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Im Test: Rachenleuchte Heute soll hier einmal etwas anderes als Pharmakugelschreiber getestet werden. Die Pharmaindustrie hält noch andere nützliche Produkte für den Arzt bereit. Zum Beispiel eine "klassische MagLite Rachenleuchte", wie es die Antwortkarte verspricht. Die kann ein Arzt in Österreich von Sanofi-Aventis bekommen, wenn er in den "Klassiker-Club" beitritt und regelmässig über alle Vorteile und Serviceangebote für seine Ordination informiert werden will. ![]() Natürlich hat die Firma MagLite keine Rachenleuchten im Programm. Nach dem Medizinproduktegesetz müsste die Taschenlampe für die Diagnostik beim Menschen beim Register für Medizinprodukte eingetragen sein. Ist leider nicht online verfügbar. Aber das ist auch eher nebensächlich. Betrachten wir die Taschenlampe mal genauer und vergleichen sie mit den Klassikern von MagLite: ![]() Sieht aus, als wäre die "Rachenleuchte" auf der Karte eine ausgewachsene 4D-Cell Lampe mit 37 cm Länge. Ich habe hier im Haus eine 3D-Cell und konnte niemanden finden, der sich von mir damit freiwillig den Rachen inspizieren lassen wollte. Ist eher was für Tierärzte, die damit die Mandelentzündung von Elefantenbullen diagnostizieren. Der Verdacht liegt nahe, dass Sanofi-Aventis mit dieser Elefantenrachenleuchte das Arzneimittelgesetz umgehen will: §55a (1) Im Rahmen der Verkaufsförderung für Arzneimittel bei den zur Verschreibung oder Abgabe berechtigten Personen ist es verboten, diesen eine Prämie, finanzielle oder materielle Vorteile zu gewähren, anzubieten oder zu versprechen, es sei denn, diese sind von geringem Wert und für die medizinische oder pharmazeutische Praxis von Belang. Das untere Bild basiert auf dem Bild Maglite.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Tam. [Oesterreich]
Kdolsky im Ostblock Bei den Wahlen zur Ärztekammer Anfang März hat Österreichs Gesundheitsministerin Kdolsky noch betont, das sie sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit freue. Wenn man dem Ärztekammerpräsidenten glauben mag, dann kennt man diese Art der Zusammenarbeit aus den Zeiten des kalten Krieges: Kdolsky agiert wie im Ostblock. Andrea Kdolsky verweigert Gespräche mit den Vertretern der Ärztekammer, die Kdolsky zwar täglich in den Medien sehen, aber nicht am gemeinsamen Beratungstisch. Eigentlich hat die Andrea Kdolsky nur den Politikstil ihrer deutschen Amtskollegin Ulla Schmidt übernommen. Mal wieder ist Deutschland Vorbild. Während der Debatten über die Gesundheitsreform setzte die deutsche Gesundheitsminsiterin auf die Medien und nicht auf den Fachverstand der Ärztekammer und Verbände. Sie scheute auch nicht davor zurück, kritische Journalisten auf Linie zu bringen. Da wird sich das Konsens gewöhnte Österreich noch umgucken. [Oesterreich]
Pharmakugelscheiber-Test (V) ![]() Das Zur passiven Immunisierung ist seit einigen Jahren der monoklonale Antikörper Palivizumab (Synagis®) von Abbot auf dem Markt. Die Gleichung Antikörper=Biological=teuer gilt auch hier. Drei Monate vor der Infektionssaison und während der Hauptrisikozeit von Oktober bis März muss das Medikament einmal im Monat injiziert werden. Je nach Körpergewicht des Kindes kostet das jeweils 750-1500 Euro. Daher ist die Indikation auf Kleinkinder mit besonderen Risiko beschränkt. