G-BA zweifelt an Fachkompetenz und Unabhängigkeit der Stiko

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beklagt nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung Ungereimtheiten in einem Schreiben der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Bewertung der HPV-Impfung.
Quellen seien nicht nachprüfbar, auch würden zweifelhafte Schlussfolgerungen gezogen, sagte Ulrike Faber, Pharmazeutin und Patientenvertreterin im G-BA. Auch ziehe die Stiko nur jene Fakten heran, die ihr in den Kram passten.
[...]
Für die Bewertung des zweiten HPV-Impfstoffs werden gar Daten aus Kurzfassungen von Studien übernommen, offenbar ohne Einblick in die ganzen Studien genommen zu haben.
[...]
Widersprüche in ihrer Argumentation scheine die Stiko dabei nicht zu bemerken. So würde, folgte man der Stiko, "die Impfung fast doppelt so viele Fälle von Krebsvorstufen verhindern wie möglicherweise überhaupt vorkommen".
Die Patientenvertreterin im G-BA äußert darüberhinaus Zweifel an der Unabhängigkeit der Stiko-Mitglieder, die erst nach großem öffentlichen Druck mehrheitlich finanzielle Interessenkonflikte offengelegt hatten.

Auch an der Vollständigkeit der Stiko-Selbstauskünfte zu potentiellen Interessenkonflikten sind möglicherweise Zweifel angebracht.
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2009-06-19   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Deutsches Grünes Kreuz - grünes Feigenblatt für Pharmamarketing

Das Arzneitelegramm seziert in seiner aktuellen Ausgabe die Pharma-PR-Maschinerie "Deutsches Grünes Kreuz" (DGK) und zieht folgendes Fazit:
- Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) ist ein Verein, der als gemeinnützig firmiert und sich wesentlich durch kommerzielle GmbHs finanziert.
- Unter dem Deckmantel der "Prävention" propagiert der DGK-Verbund Nahrungsergänzungsmittel wie Mikronährstoffe, Anti-Aging-Mittel und andere Produkte, deren Nutzen nicht durch aussagekräftige Studien belegt ist.
- Sponsoren werden nicht deklariert, beispielsweise bei Aktionen, die den Gebrauch des HPV-Impfstoffes GARDASIL und des Pilzmittels Itraconazol (SEMPERA 7) ankurbeln sollten. Dadurch wird das DGK zum verlängerten Arm des Pharmamarketings.
- Wir vermissen eine eindeutige Trennung von Mitteilungen des Vereins und Angeboten der angeschlossenen (nicht gemeinnützigen) GmbHs, die durch das Markensymbol des Deutschen Grünen Kreuzes e.V. eine Art vermeintliches Qualitätssiegel erhalten.
- Die wirtschaftlichen Ziele des DGK Firmenverbandes sind derart dominant, dass die Gemeinnützigkeit des Deutschen Grünen Kreuz fraglich erscheint und der Überprüfung bedarf.
Der vollständige Artikel [Update 21.7.] ist war auch für Nichtabonnenten frei zugänglich.
 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2009-06-15   Link   (8 KommentareIhr Kommentar  



 

Klosterfrau-Überzeugungstäter Bankhofer

Der ehemalige TV-Gesundheitsguru Hademar Bankhofer hat über Jahre verdeckt die Produkte der Klosterfrau-Gruppe angepriesen. Zu diesem Ergebnis kommt der Journalist Marcus Anhäuser hat in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Dafür hat Anhäuser sich insbesondere in der Fernsehzeitschrift rtv von Anfang 2007 bis Sommer 2008 angesehen. Da wimmelt es von eingetragenen Markenzeichen der Kosterfrau Healthcare Group.

Bei Bankhofers Rauswurf beim WDR im Sommer 2008 beteuerte der Naturheilkunde-Papst noch, dass er lediglich einen Beratervertrag habe, in dem stehe, dass er "keine Werbung und PR mache". Mit diesen neuen Fakten konfrontiert verwies er nun darauf, das er Überzeugungstäter sei:
."Dann ist es doch verständlich, dass ich mich auch im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit beim Schreiben von Zeitungs-Kolumnen aus Überzeugung - ohne Geld dafür zu bekommen - dafür einsetze."

In einem weiteren Artikel wird die wissenschaftliche Qualität seiner Tipps noch einmal hinterfragt. Es verstärkt sich der Eindruck, dass der Medizinjournalist auf das Überprüfen von Quellen verzichtet, wenn die Message sich schön verkaufen lässt. Zwei Journalistik-Professoren halten dies für hochgradig unseriös. Hier könnte man Bankhofer sogar zur Seite springen, denn seine Arbeitsweise unterscheidet sich nicht besonders von der vieler anderer Kollegen. Medizinjournalismus in Deutschland verlässt sich zu oft auf die Ausagen der Pharmaunternehmen und der von ihnen bezahlten Forscher.

Wobei der Begriff "Journalist" eigenlich nicht auf Bankhofer passt. Wie Marcus Anhäuser in seinem Blog zu Recht bemerkt: "Sein Format ist ist die Kolumne". Kolumne bezeichnet in der Presse sowie im Online-Journalismus einen kurzen Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform. Meinung, nicht Evidenz und Objektivität ist das Geschäft von Bankhofer.
 
[Journalismus]
Autor: strappato   2009-06-13   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Links am Samstag

Former Parliament President among the least transparent lobbyists - der ehemalige Präsident des Europaparlaments, Pat Cox, hat die Seiten gewechselt und macht intransparente Lobbyarbeit u.a. für Pfizer.

Betrug in der Wissenschaft. Durchsichtige Medizin.

Kritik an geplantem Antikorruptionsgesetz - in Österreich dürfen Pharmaunternehmen bald wieder Professoren anfüttern.

pdf-DateiGemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) anlässlich der Ultimate Fighting-Veranstaltung am 13.06.09 in Köln

FTC: 12-14 yr too long to shield biotech drugs - US Handelskommission lehnt die Forderung der Pharmaindustrie auf 12-14 Jahre Patentlaufzeit für gentisch hergestellte Medikamente ("Biologicals") ab.

Elsevier erstellt neue Richtlinien für den Nachdruck und die Zusammenstellung von pharmazeutischen Artikeln sowie für Kundenpublikationen - das Unternehmen aktualisiert ausserdem die Untersuchungsergebnisse über die Praktiken australischer fremdfinanzierter Publikationen der Jahre 2000-2005.

AOK will Arzt-Bewertungsportal noch in diesem Jahr online stellen.

Medtronic Paid Surgeon While He Was in the Army - Medtronic has acknowledged that it paid a former Army surgeon, who is now accused of falsifying research about one of its products, to give speeches and train other doctors on the company’s behalf while he was in the military.

Disease Prevention in Germany Is Mostly Good for Doctors - das WSJ Health Blog berichtet über den Spiegel-Artikel von Markus Grill.

Mal wieder was aus der Medizinhistorie: Video des BMJ über Joseph Lister, dem Begründer der antiseptischen Chirurgie.

 
[Links]
Autor: strappato   2009-06-13   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 



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