Wenn das Virus tanzt

Ballsaison in Wien. Golfball, Juristenball, Ball der Wiener Kaffeesieder, Ball der Innung der Bäcker bis hin zum Regenbogenball, dem "schwul-lesbischen Höhepunkt der Ballsaison". Nur blöd, dass die Ballsaison mit der Grippesaison zusammenfällt. Davon, dass dies ein ernsthaftes Problem für die Gesundheit der Wiener Bevölkerung darstellt, ist der österreichische Infektions-Kachelmann, Prof. Kunze, überzeugt. Im ORF zeigt er sich nicht gerade als begeisterter Ballfreund.
Für Epidemiologen sei beim Ball die grosse Ansammlung von Menschen das größte Problem.

Fehlt nur noch der Hinweis auf die Grippeimpfung, für die Kunze nicht uneigennützig regelmässig die Trommel rührt.

Vielleicht wäre es eine bessere Strategie für die Impfstoffhersteller, wenn wenigstens beim Ball der Pharmacie oder beim Ärzteball am Einlass nicht nur auf langes Abendkleid, Frack, Smoking, Uniform, Schwarzer Anzug mit Smokingschleife, sondern auch auf den Nachweis der Grippeschutzimpfung geachtet werden würde.

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Möglicherweise fände sich noch ein Platz für eine Schnellimpfung im Foyer des Ballsaals. In Österreich wird das Thema Impfen sonst auch pragmatisch angegangen.
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2008-01-19   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

US-Medien relativieren den Nutzen von Statinen

Nach dem Scheitern der ENHANCE-Studie wagen es BusinessWeek und CBS News, am Grundkonsens der amerikanischen Gesellschaft zu kratzen:

Business Week: Do Cholesterol Drugs Do Any Good?
"What if you put 250 people in a room and told them they would each pay $1,000 a year for a drug they would have to take every day, that many would get diarrhea and muscle pain, and that 249 would have no benefit? And that they could do just as well by exercising? How many would take that?" asks drug industry critic Dr. Jerome R. Hoffman, professor of clinical medicine at the University of California at Los Angeles.

CBS News: The Truth About Statins
But what about the millions of people with elevated cholesterol who are taking statins but have no heart disease or other risk factors? Here's where the controversy heats up.

"We have no evidence that taking a cholesterol-lowering medication like a statin will prevent them from getting heart disease," said Elizabeth Nabel, director of the National Heart, Lung, and Blood Institute.

 
[Medien]
Autor: hockeystick   2008-01-19   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

PEI informiert über Details

In Zusammenhang mit dem Todesfall nach einer HPV-Impfung in Österreich wird in den dortigen Medien von drei Todesfällen in Deutschland gesprochen. Das zuständige Paul-Ehrlich Institut (PEI), deutsche Zulassungsbehörde für Vakzine, weist darauf hin, dass es in Deutschland nur einen unklaren Todesfall in zeitlichem Zusammenhang zu einer Gardasil-Impfung gegeben hat, der dem PEI gemeldet worden ist.

Das PEI hat aufgrund der zahlreichen Anfragen aus der Ärzteschaft heute eine Stellungnahme zum unklaren Todesfall aus Deutschland in zeitlichem Zusammenhang zu einer Gardasil-Impfung veröffentlicht. Danach ergaben sich aus den Ergebnissen der Obduktion keine Hinweise auf eine mögliche Ursache für den Tod der jungen Frau, so dass dieser Fall als so genannter 'Plötzlicher ungeklärter Tod' bewertet wird.

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden seit Markteinführung insgesamt 189 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen gemeldet (Stand: Januar 2008).
 
[HPV]
Autor: strappato   2008-01-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pfizer aktualisiert Champix®-Warnung in den USA

Pfizer hat in den USA die Warnhinweise für die Raucherentwöhungspille Chantix® (in Europa Champix®) ergänzt.
All patients being treated with CHANTIX should be observed for neuropsychiatric symptoms including changes in behavior, agitation, depressed mood, suicidal ideation and suicidal behavior. These symptoms, as well as worsening of pre-existing psychiatric illness, have been reported in patients attempting to quit smoking while taking CHANTIX in the post-marketing experience. Patients with serious psychiatric illness such as schizophrenia, bipolar disorder, and major depressive disorder did not participate in the pre-marketing studies of CHANTIX and the safety and efficacy of CHANTIX in such patients has not been established. Patients attempting to quit smoking with CHANTIX and their families and caregivers should be alerted about the need to monitor for these symptoms and to report such symptoms immediately to the patient’s healthcare provider.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass dies auf Druck der Öffentlichkeit und der Zulassungsbehörde FDA geschah.
 
[Champix]
Autor: strappato   2008-01-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

So schlau als wie zuvor

Das mit Spannung erwartete gerichtsmedizinische Gutachten zum Tod von Jasmin S. liegt nun vor. Es bringt keine neuen Erkenntnisse:
In der Expertise wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs als "mögliche" Ursache für den Tod der gebürtigen Oberösterreich bezeichnet, eindeutig nachweisen ließ sich ein Konnex allerdings nicht.
Spannend ist nun, wie die Politiker und Organisationen darauf reagieren, die ihre Einschätzung der HPV-Impfung vom Ergebnis des Gutachtens abhängig machen wollten. Als einzige in der Öffentlichkeit gehandelte alternative Todesursache bleibt momentan nur der rare plötzliche Teenagertod ohne erklärbare Ursache.
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Ogilvy & ECCA - Pharmalobby entdeckt blogs

Hinweis auf ein Beispiel für HPV-Lobbying an der Blogbar.
 