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie empfiehlt eine Prophylaxe bislang nur für Frühgeborene mit chronischer Lungenerkrankung als Folge einer bronchopulmonalen Dysplasie (BPD) bis zum Alter von 24 Monaten, wenn sie in den letzten 6 Monaten behandlungsbedürftig waren (Steroide, Sauerstoff, Diuretika). Bei Frühgeborenen ohne BPD mit einem Gestationsalter zwischen 32 und 35 Wochen soll individuell über die Prophylaxe entschieden werden, falls zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Die verfügbaren gesundheitsökonomischen Studien aus USA, UK und Spanien legen nahe, dass nur eine strenge Indikationsstellung ökonomisch sinnvoll ist. Auch in Deutschland gibt es Anzeichen, dass eine sehr zurückhaltend und strikt indikationgesteuerte Gabe keine Nachteile hat. Schlecht für den Hersteller, der den Aussendienst mit einem ungemein schönen Kugelschreiber auf die Reise schickt. Grün-orange, auffallend aber nicht schrill, mit Metallspitze und abrutschsicherer Fingermulde. Der stabile Metallklip hält auch den harten Arbeitstag eines Pädiaters stand, die ja oft den Kittel hängen lassen und dann keine sichere Kitteltasche zum Aufbewahren ihres Schreibgeräts haben. [Pharmakugelschreiber]
Acomplia-Nachwirkungen Die Entscheidung des FDA-Beratergremiums, die Diät-Pille Acomplia® (Rimonabant) in den USA nicht zur Zulassung zu empfehlen, hat Nachwirkungen. Gestern erklärte die europäische Zulassungsbehörde die Studiendaten nochmals zu prüfen. Eine Rücknahme der Zulassung ist nicht ausgeschlossen. Finanzanalysten zeigen sich irritiert, weil Sanofi-Aventis vor der FDA-Sitzung Optimismus verbreitet hat und dann 14:0 abgestraft worden ist. Das lässt Zweifel an der Integrität der Kommunikation von Sanofi-Aventis mit den Investoren aufkommen. Die Aktie büsste dieses Jahr schon 10% ein. Eine gewisse Nervosität ist da verständlich. Dieser Rückschlag hat auch den Gerüchten über eine Fusion von Sanofi-Aventis mit Bristol- Myers Squibb (BMS) wieder Nahrung gegeben. Mit Acomplia® würde Sanofi-Aventis erwartete Umsätze von $ 3 Milliarden jährlich verlieren. Das war eigentlich als Ausgleich für den auslaufenden Patentschutz des Blockbusters Plavix® gedacht, den Sanofi-Aventis gemeinsam mit BMS vermarktet. Des einen Leid, des anderen Freud. Das Interesse an der freiverkäuflichen Diät-Pille Alli® von GlaxoSmithKline, die heute auf den Markt kommt, ist überwältigend. Mal sehen ob das anhält, wenn die ersten Patienten ihre Erfahrungen mit den [Pharmaindustrie]
Auge um Auge Schönes Beispiel, wie in England Rationierung funktioniert. Seit einigen Monaten ist in Europa der monoklonale Antikörper Lucentis® (Ranibizumab) von Novartis zur Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) auf den Markt. Zu einem horrenden Preis: Apothekenverkaufspreis in Deutschland liegt bei über 1500 Euro. In den ersten 3 Monaten der Behandlung wird es monatlich intravitreal (in den Glaskörper des Auges) gespritzt und nach einer Erhaltungsphase gegebenfalls wiederholt. Bisher gab es noch keine wirkliche Therapie gegen die chronisch fortschreitende AMD, trotz bis zu 1 Million Betroffener allein Deutschland. Nicht nur in England fürchten die Verantwortlichen in Politik und Krankenkassen, dass Lucentis® die Budgets sprengen könnte. In England hat das NICE daher empfohlen, 20% der Patienten mit Lucentis® zu behandeln - aber nur Patienten, die das Augenlicht auf einem Auge schon eingebüsst haben. Die Verwendung des Konkurrenzpräparats von Pfizer (Macugen®) wurde explizit ausgeschlossen. Die endgültige Entscheidung wird für September erwartet. Das deutsche IQWiG soll sich ja bei seinen Kosten-Nutzen-Bewertungen auf internationale Standards stützen. Ein Auge langt für die Wirtschaftlichkeit. So stellt sich Ulla Schmidt sicher nicht die internationalen Standards vor. [Avastin - Lucentis]
Laut, lauter, Lauterkeit Besonders wichtig sind Lauterkeit und Transparenz im Umgang mit der Ärzteschaft. Das ist inzwischen gut geregelt mit einem Kodex, einer Schiedsstelle und Selbstverpflichtungen.
Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller in einen FAZ-Interview.[Pharmaindustrie]
Hände weg Hände weg vor allen Fälschungen - die sind viel zu gefährlich.
