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Die Kunst des Weglassens Nicht nur die DTC-Werbung ("direct-to-consumer") für verschreibungspflichtige Medikamente ist eingeschränkt, auch bei der Werbung für Fachkreise müssen einige Dinge beachtet werden. Das Heilmittelwerbegesetz gibt vor, dass jede Werbung für Arzneimittel beispielsweise Angaben zu Zusammensetzung, Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen oder Warnhinweisen enthalten muss. Ein Ärgernis für die Pharmaunternehmen und die Marketing-Agenturen, nicht nur aus gestalterischer Sicht. Es geht auch anders, wie die Anzeige von Roche für Bondronat®, einem Bisphosphonat, beweist. Wer findet die Pflichtangaben? Keine Angst, es gibt keine. ![]() In dem von mir rot markierten Feld steht: Basisinformationen auf Seite 278. Die Angaben nach §4 HWG werden von der Anzeige getrennt. Sehr kreativ, was gleich den Titel Die beste Pharmaanzeige des Monats einbrachte. In der Verkündungs-Mail jubelt die Agentur "WEFRA", die jeden Monat einen Gewinner kürt. Gesetzlich konform. Genial gelöst. Und absolut vorbildlich. Im Idealfall haben wir in Zukunft nur noch Fachzeitschriften, die vorne im Sinn des Lesers „aufräumen“ und den aus gestalterischer Sicht absolut kontraproduktiven Pflichttext weit im hinteren Teil als „Bleiwüste“ abdrucken. Im Idealfall aus Sicht der Agentur haben wir in Zukunft nur noch Ärzte, die sich für Indikationen und Kontraindikationen nicht mehr interessieren, sondern den Werbeversprechungen der Pharmakonzerne glauben. Alles nur im Sinn des Lesers. Ganz nebenbei: Das Foto einer unbekleideten jungen Frau und eines Braunbärs entspricht nicht gerade dem typischen Bisphosphonat-Patienten. Bisphosphonate werden zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen eingesetzt. Und Bären haben die Fähigkeit, ihre Knochen, etwa während der langen Perioden der Inaktivität im Winterschlaf, vor Degeneration zu bewahren. [Pharmamarketing]
Zerfallserscheinungen Unser Gesundheitssystem, so wie es Patienten und Ärzte kennen, zerfällt und niemand merkt es so recht. Integrierte Versorgungsverträge, Medizinische Versorgungszentren, Filialpraxen, Rabattverträge - da steigen selbst Experten kaum durch. In Baden-Württemberg soll für die AOK der Hausärzteverband und MEDI, einer Ärztegenossenschaft, die hausarztzentrierte Versorgung organisieren. In Bayern wollen die Hausärzte die Kassenzulassung zurückgeben. In Hessen hat offenbar eine Mehrheit der Urologen hat ihren Verzicht auf eine kassenärztliche Zulassung erklärt. Die Ärzte haben den bürokratischen Irrsinn satt. Statt sich um ihre Patienten zu sorgen, sind solche Dinge wichtiger: Frage: Ich bin als Allgemeinarzt mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie niedergelassen. Iich habe von mehreren Seiten erfahren, dass ich bei einem Überweisungspatienten mit "Zielauftrag" die Nrn. 35100 bzw. 35110 plus 01413 je nach Leistungserbringung abrechnen kann! Ist diese Möglichkeit tatsächlich gegeben? Antwort: Die Leistungen nach den Nrn. 35100 und 35110 sind für Sie als Hausarzt entsprechend der Präambel 3.1 grundsätzlich nicht mehr berechnungsfähig. Für Hausärzte mit der Qualifikation Psychosomatik kann der Qualitätszuschlag nach GOP 03235 neben der Versichertenpauschalen nach den GOP 03110 -03112 oder GOP 03120-03122 in Ansatz gebracht werden. Die Zusetzung der GOP 03235 erfolgt im Übrigen automatisch durch die KV Hessen. [Ambulante Versorgung]
Beton-Marketing Bei Ratiopharm sollen statt Ein Manager von Heidelberg Cement wird den Generika-Konzern leiten. Der Patriarch Adolf Merckle hat seinen eigenen Sohn Philipp Daniel Merckle gefeuert. Heidelberg Cement gehört mehrheitlich auch zum Merckle-Imperium. [Pharmaindustrie]
