ORF schweigt und startet Cholesterin-Kampagne

Nach der öffentlichen Ankündigung von Becel-Schleichwerbung, die in der ORF-Sendung "Winterzeit" ausgestrahlt werden sollte, gab es bereits vor zwei Wochen ein wenig Bewegung. Die Zeitung "Der Standard" fragte beim ORF sowie bei den zuständigen Agenturen WWP (Werbung) und alphaaffairs (PR) nach. Es handele sich alles nur um ein Missverständnis, jedenfalls sei die Reihenfolge anders herum gewesen:
Dienstag rief der Kreativdirektor von WWP zurück: "medianet" habe "falsch interpretiert". "Winterzeit" habe das Thema beschlossen, Eberharter und Diätologin eingeladen, dann hätte die ORF-Werbung die Patronanz gekeilt.

[...]

Peter Sitte von alphaaffairs, "alphaaffairs-Leistungen für die 'Initiative Herzgesundheit' betreffen ausschließlich redaktionelle PR für Print und Online Fach- und Tagesmedien sowie spezielle Aktionen in ausgewählten Fitness-Studios, kein TV-Themenplacement von Stefan Eberharter oder der Diätologin der Firma Unilever/Becel". Sitte weiter: "alphaaffairs kennt die Gesetzeslage und wir achten die Mediengesetze."

Das ORF und die Sendung "Winterzeit" antworteten nicht auf die Anfrage von "der Standard". Statt dessen startet das ORF ab heute einen neuen Themenschwerpunkt "Bewusst gesund - unser Herz". Kern der Kampagne ist offenbar die Falschinformation
Der wichtigste Risikofaktor bei diesen Erkrankungen ist das Cholesterin.

 
[Journalismus]
Autor: hockeystick   2008-02-28   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Risiko für Leberschäden bei Tysabri®

Die FDA warnt für möglichen Leberschäden bei der Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Tysabri®. Grund sind Berichte über erhöhte Leberenzymwerte und Gesamt-Bilirubin frühestens sechs Tage nach Therapiebeginn. Erhöhte Aminotransferase zusammen mit erhöhtem Bilirubin wird als wichtiger Prädikator für schwere Leberschädigungen angesehen, so die FDA in der Begründung. Bei Patienten mit Gelbsucht oder anderen Lebererkrankungen sollte Tysabri® abgesetzt werden. Der Hersteller Biogen Idec hat in den USA die Fachinformationen entsprechend angepasst.

Erneute Unsicherheit bei Patienten und Ärzten nach den Fällen vor zwei Wochen, die auf ein erhöhtes Risiko für die Enstehung maligner Melanome hindeuten.
 
[Tysabri]
Autor: strappato   2008-02-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Zitationshäufigkeit als Umsatzindikator

Die Universität Mainz freut sich heute darüber, dass ein 2001 erschienener Artikel des Instituts für Biochemie über Cholesterin und Alzheimer der meistzitierte Artikel der Klinischen Chemie sei. Das habe ein Zitationsvergleich der Fachzeitschrift Laborjournal ergeben. In dem Beitrag wurde ein biochemischer Prozess beschrieben, der dazu beitragen könnte, dass ein niedriger Cholesterinspiegel die Alzheimer-typischen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn reduzieren könnte.

Die Forscher sehen darin einer Bestätigung für das "hohe Niveau der Alzheimer-Forschung an der Uni Mainz".

Möglich ist auch, dass das Paper vor allem deshalb so häufig zitiert wurde, weil die These "wenig Cholesterin, wenig Alzheimer" ausgezeichnet in die Vermarktungsstrategie der weltweit umsatzstärksten Medikamentenklasse, der cholesterinsenkenden Statine, gepasst hat.

Die Hypothese, durch Cholesterinsenker ließe sich das Alzheimerrisiko reduzieren, wurde außerhalb der wissenschaftlichen Literatur auch vielfach in den Medien als Tatsache verbreitet. Der Heidelberger Forscher Tobias Hartmann, der ähnliche Fragen untersucht und auch öfter in der Tagespresse zu Wort kommt, erhielt für sein Wirken gar eine von Pfizer finanzierte Stiftungsprofessur. Pfizer ist der Hersteller des mit deutlich über 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz weltweit einträglichsten Medikaments, des Cholesterinsenkers Sortis® (in den USA: Lipitor®).

Außerhalb des Labors hat sich die werbewirksame Hypothese allerdings nicht bestätigt.
 
[Wissenschaft]
Autor: hockeystick   2008-02-27   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

4,3 Billionen Dollar für die Medizin

Die Zahl des Tages: 4,3 Billionen Dollar, oder wie die Amerikaner sagen "4.3 Trillion", was sich nach Dagobert Duck anhört. Das könnten 2017 die Ausgaben für das US-amerikanische Gesundheitswesen sein, prognostiziert ein heute veröffentlichter Bericht. Eine Verdoppelung innerhalb von nicht einmal einer Dekade. Damit würden in den USA fast 20% des Bruttoinlandprodukts (BIP) in die medizinische Behandlung fliessen. Ein echter Boomsektor mit traumhaften Zuwachsraten von 6,7% pro Jahr.

Diese Zahlen werden Dynamit im US-Wahlkampf sein, in dem die Zukunft des Gesundheitswesens neben dem Irak-Krieg das bedeutendste Thema ist. Übrigens hat Ralph Nader seine erneute Kandidatur als unabhängiger Präsidentschaftsbewerber erklärt. Nader spricht sich im Gegensatz zu den demokratischen Bewerbern Clinton und Obama für eine staatliche, aus Steuern finanzierte Krankenversicherung aus. Mit einem solchen Modell schafft es Grossbritannien schon heute statt rund 16% wie USA nur 8% des BIP in die Gesundheit der Bevölkerung zu stecken.
 
[Ausland]
Autor: strappato   2008-02-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Annuale®: Die Pille von morgen



(Hintergrund)
 
[Arzneimittel]
Autor: hockeystick   2008-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Fachgesellschaften uneinig über HPV-Impfung

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) erklärt, dass sie die HPV-Impfung weiterhin empfiehlt. In der Stellungnahme werden die irreführenden Zahlenspiele des Paul-Ehrlich-Instituts übernommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) schreibt dagegen in einem aktuellen pdf-DateiInformationsblatt für Patienten:
Was uns besonders beunruhigt, sind die Berichte aus den letzten Wochen über Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung bei jungen Frauen, die bislang völlig gesund waren. […] Aufgrund der geschilderten Sachlage empfehlen wir die Impfung bis auf weiteres nicht mehr. Wenn es klarere Daten gibt, informieren wir Sie erneut.

 
[HPV]
Autor: hockeystick   2008-02-26   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Britische Presse hinterfragt Wirksamkeit von Antidepressiva

In England ist heute kein guter Tag für die Hersteller von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI).

BBC: Anti-depressants 'of little use'

Telegraph: Anti-depressants 'no better than dummy pills'

Daily Mail: Prozac is no better than a placebo, shows 'fantastically important' study

Guardian: Study doubts effectiveness of antidepressant drugs

Times: Depression drugs don’t work, finds data review

Und "The Independent" füllt mit folgender Schlagzeile seine Titelseite: Antidepressant drugs don't work – official study

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Die Studie, um die es geht, ist im Volltext online. Mehr über die Hintergründe hier.
 
[Arzneimittel]
Autor: hockeystick   2008-02-26   Link   (8 KommentareIhr Kommentar  



 



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