Friedemann Bachleitner-Hofmann, Landespräsident Apothekerkammer Salzburg in der "Krone" am 29.5.2007. Jetzt fehlt nur noch die Forderung, dass gefälschte Arzneimittel - Packungen und Tabletten - mit einem Stempel "FÄLSCHUNG" versehen sein müssen. Sehr nett auch, dass der Apotheker-Präsi auf dem Bild zum Artikel mit der Apotheker-Krone in der Hand posiert. [Oesterreich]
Laut, lauter, Lauterbach (Update) Donnerstag wird das Buch von Karl Lauterbach vorgestellt: Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Wie nicht anders zu erwarten hat das linke Gesundheistgewissen der SPD schon im Vorfeld besonders die Ärzte gegen sich aufgebracht. Dabei musste er erstmal eine Niederlage einstecken Das Hamburger Landgericht hat eine einstweilige Verfügung erlassen, weil Lauterbach in einem Gastbeitrag des Spiegels einen "Abgrund der Abneigung gegen Patienten" entdeckt und als Beleg dafür einen Leserbeitrag aus dem Forum der Online-Community www.facharzt.de zitiert hat. Allerdings hat er dabei verschwiegen, dass der Autor diesen klar als Satire gekennzeichnet hatte. Zu allem Überfluss hat das ZDF-Magazin Frontal 21 dies in einem Beitrag aufgenommen. Das gipfelte in der Forderung nach Entzug der Kassenzulassung für die Ärzte, die sich besonders abwertend in dem Forum über Patienten äussern. Lauterbachs Medienmaschine läuft und bei facharzt.de kochen die Emotionen dementsprechend hoch. Vielleicht sollte man erstmal Lauterbachs Account bei dem Portal sperren. Wir werden Karl Lauterbach in den nächsten Wochen nicht entkommen können. Kerner, Beckmann, Christiansen, Illner. -- Update: Karl Lauterbach war schon am Abend vor der Buchvorstellung bei "Hart aber Fair". Beim WDR gibt es einen stream der Sendung. [TV-Magazine]
Big Pharma soll nachhaltig wirtschaften Wieder einmal hat eine Studie ergeben, dass das Geschäftsmodell von Big Pharma zum Scheitern verurteilt ist. Laut den Beratern von PricewaterhouseCoopers (PwC) verhindert die Strategie, auf wenige Blockbuster zu setzen und diese mit hohem Marketingaufwand an den Patienten zu bringen, die Entwicklung von innovativen Medikamenten. Lösung: Mehr Forschung, weniger Marketing und Vertrieb. Zwar werden die Ausgaben für Gesundheit durch die Alterung der Bevölkerung im nächsten Jahrzehnt steigen, aber der Kostendruck wird ebenso zunehmen. Geld wird es nur für Medikamente geben, deren Nutzen gross genug ist und die Heilung für bisher nicht gelöste medizinische Probleme bringen. Das fatale an der Situation: Die Studie bestätigt, dass diese Änderung des business-models schnell erfolgen muss. Angesichts der langen Entwicklungszeiten vom Wirkstoff bis zum klinisch geprüften Produkt verständlich. Nur fällt das in eine Phase, in der die Pharmakonzerne Umsätze durch das Auslaufen von Patenten wichtiger Blockbuster Was Big Pharma nicht schafft, versuchen Biotechnologieunternehmen. SAP-Gründer Dietmar Hopp hat sich der Branche in Deutschland angenommen und will aus den vielen kleinen Bio-tech-Buden starke Firmen entwickeln, so ein Spiegel-Bericht. Die Exit-Strategie ist immer noch der Verkauf oder Lizensierung der neuen Medikamente an die Pharmakonzerne, die es ja nötig haben. [Pharmaindustrie]
Unerwünschte Nebenwirkungen Die Diät-Pille Acomplia® vom Hersteller Sanofi-Aventis kämpft immer noch um die Zulassung in den USA. Die Zulassungsbehörde FDA sieht ein erhöhtes Suizid-Risiko als Nebenwirkung. Für die Zulassung in Europa war das kein Hinderungsgrund. In Deutschland ist Acomplia® als "Lifestyle-Medikament" von der Erstattung durch die Krankenkassen ausgenommen. Suizid und Lifestyle? [Arzneimittel]
Erwünschte Nebenwirkungen Ölige und dünne Stühle - ergo Durchfall - sind üblicherweise Anzeichen einer Erkrankung. Wenn dies Folge einer Medikamenteneinnahme ist, würde man es als unerwünschte Nebenwirkung bezeichnen. Das Video erklärt den Nutzern der in den USA freiverkäuflichen Diätpille Oops, I did it again... John Mack nennt dies im Pharma Marketing Blog zurecht [Orlistat]
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