Autoren von EU-Empfehlung zu HPV-Impfung verschweigen Interessenkonflikte (I)

Aus einem heute veröffentlichten pdf-DateiBericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), in dem die HPV-Impfung als Vorsorgemaßnahme gegen das Zervixkarzinom empfohlen wird:
This guidance has been developed by a Scientific Panel of experts set up and coordinated by the Scientific Advice Unit of the European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). One of the main tasks of this unit is to provide independent scientific opinions, expert advice, data, and information. No conflicts of interest were declared by any of the Panel members.

Die Vorsitzende der Expertenkommission heißt Patricia Claeys.

Zum Vergleich ein Zitat aus einem belgischen pdf-DateiBericht zur gleichen Fragestellung vom Oktober 2007:
Conflicts of interest: The following external experts and validators declared that they either received research funds from, or conducted consultancy services for, or received grants and/or travel assistance for attending conferences from companies that might gain or lose financially from the results of this HTA: Lieven Annemans, Patricia Claeys, Patrick Goubau, Pierre Van Damme, Maarten Postma.

(alle Hervorhebungen durch uns)

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Fortsetzung...
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-22   Link   (6 KommentareIhr Kommentar  



 

Methoden der Pharmaberater

Zur Dokumentation, zufällig gefunden. Ein Frontal21-Beitrag aus dem Jahr 2006.

Direktlink - MyVideo
 
[TV-Magazine]
Autor: strappato   2008-01-22   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

HPV-Impfung: Debatte im Ärzteblatt

Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlicht nun den wissenschaftlichen Teil auch auf Englisch. Deutsches Ärzteblatt International heisst die wöchentliche open-access online-Zeitschrift.

In der ersten Ausgabe fallen vier Stellungnahmen zu einem Ärzteblatt-Artikel vom Dezember 2007 auf, in dem der Nutzen der HPV-Impfung regelrecht gefeiert worden ist. Nicht interessenslos: Ein Autor gab an, Vergütungen aus den Verkäufen der Impfstoffe von MSD/SP und GSK zu erhalten, die anderen hatten in den letzten 5 Jahren Vortrags- und Beratungshonorare sowie Reisekostenunterstützung von mehreren Impfstofffirmen Firmen erhalten.

Erwartungsgemäss blieb der Beitrag nicht ohne Widerspruch. In den Reaktionen, die auch auf deutsch im Ärzteblatt veröffentlicht sind, wird kritisch zu den Kosten, zur immer wieder als Argument genannten Seroprävalenz von 70%, zur Wirksamkeit und zu den Endpunkten der Studien Stellung genommen.
Angesichts der Tatsache, dass in den Studien weder unter Placebo noch unter der HPV-Vakzine ein Zervixkarzinom aufgetreten ist, bitte ich um Erläuterung, auf welchen Daten die behauptete Reduzierung der Zervixkarzinome beruht.
Stefanie Schenk, Redaktion arzneitelegramm.

Die Antwort fällt knapp aus und geht kaum auf die veröffentlichten kontroversen Ansichten ein. Ein "Schlusswort", so wie es die beiden Autoren im Titel schreiben und wohl gerne hätten, wird bei der Debatte um die HPV-Impfung noch lange nicht zu erwarten sein.
 
[HPV]
Autor: strappato   2008-01-22   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Vytorin® verstärkt Diskussion um DTC-Werbung

Die Werbung für Vytorin® beschämt die gesamte Werbewirtschaft, titelt das Fachportal AdvertisingAge. Zur Verdeutlichung wird dieses youtube-Video zitiert.

Der "Health Ranger" parodiert die Werbung für Vytorin® (in Deutschland Inegy®) und bringt auf den Punkt, dass die Aussagen über Wirkung und Nutzen in den Spots und Anzeigen nichts mit der Wirklichkeit gemein haben. Eine Realität, die die Hersteller Merck & Co und Schering-Plough lange verheimlicht hatten.

Brand-Guru Rob Frankel sieht die Pharmaindustrie in grossen Schwierigkeiten, ihre Informationen glaubhaft an den Patienten zu bringen. Zur Vertrauenswürdigkeit:
They're just above Congress and used-car salesmen.