Pharmamarketing im SWR Gestern im SWR-Fernsehen: odysso mit dem Thema "Wie uns die Pharmaindustrie manipuliert". Reisserischer Titel, wenig neue Informationen - ein zusammen gesammelter Rundumschlag. Von als redaktioneller Teil getarnter Werbung bis Scheininnovationen. [TV-Magazine]
Bayer will Transparenz Das Pharmaunternehmen Bayer Vital sieht sich ebenfalls in der Pflicht zu informieren. Geschäftsführer Hans-Joachim Rothe räumte ein, die Pharmaindustrie habe in der Vergangenheit zu wenig transparent gemacht, welche Patientengruppen sie finanziell unterstütze. Firmen müssten dazu gezwungen werden, solche Angaben offenzulegen. Sein Unternehmen werde ab dem Sommer im Internet darüber Auskunft geben, mit welchen Summen es Patientenorganisationen unterstütze und welchen Projekten das Geld gewidmet sei. Noch stärker als bisher müssten Pharmafirmen in ihren internen Abteilungen zwischen Werbung und der Vermittlung von Informationen trennen: "Man kann das nicht in einer Hand lassen. Die Gefahr des Missbrauchs ist sehr groß."
Quelle: FTD.Es bewegt sich was. Das wird eine lange Liste werden, ein paar Beispiele: Deutsche Kontinenzgesellschaft. Deutscher Diabetiker Bund. Deutsche Lungenstiftung. Interessengemeinschaft Hämophiler. Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe. Pulmonale Hypertonie e.V.. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. Deutsche Herzstiftung. -- Und wenn sich der Erfolg einstellt, gibt es Incentive-Reisen nach Südafrika und Mittelamerika für die Vertriebsmitarbeiter. [Pharmamarketing]
Werbung für Ärzte im TV erlaubt Werbung im Fernsehen ist für Ärzte erlaubt. Ein Arzt aus Hessen siegte gegen die Ärztekammer vor dem Berufsgericht. Fernsehspots sind ja relativ teuer. Aber demnächst im Privatradio, zwischen den besten Hits aus drei Jahrzehnten, Werbung für Anti-Aging-Mediziner und LASIK-Chirurgen? [Pharmamarketing]
Ästhetik vs. Kosmetik Rein kosmetisch motivierte invasive Behandlungen naturgesunder Zähne mittels Veneers oder gar Kronen lassen die Zahnmedizin in eine Identität zurückfallen, die näher beim Bader als beim Arzt liegt.
Prof. Dr. Thomas Imfeld, Zentrum für Zahn-, Mund- undKieferheilkunde der Universität Zürich, in einen Interview mit der Zeitung "Die Zahnarzt Woche (DZW)". [Zahnaerzte]
Echo aus Brüssel Natalie Todd von Ogilvy PR präsentierte eine Kampagne zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, die auch auf das Web 2.0 setzte. Leicht säuerlich bemerkte die Referentin, dass es in Deutschland leichte Gegenwehr eines Bloggers - Don Alphonso - gegegeben habe. (Quelle, via Blogbar) [HPV]
Pfizer sponsort Lobbyistenbefragung zu Diabetes Derzeit werden Selbsthilfegruppen per E-Mail gebeten, an einer Umfrage zu Diabetes teilzunehmen. Health Consumer Powerhouse would like to hear your (and your members') views on your healthcare system's capacity to treat diabetes, for a Europe-wide study
Übrigens hat der Serienbriefschreiber schlampig gearbeitet: To contribute YOUR VIEWS on the heart/stroke healthcare services in your country. Da ist was mit der Befragung zum Euro Cardiovascular Healthcare Index durcheinander gekommen.Dear xxx , Brussels and Stockholm-based Health Consumer Powerhouse HCP, the compiler of the annual EuroHealth Consumer Index) has started studying how well each European country’s healthcare system treats individual diseases. One of the first such medical conditions to be examined by HCP is diabetes. As part of the project HCP is conducting a patient/carer survey in 29 countries across Europe (a link to the survey can be found below). To contribute YOUR VIEWS on the heart/stroke healthcare services in your country you can complete a short online questionnaire should take you no more than