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AOK kapituliert vor Novartis Novartis hat es geschafft. Der Pharmakonzern ist mit der AOK über die Bezahlung von Lucentis® handelseinig geworden. Nach Informationen der WELT haben der Konzern und der Bundesverband der AOK knapp acht Monate nach der politischen Debatte um die Erstattung des Medikamentes einen millionenschweren Rahmenvertrag ausgehandelt. Falls wie die Zeitung annimmt, auch andere Krankenkassen ähnliche Verträge aushandeln, dann darf man fragen, was die Bekenntnisse, sich im Fall Lucentis nicht von Novartis erpressen zu lassen und weiter auf die Zulassung des nicht zur AMD-Behandlung zugelassenen Avastin®, gegenüber dem 30-fach teureren Lucentis® zu setzen, Wert waren. Mit Spannung werden Informationen über das Vertrags-Volumen erwartet. Am Höhepunkt des Konflikts hatte Novartis in ganzseitigen Anzeigen das Angebot abgegeben, für alle Kassenpatienten ab jährlichen Kosten von 315 Millionen Euro alle weiteren Kosten zu übernehmen. Wahrscheinlich wird es jedoch der gesetzlichen Krankenversicherung teurer kommen als der zur Zeit stillschweigend geduldete und teilweise durch Verträge von Krankenkassen mit Augenärzten abgesicherte off-label-Einsatz von Avastin®. Der Druck ist aus dem Kessel, die angelaufenen Studien zur Nicht-Unterlegenheit von Avastin® gegenüber Lucentis® bei der Therapie der altersabhängige Makuladegeneration haben erst einmal nur noch einen wissenschaftlichen Wert, da es ohne Kostendruck nicht zu einer "Zwangszulassung", genauer einem zulassungsübergreifenden Einsatz nach § 35b Absatz 3 des Sozialgesetzbuches (SGB V) kommen wird. Meine Prognose: Novartis wird sich einen Teil der entgangenen Umsätze später wieder holen. Beispielsweise, wenn Lucentis® für die Behandlung des diabetischen Makulaödems (DME) zugelassen wird. Studien dazu laufen. [Avastin - Lucentis]
Pharma Social Network Marketing Case Study der Facebook-Kampagne für den HPV-Impfstoff Gardasil®. In Europa war eine von Oglivy initiierte Astroturfing-Kampagne, die Blogger fürs Impf-Marketing einspannen wollte, bekanntlich so erfolgreich. [HPV]
US-Pharmaindustrie will 6 Monate Werbepause In den USA haben Pharmaunternehmen, darunter Merck & Co., Johnson & Johnson und Pfizer ein freiwilliges Moratorium bei der Publikums-Werbung für Medikamente (DTC - direct to consumer) angeboten. In den ersten 6 Monaten nach Markteinführung sollen für neue Arzneimittel keine Kampagnen in Zeitschriften oder Fernsehen laufen und die Unternehmen erklärten, den Einsatz von Ärzten, die den Werbeaussagen eine besondere Glaubwüdigkeit geben sollen, in der Werbung für Medikamente zu begrenzen, bzw. ganz darauf zu verzichten. Das ist eine Reaktion auf die Untersuchungen des US-Kongresses, der in der massiven, teils irreführenden Werbung besonders für gerade zugelassene Arzneimittel, in der falsche Hoffnungen geweckt und Nebenwirkungen verharmlost werden, mittlerweile eine Bedrohung für die Arzneimittelsicherheit sieht. Der zuständige Ausschuss des Kongresses fordert ein 2-jähriges Moratorium und den Hinweis auf Warnungen in den Anzeigen, falls die Zulassungsbehörde FDA diese aufgrund von Nebenwirkungen oder neuen Studienerkenntnissen veranlasst hat. Die Erfahrungen aus den klinischen Studien vor der Zulassung sind in der Regel begrenzt. Diese werden nur mit wenigen Patienten und nur wenige Monate durchgeführt. Experten halten die von der Pharmaindustrie mit Marketing unterstützte Bereitschaft vieler Ärzte, rasch neue Arzneimittel zu verordnen für gefährlich, da viele Menschen ohne zwingenden Grund wenig erprobte Arzneimittel ausgesetzt werden, die unter Umständen keinen Vorteil bringen. In Deutschland weist der unabhängige Informationsdienst "arzneimittel-telegramm" sogar auf Präparate, die kürzer als 5 Jahre im Handel sind, besonders hin. [Arzneimittel]
Pfizer spielt Risiken von Champix® herunter Pfizers Pharmaaussendienst hat in den USA die Nebenwirkungen der Raucherentwöhnpille Champix® (in den USA Chantix®) bei den Besuchen in den Arztpraxen herunter gespielt. Diesen Schluss lassen Ergebnisse eines Marktforschungsinstituts zu, die dem Journalisten Ed Silverman in die Hände gefallen sind. Rund 200 Ärzte haben monatlich den Marktforschern über ihre Kontakte mit den Pharmaberatern von Pfizer berichtet. Von Februar bis Mai 2008 fanden immer häufiger Nebenwirkungen keine Erwähnung. Der Anteil der Produktvorstellungen, in den die aktuellen Risiken der Einnahme für psychiatrische Erkrankungen betont worden sind, halbierte sich von 28% auf 14%. Ende 2007 waren erste Warnhinweise bezüglich des erhöhten Risikos von depressiver Verstimmung, Aggressivität