Die Diskussion um die Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente hat die Marketing-Szene erreicht, die von dem geschätzten jährlichen knapp $60 Milliarden grossen Budget der Pharmakonzerne für das Marketing alleine in den USA nicht schlecht lebt. Die grosse Angst: Dass auch die freiverkäuflichen Medikamente in den politischen Diskussionsstrudel geraten und die gesamte Pharmawerbung den Orkus runtergespült wird.

Die Hoffnung, falls es zu Einschränkungen kommt, wenigstens die Ärzte weiter mit Messages beglücken zu können, kann sich als trügerisch erweisen. Sie stehen, nicht anders als ihre Patienten, immer skeptischer den Versprechungen der Pharmaindustrie gegenüber. BusinessWeek stellt Initiativen und Projekte vor, die jungen Ärzten die angemessene Vorsicht vor der heissen Marketing-Luft vermitteln wollen. Darunter Adriane Fugh-Bermans Projekt PharmedOut, das sich zum Ziel gesetzt hat, die unethische und irreführende Werbepraxis der Pharmaindustrie aufzudecken und darüber zu informieren. Übrigens stammen die Finanzmittel aus einem Vergleich von Pfizer mit der US-Regierung, die der Konzern wegen unerlaubtem off-label Marketings zahlen musste.

Beispielsweise werden an der Mount Sinai School of Medicine in New York Studenten in Rollenspielen mit den werbeverseuchten Ansprüchen von Patienten konfrontiert und geschult, ihre Patienten zu überzeugen, ohne das Vertrauen in den Arzt zu beschädigen. So können sie dem "Ask your doctor if xxx is right for you" am Ende jedes Pharmawerbespots eine nicht vom Pharmaaussendienst soufflierte Antwort entgegensetzen.
With such programs now in full swing, it's clear the nation's drug reps will soon find themselves face-to-face with a whole new generation of skeptical doctors.
Hoffentlich.

In Deutschland sind wir noch längst nicht so weit und die Pharmalobby hofft, demnächst die Werbebeschränkungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Europa zu lockern. Auch im Fall Vytorin® zeigen sich MSD und Essex Pharma, die deutschen Tochterfirmen der Hersteller, hierzulande von der weltweiten Aufregung unbeeindruckt und werben weiter massiv im Internet auf den Fachkreisen vorbehaltenen Seiten für den fragwürdigen Nutzen ihrer Pille.

 
[Ezetrol]
Autor: strappato   2008-01-22   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 


 

Airnergy ist wieder da

Das Grauen nimmt kein Ende. Nachdem die Natural Energy Solutions AG als Anbieter des bläulich leuchtenden Atemluftergänzungsgeräts im September 2007 den letzten Atem ausgehaucht hatte, zeigen sich auf der Internetseite wieder erste Lebenszeichen. Der Neustart erfolgt offenbar mit zunächst deutlich gebremster Fahrt im Mantel der "Airnergy AG", die schon ein paar Jahre existiert, öffentlich aber bisher nicht nennenswert in Erscheinung getreten ist. Aufsichtsrat ist laut Impressum wieder Guido Bierther; Vorstand ist Jürgen Dressler, ein Führungskräftecoach aus dem Umfeld des Airnergy-Fans Dr. Elmar Wienecke mit Kontakten zu Dietrich Grönemeyer.
 
[Gesundheitswirtschaft]
Autor: hockeystick   2008-01-22   Link   (7 KommentareIhr Kommentar  



 

PEI passt Stellungnahme an

Das Paul-Ehrlich-Institut hat sich in den Kommentaren wie folgt zur Kritik an seiner Stellungnahme zu dem deutschen Todesfall in zeitlicher Nähe zu einer HPV-Impfung geäußert:
Den in den bisherigen Beiträgen vorgebrachten Argumenten zur Verlässlichkeit der Zahlen von unklaren plötzlichen Todesfällen in der Todesursachenstatistik ist wenig hinzuzufügen. Diese Zahlen eignen sich nicht dazu, verlässliche Häufigkeiten zu berechnen. Der Hinweis auf die Todesursachenstatistik in der Veröffentlichung zum Todesfall nach Gardasil sollte lediglich deutlich machen, dass mit unklaren plötzlichen Todesfällen in jeder Altersgruppe, auch derjenigen der 15- bis 20-Jährigen gerechnet werden muss. Da der Text des Paul-Ehrlich-Instituts an dieser Stelle offensichtlich missverstanden werden kann, wurde er zur Verdeutlichung angepasst. Gardasil: Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts

 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-21   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

AWB-Vergütungen sinken

Die Teilnahme an Anwendungsbeobachtungen galt in den vergangenen Jahren als ein attraktiver Zusatzverdienst für Ärzte. Für das mehr oder weniger fantasievolle Ausfüllen von rund drei Seiten Formular pro "Patient" erhielten Ärzte Presseberichten zufolge zwischen 50 und 700 Euro als Aufwandsentschädigung. Ein Blick auf zwei aktuelle Anwendungsbeobachtungen im hausärztlich-internistischen Umfeld ist da ernüchternd.

Die Ezetrol®- und Inegy®-Anbieter MSD und Essex pharma offerieren für eine im Herbst gestartete Anwendungsbeobachtung, bei der der Grad der Zielerreichung bei der Lipidsenkung in hohem Detailgrad beschrieben werden muss, gerade einmal 15 Euro pro dokumentierter Visite.

Ein Anbieter von Homöopathika und Phytopharmaka bietet da mehr für weniger Aufwand. Sein Mittel hilft praktischerweise sowohl gegen hohen als auch gegen niedrigen Blutdruck und pro dokumentiertem Fall erhält der Arzt immerhin noch 40 Euro Aufwandsentschädigung.

Weiterer Vorteil der naturheilkundlichen Variante: Hier ist auf Wunsch die Erstattung per Scheck möglich.
 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2008-01-21   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Boom in der Rechtsmedizin

Rechtsmedizinische Fakultäten in Deutschland registrieren eine Bewerberflut. Da wirkt der Fernsehkonsum von TV-Serien wie CSI, Crossing Jordan, Post Mortem oder deutsche Krimis, in denen ohne den Rechtsmediziner nicht viel läuft. Ein Artikel in der Ärzte Zeitung geht dem gesteigerten Interesse an dem früher unpopulären Fach nach. Wie oft scheint es mit der Aktualität zu hapern. Die seit einem Jahr laufende RTL-Serie "Post Mortem" wird als "seit kurzem" bezeichnet. Focus war der Boom bei den Rechtsmedizinern vor knapp einem Jahr schon einen Artikel wert.

Ob der "CSI-Effekt" der Rechtsmedizin wirklich hilft? Ethik ist ein zentrales Thema der Rechtsmedizin. Anthony E. Zuiker, Erfinder, Autor und Executive Producer der "CSI"-Fernsehserien ist 2007 mit dem österreichischen Big Brother Award ausgezeichnet worden, weil es mit den "Rechten" in der Fernsehserie nicht weit her ist.
Die C.S.I.-Serien präsentieren Rasterfahndung, DNA-Analysen und die Aushebelung von Bürgerrechten unkritisch, verharmlosend und gefährlich einseitig. CSI diente in den letzten Jahren als Prototyp einer ganzen Reihe weiterer ähnlich gelagerter Fernsehserien, in denen die Rechte der Bürger im Allgemeinen und der Verdächtigen im Speziellen in erster Linie als ermittlungsbehindernd dargestellt werden. Die C.S.I-Beamtern zeigen vielmehr, wie smart sie ihre Arbeit erledigen, in dem sie all diese Rechte links liegen lassen bzw. systematisch umgehen.

 
[Aerzte]
Autor: strappato   2008-01-21   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Leberschäden durch Herbalife®-Produkte?

Der Focus berichtet in seiner morgigen Ausgabe über Vorwürfe von Wissenschaftlern aus der Schweiz und Israel gegen Produkte des Unternehmens Herbalife®. In einem Artikel im Journal of Hepatology berichten die Autoren von mindestens 22 Menschen, die teilweise lebensbedrohliche Leberschäden davongetragen haben, nachdem sie zwischen 1998 und 2004 Nahrungsergänzungsmittel des Pharmaunternehmens eingenommen hatten.