about 5 (or, at most, 10) minutes to complete. We would be grateful if you could also circulate this survey to your members so they can also complete the questionnaire. Results will appear in September 2008 in HCP’s Euro Diabetes Healthcare Index 2008, which will be publicly-available online. This survey is being conducted on a specialist survey website, so allowing all responses to be completely ANONYMOUS. No IP addresses or email details can reach the survey managers (unless you choose to mention such information in the survey). If, however, you would like to be sent the weblink to the completed Euro Diabetes Healthcare Index 2008 when it is published in September 2008, you can specify your CONTACT DETAILS at the end of the questionnaire. You can take part in this survey by pressing your ‘Control’ button and clicking on this link … HCP DIABETES SURVEY http://... … you will then be able to answer the survey’s 10 questions online. The survey will close on Wednesday, 28th May 2008 (but we would welcome your input earlier than that, as your opinions can help to quickly establish some trends). Yours faithfully, Johan Hjertqvist and Dr Arne Björnberg Health Consumer Powerhouse HCP would like to thank Pfizer for an unrestricted grant that covers the costs of producing the Euro Diabetes Healthcare Index 2008. The survey is being administered by PatientView (a UK-based publishing and research organisation) on behalf of Health Consumer Powerhouse. In der originalen Formatierung ist der Dank an Pfizer für den Auftrag sehr klein geschreiben. Worum geht es? Das HCP ist Teil eines Beim hcp survey for people with diabetes 2008 (pdf, 62 KB) wird wie erwartet nach dem Zugang zu "High Quality" Informationen gefragt. Qualität ist ein zentraler Begriff, da die EU-Kommission derzeit Verbände und Lobbygruppen zu Stellungnahmen zu den zukünftigen Regeln für medizinische Informationen, die sich direkt an Patienten richten, aufgefordert hat. Qualitätskriterien spielen dabei eine wichtige Rolle. Nach den Vorstellungen der EU soll direkte Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten bleiben. Dagegen sollen Informationen von Pharmaunternehmen über wissenschaftliche Studien, Prävention, Behandlungsmassnahmen sowohl in Medien wie im Internet, als auch in über direkte Vorträge oder als Antwort auf Patientenanfragen zukünftig möglich werden. Im September werden dann die Ergebnisse vorgestellt. Meine Prognose: Es wird ein Ranking gemacht und angemahnt, dass es grosse Defizite bei der Information über Diabetes gäbe. Der Sponsor wird nicht genannt. Die Pharmaindustrie wird diese Studie nutzen, um bei der EU Druck für die Lockerung ihrer Informationseinschränkungen zu machen. -- Für den Sponsor Pfizer hat HCP wohl noch die Frage nach Statinen mit reingenommen. [PatientView]
Doping-News 3x Doping: 1 Ein Interview in der FAZ mit dem Experten Patrick Diel über Gendoping und die Rolle der Pharmakonzerne und der Anti-Aging-Industrie. Nehmen Sie Myostatinhemmer: Wyeth entwickelt sie gegen die schreckliche Krankheit Duchenne-Muskeldystrophie. Biomorphics nennt als Indikation altersbedingten Muskelschwund, Diabetes II und Anti-Aging. Das ist ein viel größerer Markt, weil er auch gesunde Menschen bedient. Viagra ist ein ähnliches Beispiel. Reich wird man mit Produkten, die sich millionenfach verkaufen. 2 Ermittler aus Norddeutschland haben illegalen Handel mit Doping- und Potenzmitteln aufgedeckt. Bei vier bundesweiten Durchsuchungen wurden 1,3 Tonnen verschiedener Anabolika und eines Potenzmittels sichergestellt. 3 Ein Bodybuilder aus Münster ist an der Überdosis des Muskelpräparats Dinitrophenol gestorben. [Arzneimittel]
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