und andere Verhaltensauffälligkeiten bis zu Suizidgedanken in Verbindung mit Champix® veröffentlicht worden und die Sicherheit wurde in den US-Medien, ausgelöst durch spektakuläre Fälle wie den Tod eines bekannten Ein Beispiel für die positive verharmlosende Message: Chantix has very few side effects. Sometimes, there’s vivid dreams and sometimes, there’s nausea. It should be dosed for a full three months and, sometimes, even six months to make sure the patient stays tobacco free. Was Pfizer jedoch nicht viel gebracht hat. Die Verkäufe in den USA sind in den Keller gegangen und sollen durch Umsätze in Ländern wie Deutschland, wo es weniger Aufmerksamkeit in den Medien für Nebenwirkungen von Medikamenten gibt, In Deutschland verlinkt Pfizer bei der Kampagne In Deutschland darf Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel nur Fachkreise erreichen. Dazu gehören auch die offiziellen Fachinformationen. Pfizer hätte jedoch den link zur EMEA auch einfach unterlassen können. [Champix]
DRPR kritisiert Recycling von Pharma-Schleichwerbung (Update) Matthias Rosenthal, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) und Vorsitzende der Beschwerdekammer für TV-Schleichwerbung, schaltet sich in die Debatte um die erneute Ausstrahlung der mit Pharma-Schleichwerbung durchsetzten ARD-Serie "In aller Freundschaft" ein: Es wurde nur ein bisschen Kosmetik betrieben. Die Namen der Medikamente werden zwar nicht mehr erwähnt. Aber gerade das kann sogar noch werbewirksamer sein. [...] Das macht uns ärgerlich. Denn im medizinischen Bereich ist Schleichwerbung besonders eklatant. Nachdem wir über die erneute Ausstrahlung von mutmaßlicher Schleichwerbung für den COX-2-Hemmer Vioxx® -- Zum Statement der MDR-Pressesprecherin erübrigt sich jeder Kommentar. -- Update: Jetzt berichtet auch Süddeutsche.de: Klar ist: Nachdem deutlich geworden war, wie stark "In aller Freundschaft" durch Schleichwerbung infiziert war, hätte das Öffentlich-Rechtliche wohl besser daran getan, dem Patienten gestrenge Bettruhe zu verordnen. [ARD-Schleichwerbung]
Pfizers Aufmerksamkeit für Champix-Sicherheit Pfizer is committed to patient safety, and to continuously furthering our knowledge of Chantix.
Das schreibt Martin Mackay, President of Pfizer Global Research and Development, in einem Editorial der Zeitung "The Day" aus Connecticut, wo Pfizer seine R&D-Zentrale hat.Wie Pfizer mit den Erkenntnissen umgeht, verdeutlicht ein Bericht des Fernsehsenders ABC. Danach soll John Spangler, Direktor des "Tobacco Intervention Programs" an der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, Pfizer und die FDA schon vor einem Jahr auf Risiken der längerfristigen Einnahme von Champix® (in den USA Chantix®) für Herzerkrankungen und Beeinträchtigungen beim Sehen aufmerksam gemacht haben. Genau die Nebenwirkungen, die vor einigen Wochen bei der Analyse des "Institute for Safe Medicine Practice" (ISMP) -- Beim anderen Lifestyle-Medikament des Konzerns gibt es auch unerwünschte Popularität zu vermelden: Viagra® soll als Doping-Mittel beliebt sein. Nicht nur für Profi-Sex-Athleten. [Champix]
Goldrausch bei Bayer ![]() Pfirsichlikör der Marke "GOLD RAUSCH", mit 22-karätigem Blattgold abgeschmeckt, verteilte jüngst der Bayer-Außendienst an Ärzte. Damit feierte Bayer die durchwachsenen Ergebnisse der ONTARGET-Studie, in der sich der Blutdrucksenker Telmisartan (von Bayer vertrieben als Kinzal®) dem rund sechsmal billigeren, als "Goldstandard" geltenden Ramipril zwar nicht als überlegen, aber wenigstens als "nicht unterlegen" erwiesen hatte. [Pharmamarketing]
Melody Petersen und Daniel Carlat im NPR Tom Ashbrook hat im WBUR-Boston & National Public Radio (NPR) ein Gespräch mit Melody Petersen und Daniel Carlat über das Pharmamarketing in den USA geführt Daniel Carlat, Professor für Psychiatrie an der Tufts University, gibt den unabhängigen monatlichen Newsletter The Carlat Psychiatry Report heraus. Es ist wohl die wichtigste Nachrichtenquelle in den USA wenn es um Informationen über das Feld der psychiatrischen Erkrankungen geht, die nicht von der Pharmaindustrie beeinflusst werden. In Amerika ist das Geschäft mit den Glückspillen ein Milliardenmarkt, mit Melody Petersen, früher Journalistin bei der NY Times, hat vor einigen Monaten eine Abrechnung mit dem Marketing der Pharmakonzerne veröffentlicht: "Our Daily Meds: How the Pharmaceutical Companies Transformed Themselves Into Slick Marketing Machines and Hooked the Nation on Prescription Drugs". ![]() Das erinnert mich daran, dass ich noch eine Besprechung dieses exzellenten Buches schuldig bin. [Pharmamarketing]
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