Herbalife® wird im Strukturvertrieb verkauft. Anscheinend gut: Den Forschern gelang es nicht einmal, ein bestimmtes Produkt auszumachen, da die Betroffenen bis zu 17 verschiedene Mixturen geschluckt hatten.
 
[Pharmaindustrie]
Autor: strappato   2008-01-20   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Paul-Ehrlich-Institut unehrlich? (Update)

Das Paul-Ehrlich-Institut hat am Freitag eine Stellungnahme zu einem mit dem Todesfall Jasmin S. vergleichbaren Todesfall in Deutschland herausgegeben. Darin wird die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des "Plötzlichen Teenagertodes" ohne erklärbare Ursache deutlich höher eingeschätzt, als in der jüngst hier im Blog vorgestellten Schätzung. Das PEI begründet damit seine Einschätzung, dass es sich bei den Todesfällen um zufällige Ereignisse handelt, die nicht im Zusammenhang mit den vorangegangenen HPV-Impfungen stehen.

Da das Phänomen in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht näher beschrieben wurde und deshalb keine Terminologie zu bestehen scheint, bietet es sich an, es im Folgenden kurz SUTD (Sudden Unexplained Teenager Death) zu nennen, in Anlehnung an die Bezeichnung SUID (Sudden Unexplained Infant Death, vgl. die Nomenklaturdiskussion in pdf-Dateidieser Arbeit, S. 143).

Das PEI versucht sich ebenfalls an einer Abschätzung des SUTD-Risikos und bedient sich dabei der gleichen Datengrundlage:
Unklare plötzliche Todesfälle sind sehr seltene Ereignisse, die mit unterschiedlicher Häufigkeit in jedem Lebensalter auftreten. Laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes gab es z.B. im Jahr 2006 in Deutschland in der Altersgruppe der 15- bis unter 20-Jährigen 58 Todesfälle mit unklarer Ursache (beide Geschlechter). Bezogen auf die Bevölkerungszahl von 4,8 Millionen in dieser Altersgruppe im gleichen Jahr errechnet sich eine Häufigkeit von 1,2 Fällen pro 100.000 Personen dieser Altersgruppe (die entsprechenden Berechnungen für die Jahre 1998 / 1999 / 2000 / 2005 ergeben Inzidenzen von 3,4 / 2,3 / 1,6 /1,5 pro 100.000). Das heißt, dass bei Impfung eines großen Teils dieser Bevölkerungsgruppe rein statistisch mit plötzlichen und unerwarteten Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang, nicht jedoch in ursächlichem Zusammenhang, gerechnet werden muss.
Diese Rechnung erscheint mir nicht serös und verdient eine nähere Betrachtung.

Zunächst: Wie kommt das Paul-Ehrlich-Institut auf 58 ungeklärte Todesfälle in der Altersgruppe? Das gesamte Kapitel ICD-10 R00 - R99 (Symptome und abnorme klinische oder Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind) weist in der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes für die Altersgruppe 15-20 Jahre 60 Fälle aus (38 männlich, 22 weiblich). Wenn das Paul-Ehrlich-Institut von 58 Fällen spricht, wurden vermutlich alle Fälle dieses Kapitels herangezogen. Die kleine Diskrepanz könnte auf Schlamperei beruhen oder darauf, dass das PEI eine andere Version der Statistik verwendet hat, als die, die das Statistische Bundesamt zur Zeit online veröffentlicht. [Edit: Zwei der als Summe angegebenen 60 Todesfälle (beide männlich) sind in keiner der vom Statistischen Bundesamt aufgeschlüsselten Gruppen enthalten. Es wurden vom PEI nur die 58 Fälle berücksichtigt, die in den Untergruppen enthalten sind, die im folgenden diskutiert werden.]

Anders als es die Stellungnahme des PEI vermuten lässt, differenziert das Statistische Bundesamt die Todesfälle dieses Kapitels aber weitaus genauer, und hier wird es interessant.

