psychosozialen Anforderungen an Pharmaproduktkommunikation entspricht.

Wir laden Sie ein diesen Ansatz bei einem Vormittagsworkshop zum Thema „Was kann und darf ProduktPR im Pharmabereich“ am Freitag den 29. Juni 2007 (9 bis 13 Uhr) kennen zu lernen. Anmeldungen bitte mit dem beiliegenden Antwortfax. Kosten pro Person: 200 Euro.

Gerne bieten wir Ihnen und Ihrem Produktteam auch einen speziellen halbtägigen Workshop zu diesem und weiteren Themen der Öffentlichkeitsarbeit an – das individuelle Produkt-PR-Coaching.

Besuchen Sie auch unsere Website

Beste Grüsse

Die österreichischen Gesundheitsjournalisten sind "offen und bereit", alles klar. Jetzt fehlen nur noch die Unternehmen, die auch bereit sind - zu zahlen.

Den Patienten über Medikamente zu informieren, ohne werblich aktiv zu werden, gleicht der unbefleckten Empfängnis. Das Arzneimittelgesetz in Österreich stellt klar fest:
V. ABSCHNITT

Werbebeschränkungen

Allgemeine Bestimmungen

§ 50. (1) Als „Werbung für Arzneimittel” gelten alle Massnahmen zur Information, zur Marktuntersuchung und Marktbearbeitung und zur Schaffung von Anreizen mit dem Ziel, die Verschreibung, die Abgabe, den Verkauf oder den Verbrauch von Arzneimitteln zu fördern. Sie umfasst insbesondere:

1. die Arzneimittelwerbung, die für Verbraucher bestimmt ist (Laienwerbung),
2. die Arzneimittelwerbung für Personen, die zur Verschreibung oder zur Abgabe von Arzneimitteln befugt sind (Fachwerbung),
...

Eine Ausnahme gibt es nur für journalistische Texte.
(2) Dieser Abschnitt betrifft nicht
...
3. Informationen über die Gesundheit oder Krankheiten von Mensch und Tier, sofern darin nicht, auch nicht in indirekter Weise, auf ein Arzneimittel Bezug genommen wird.

Wenn wir zum Subject der E-Mail zurückkommen: Produkt-PR, ohne dass, auch nicht in indirekter Weise, auf ein Arzneimittel Bezug genommen wird?

Wie diese professionelle Öffentlichkeitsarbeit aussieht, kann man an den Beispielen sehen:

hier

hier

hier

hier

hier

hier
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2007-06-07   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Prohibition

Deutschland auf dem Weg in die abstinente Republik. Selten waren Empfehlungen weiter von die Realität entfernt: Höchstens ein halber Liter Bier oder ein viertel Liter Wein pro Tag – wer mehr trinkt riskiert seine Gesundheit. Und zwei Tage die Woche ohne Alkohol.

Die sozialen Auswirkungen des Alkohols sind ein Ergebnis der Gesellschaft und ihren Normen. Nach denen jeder Trinken darf, aber ein sozial erwünschtes Verhalten an den Tag legen muss. Als Kompensation für Konflikte, Stress und Überforderung ist Alkohol auch weithin akzeptiert - die Prosecco-Lüge.

Im Gegensatz zu früheren Kampagnen, bei denen eher die Abhängigkeit und die sozialen Folgen im Vordergrund standen, wird ganz gezielt der gesundheitliche Aspekt herausgehoben. Was in eine gesellschaftliche Diskussion passt, die den "Healthismus" pflegt und Bürgern mit ungesunden Lebenswandel Strafbeiträge bei der Krankenversicherung und Ausschluss aus der Solidargemeinschaft androht.

I don't smoke nor drink. I don't stay ou late and I don't sleep with girls. My diet is healthy and I take regular exercise. All this is going to change whin I get out of prison.

 
[Public Health]
Autor: strappato   2007-06-07   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












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