[HPV]
Autor: strappato   2008-01-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Vertrackte Impfangelegenheit

Im ORF-Fernsehen riet gestern abend auch die österreichische Gesundheitsministerin Kdolsky dazu, vor einer HPV-Impfung das Gutachten der Gerichtsmedizin zum Todesfall Jasmin S. abzuwarten. Dieses liegt Medienberichten zufolge mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Wien vor. Die Strategie könnte sich dann als problematisch erweisen, wenn die Frage der Todesursache in dem Gutachten offen bleiben sollte.

Die Zeitung "Der Standard" bringt das Dilemma in einem Kommentar auf den Punkt:
All das geschah unter dem Motto "neues Wundermittel gegen Krebs" - was nicht nur in der Medienwelt ein sicherer Quotenbringer ist. Pharmaindustrie und Promi-Ärzte wischten Bedenken vom Tisch, dass das HPV-Serum in einem beschleunigten Verfahren zugelassen wurde - was per se schon eher unüblich ist. Dazu kommt noch, dass die Nebenwirkungen, speziell auf Kinder, viel zu wenig erforscht wurden.

Der Schaden ist nun groß und die Verantwortlichen beginnen bereits, sich abzuputzen - auf dem Rücken der Eltern, die für ihre Kinder nur das Beste wollten.

 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-18   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

"Infokampagne" vorübergehend ausgesetzt

Die Diskussion um die HPV-Impfung ist seit heute auch in den Radiosendern des ORF ein Thema. Der private Fernsehsender Salzburg TV hatte in einem Beitrag Zweifel daran angemeldet, dass der öffentlich-rechtliche Sender das Thema aufgreifen würde, weil der ORF selbst stark in die HPV-Impfkampagne involviert sei.

Der Vorsitzende der Österreichischen Krebshilfe bestreitet in einem der Beiträge, die Krebshilfe habe Werbung für die Impfung gemacht. Es habe sich nur im eine Infokampagne gehandelt. Er kündigt an, diese "zumindest in den Beratungsstellen" auszusetzen.

In dem anderen Beitrag werden auch die bestehenden Zweifel am Nutzen der Impfung angesprochen.
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-17   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Ein Drittel der Antidepressiva-Studien unveröffentlicht

Die Hersteller von Antidepressiva, darunter SSRI-Blockbuster wie wie Prozac® (Fluctin®) oder Paxil® (Seroxat®), haben rund ein Drittel der klinischen Studien, die zur Zulassung eingereicht worden sind, nie veröffentlicht. Diesen Publication-Bias berichteten Wissenshaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "New England Journal of Medicine" (NEJM).

Die Autoren untersuchten die Zulassungsstudien von 12 Wirkstoffen an denen insgesamt 12.564 Patienten teilnehmen und verglichen die Ergebnisse mit den Veröffentlichungen in Fachzeitschriften. Von den Studien mit positiven Ergebnissen wurden 37 veröffentlicht, eine Studie war nicht in der Literatur zu finden. Mit Ausnahme von drei Fällen wurden 22 Studien, die von der FDA als negativ oder fragwürdig bewertet worden waren, nicht der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bzw. in 11 Fällen war bei der Veröffentlichung nach Meinung der Autoren trotzdem ein positives Ergebnis herausgekitzelt worden.

Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Wahrnehmung. Wenn man die veröffentlichten Ergebnisse betrachtet, scheint es, dass in 94% der Studien positive Wirkungen der Antidepressiva auf die Studienteilnehmer gefunden worden waren. Wenn alle Zulassungsstudien betrachtet werden, brachten nur 51% der Studien ein Vorteil für die Patienten. Eigentlich nicht verwunderlich, da in klinischen Untersuchungen 60% der Patienten eine Besserung ihrer depressiven Symptome nach der medikamentösen Behandlung berichteten, jedoch auch 40% der Patienten, die ein Plazebo erhalten hatten.

Einige Reaktionen auf die Ergebnisse sind in dem Artikel der NY Times zusammengefasst.

Es wird argumentiert, dass die Daten aus der Zeit vor der Verpflichtung zur Einrichtung von Studienregistern stammten. Diese sind jedoch bei der Vielzahl der klinischen Studien, die weltweit durchgeführt werden nicht sehr transparent. Die Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift oder die Präsentation auf einer wissenschaftlichen Tagung lenkt Aufmerksamkeit auf das Produkt und wird strategisch zum Marketing eingesetzt. Eine "Publication Strategy" ist Teil der Entwicklung und der Vermarktung des Wirkstoffes. Die Herausgeber der Fachzeitschriften haben ihren Anteil dran, dass Pharmakonzerne unerwünschte Studienresultate verdrängen können.

Turner EH, Matthews AM, Linardatos E, Tell RA, Rosenthal R. Selective Publication of Antidepressant Trials and Its Influence on Apparent Efficacy. NEJM 2008;358:252-260.
 
[Klinische Studien]
Autor: strappato   2008-01-17   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 



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