Es gibt die Gruppen R95, R96, R98 und R99. Hierzu werfe man zunächst einen Blick auf das entsprechende Kapitel des ICD-10. Ganz offensichtlich sind SUTD-Fälle wie der von Jasmin S. korrekt als R96 "Sonstiger plötzlicher Tod unbekannter Ursache" zu klassifizieren.

Könnten nun SUTD-Fälle auch in den Kategorien R98 und R99 landen, schließlich ist die Beschreibung des ICD-10 - zumindest bei der Gruppe R98 - möglicherweise ebenfalls mit den Befunden der bekannten SUTD-Fälle in Einklang zu bringen?

Nein, denn hier greifen weiterführende Bestimmungen, nach denen die Klassifikation von Todesfällen international weitgehend einheitlich durchgeführt werden soll. Auch in Deutschland erfolgt diese Einordnung nicht erratisch, sondern durch geschulte Experten der Statistischen Landesämter. In der amerikanischen Version der pdf-DateiHandlungsanweisung liest sich die entsprechende Passage so:
When more than one term classifiable to two or more of these categories is reported, code only one in this priority: R960 [d.h. R96.0], R961 [d.h. R96.1], R98, R99.
Eine Kodierung in Gruppe 98 erfolgt also offenbar nur dann, wenn eine Kodierung in Gruppe 96 nicht möglich ist. Eine Kodierung in Gruppe R99 erfolgt nur dann, wenn ein Todesfall weder in die Gruppe R96 noch in die Gruppe R98 eingeordnet kann.

Kommen wir nun also zur Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2006. Wir betrachten das Kapitel ICD-10 R00 - R99 (Symptome und abnorme klinische oder Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind) mit insgesamt 60 Todesfällen in der genannten Altersgruppe.

Davon befindet sich kein einziger in der ureigenen SUTD-Gruppe R96 "Sonstiger plötzlicher Tod unbekannter Ursache".

Insgesamt 6 Fälle (3m, 3w) sind der Kategorie R98 "Tod ohne Anwesenheit anderer Personen", weitere 52 Fälle (33m, 19w) der Gruppe R99 "Sonstige ungenau oder nicht näher bezeichnete Todesursachen" zugeordnet.

Die Fälle aus der Gruppe R98 hatte ich in meiner Schätzung noch als potentielle SUTD-Fälle gelten lassen, obwohl sie das bei korrekter Auslegung des ICD-10 in aller Regel nicht sind. Die Fälle der Gruppe R99 dagegen nicht: Schon die Benennung der Gruppe "Sonstige ungenau oder nicht näher bezeichnete Todesursachen" erscheint kaum geeignet, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten des Phänomens SUTD hochzurechnen. Das bestätigt sich, wenn man genauer recherchiert, welche Todesfälle in der Praxis dieser Gruppe zugerechnet werden. Sie umfasst nämlich ein weites Spektrum von Fällen, die mit dem Phänomen SUTD nichts zu tun haben. Hierzu gehören beispielsweise solche Todesfälle, in denen der Totenschein unleserlich ausgefüllt wurde, ein Problem, auf das das Statistische Bundesamt in diesem Zusammenhang explizit hinweist. Weiterhin gehören in die Gruppe R99 Todesfälle, in denen aufgrund des Verwesungszustandes von aufgefundenen Leichen keine Todesursache mehr festgestellt werden konnte, das Spektrum reicht dabei von Wasserleichen und mumifizierten Leichen bis hin zu Knochenfunden.

Fazit

Das PEI manipuliert die Leser seiner Stellungnahme nach meinem Eindruck in dreierlei Weise:

1. Es übertreibt dramatisch die aus den Daten des Statistischen Bundesamtes ableitbare Wahrscheinlichkeit für SUTD.

2. Es manipuliert die Leser zusätzlich dadurch, dass es die kombinierten Zahlen für Todesfälle männlicher und weiblicher Personen verwendet, obwohl die für die aktuelle Diskussion relevanten Zahlen für weibliche Personen differenziert vorliegen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass diese Nachlässigkeit damit zu tun hat, dass in der Gruppe G99 fast doppelt soviele Todesfälle von männlichen wie von weiblichen Personen zu finden sind.

