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Geschäft mit dem Wunschkind (update) ![]() Wellcome Images Ein ungewöhnlicher Lesetipp. Denn die Wirtschaftswoche ist eher als Verteidigerin der ungebremsten freien Marktwirtschaft bekannt. Bei Medizinthemen geht es in dem Magazin sonst um Innovationen in der Medizintechnik oder Erkenntnisse zur Gesundheit von Managern. In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich die WiWo als Titelthema mit dem "Geschäft mit dem Wunschkind". Herausgekommen ist eine überaus kritische Analyse des Marktes rund um die künstliche Befruchtung inklusive der Rolle der Pharmaindustrie und die ethische Bewertung der Reproduktionsmedizin. Es wird auch die Abschluss ist ein Interview mit der Wissenschaftheoretikerin Bettina Bock von Wülfingen, in dem die Wissenschaftlerin darlegt, dass die von der Reproduktionsmedizin ins Spiel gebrachten Chancen zu einer Veränderung der Wahrnehmung führen. Genetische Investionen in Kinder werden normal, die Rolle der Erziehung und des sozialen Umfelds werden marginalisiert, der Krankheitsbegriff wird zum Angebot gewandelt - bis hin zur Pathologisierung der genetischen Unachtsamkeit. Bock von Wülfingen zum Stichwort Anspruch gegen die Gesellschaft: Zunächst einmal dadurch, dass sie [die Reproduktionsmedizin] sich zum Anwalt aller Kinderwunschpaare machen kann - also auch derjenigen, die sich als unverheiratete, gleichgeschlechtliche und sozial benachteiligte Paare allein gelassen und diskriminiert fühlen. Darüber hinaus erinnert uns die Öffentlichkeit an niedrige Geburtenraten, Kindermangel und demographischen Wandel - und bietet die Reproduktionsmedizin als Problemlösung an. Schliesslich wird eine stille Interessensübereinkunft zwischen pharmazeutischen Unternehmen, Reproduktionsmedizinern und aktiven Patientengruppen aktiviert, die etwa zur Forderung führt, die Behandlung von Infertilität ohne Ansehen von Gründen durchzuführen. Insgesamt ein sehr informativ, wenn auch eine einen Tick zu sehr wertkonservative Sichtweise. -- Update Ein Beispiel für die überzogenen Versprechungen der Reproduktionsmedizin zeigt eine Studie aus den Niederlanden. (Bericht in der Südddeutschen Zeitung). Danach verringert ein frühzeitiger Erbgut-Check die Wahrscheinlichkeit, dass ein im Reagenzglas gezeugter Embryo zu einem lebensfähigen Baby heranwächst - zumindest bei Frauen über 35 Jahren. [Ethik & Monetik]
Lohnende Investitionen In einer E-Mail hat mich jemand gefragt, über welches Thema oder Erkrankung man ein blog eröffnen könnte, was schnell sehr erfolgreich sein soll. Also Klickzahlen und dann auch die entsprechenden Einnahmen. Mal abgesehen, dass ich auf sowas nicht antworte, hätte ich trotzdem einen todsicheren Tipp. Es gibt da eine chronische Erkrankung, die Ursache für eine einstellige Millionenanzahl von ambulanten Besuchen in den USA ist (für Europa gibt es keine validen Schätzungen), die in den USA bis zu 10% aller Besuche eines bestimmten Faches ausmacht, deren Lebenszeitprävalenz auf bis zu 15% geschätzt wird und die die Lebensqualität der Betroffenen ähnlich hoch beeinflusst wie Morbus Crohn oder andere schwere chronische Erkrankungen. Erst vor etwa 10 Jahren hat man sich überhaupt auf eine Symptomklassifikation geeinigt. Über ein Erklärungsmodell wird noch diskutiert. In Deutschland kennt ein grosser Teil der entsprechenden Fachärzte weder die Klassifikation, noch die aktuellen Studien, von denen es immer mehr gibt. Es ein Forschungsgebiet und Gesundheitsproblem, das gerade entdeckt wird. Evidenzbasierte Studien sind Mangelware. Die Therapieansätze umfassen praktisch das ganze Spektrum: Harte Medikamente, Chirurgie, Naturheilkunde, Verhaltensmedizin, Physiotherapie, bis hin zur Zahnsanierung (immer gerne genommen, wenn man nicht weiter weiss). Es gibt keine funktionierende Selbsthilfegruppe in Deutschland. Bei google findet man gerade einmal 10.000 deutschsprachige Treffer. In Laienmedien ist die Erkrankung bisher kaum aufgetaucht. Dabei ist es ein ernstzunehmendes Symptom, der Leidensdruck bei den Patienten ist enorm. Eine Blog zu der Thematik wäre meines Erachtens sofort der Renner, auch weil die betroffenen Patienten hauptsächlich in der Altersgruppe von 30 bis 50 Jahre zu finden sind. Mir fallen sogar ein paar Pharmaunternehmen ein, die aufgeschlossen sein könnten. Im Gesundheitsbereich geht noch einiges, es muss nicht das 132. Portal über Diabetes oder das 153. Adipositas-Blog sein. Holtzbrinck investiert derweilen in eine lahme Gesundheitscommunity (helpster.de) oder einen Gemischtwarenladen (netdoktor.de). Beides Konzepte, die bei anderen Themen erfolgreich sein könnten (ob zu "Sport", "Familie", "Autos" oder sonstwas), aber nicht beim Thema "Medizin". -- Die Kommentare sind abgeschaltet. Wir wollen ja hier kein "Was bin ich" spielen. [Internet]
Check, Check, eins, zwei, drei... Ein Journalist der Süddeutschen Zeitung war beim Rundumsorglos-Check. Was bei dem Check herausgekommen ist - treiben Sie mehr Sport, trinken Sie mehr Wasser und weniger Rotwein, essen Sie nicht nach 19 Uhr und nicht zu viel Schweinebraten – das steht in jedem Ratgeber-Heftchen. Leider hat er nicht verraten, was dieser Rat am Ende gekostet hat. Auf den Punkt bringt es ein Leserkommentar: Walter Sedlmayr selig als Prof. Felix Hallerstein zu Frau von Soettingen, als die ihren Monaco Franze dienstunfähig haben wollte, so unnachahmlich: "Woaßt, Annette, mir ham da a neue Maschin', da gehst vorn pumperlgsund nei und hinten kommst todkrank raus. [Public Health]
Pharma Babes Song Pharmaceutical girls - das groovt: hier. I really love pharmaceutical girls. I can make money the rest of my life with pharmaceutical girls. I hand out prescriptions into the night, you see it's together under the street like pharmaceutical girls. [via Peter Rost] Kein Vergleich zum drögen [Pharmaaussendienst]
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