3. Zuletzt verzichtet das PEI auf einen expliziten Hinweis, dass sich die Zahlen auf den Zeitraum von einem Jahr beziehen, dass Verdachtsfälle von Impfkomplikationen jedoch fast ausschließlich einen Zeitraum von drei bis maximal vier Wochen nach einer Impfung umfassen.

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Update, 21.1.: Das PEI äußert sich in den Kommentaren und hat seine Stellungnahme angepasst.
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-20   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Nebenwirkungen von Verhütungspflaster

Es gibt eine weitere Studie, die ein erhöhtes Risiko von Thrombosen beim Östrogen-Pflaster Ortho Evra® gegenüber den üblichen oralen Kontrazeptiva gefunden hat. Das hat die US-Zulassungsbehörde veranlasst, einen erweiterten Hinweis auf dieses Risiko zu veröffentlichen, zum zweiten Mal nach 2006. Damals hatte eine Studie ein zweifach erhöhtes Risiko auf eine tiefe Venenthrombose (VTE) ermittelt.

In Deutschland beinhalten die Fachinformationen (Stand Dezember 2006) weiterhin nur allgemeine Angaben zum Risiko von Thromboembolien bei Anwenderinnen kombinierter
Kontrazeptiva.
Die Anwendung jedes kombinierten hormonellen Kontrazeptivums, einschließlich EVRA, trägt ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) im Vergleich zur Nicht-Anwendung mit sich. Auf der Basis
der derzeit verfügbaren Daten ist es nicht möglich, ein höheres VTE-Risiko unter EVRA im Vergleich mit anderen kombinierten hormonellen Kontrazeptiva auszuschließen.

Die deutsche Tochterfirma des Herstellers, Janssen-Cilag, steht auf dem Standpunkt, dass es sich bei dem in Europa angebotenen Produkt "Evra®" um ein ganz anderes Medikament als das amerikanische "Ortho Evra®" handele. Die enthaltenen Östrogenmengen der US-Variante und der des in Europa verkauften Pflasters unterscheiden sich geringfügig. Doch die tägliche Hormonabgabe ist laut Herstellerangaben für beide Evras genau gleich. Bei beiden sollen 20 Mikrogramm Östrogen täglich direkt ins Blut gehen.

Auf der US-Internetseite weist Ortho-McNeil, Tochterunternehmen des Pharmakonzerns Johnson & Johnson, auf das erhöhte Risiko hin:
Hormones from patches applied to the skin get into the blood stream and are removed from the body differently than hormones from birth control pills taken by mouth. You will be exposed to about 60% more estrogen if you use ORTHO EVRA than if you use a typical birth control pill containing 35 micrograms (mcg) of estrogen. In general, increased estrogen exposure may increase the risk of side effects. The risk of venous thromboembolic disease (blood clots in the legs and/or the lungs) may be increased with ORTHO EVRA compared with that of a birth control pill containing norgestimate and 35 mcg of estrogen. One study found a doubling of this risk and another study found no increased risk.
Was nun um eine weitere Studie mit ebenfalls verdoppelten Risiko für venöse Thromboembolien ergänzt werden muss.
 
[Evra]
Autor: strappato   2008-01-20   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Schlucken & Sparen

Wie definieren Pharmaunternehmen ethisches Verhalten, wenn sie die Werbebeschränkungen beklagen und gerne direkt die Patienten auch über verschreibungspflichtige Medikamente informieren wollen? Ein krasses Beispiel kann man in den USA sehen.

Ein Beitrag von CBS über Rabattcoupons für Medikamente.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2008-01-20   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Gerichtsmediziner nimmt kein Blatt vor den Mund

Meine Aufgabe ist es nicht, ein öffentliches Urteil darüber abzugeben. Aber meiner Tochter habe ich schon geraten, dass sie es besser bleiben lassen soll.
Der Wiener Gerichtsmediziner Johann Missliwetz, der das Gutachten zum Todesfall Jasmin S. erstellt hat, auf die Frage, ob er seiner 20-jährigen Tochter derzeit zur HPV-Impfung raten würde.
 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-01-20   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












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