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J&J verliert Rechtsstreit gegen Rotes Kreuz in den USA Ein Gericht hat bei dem vom Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) in den USA angestrengten Rechtstreit für die Rechte des American Red Cross (ARC) am Symbol des Roten Kreuzes auf weissem Grund entschieden. J&J hatte mit dem amerikanischen Roten Kreuz 1895 die Nutzung des Symbols als Warenzeichen für jegliche pharmazeutischen oder medizinischen Produkte vereinbart. Die gemeinnützige Organisation hatte jedoch selber Lizenzen vergeben, die mit den Produkten von J&J konkurrieren. Die Juristen des Unternehmens waren der Ansicht, dass die Hilfsorganisation unzulässigerweise das Recht an andere Firmen, das rote Kreuz als Markenzeichen zu verwenden, vergeben würde, und dagegen In den USA hatte das Vorgehen von J&J einiges Aufsehen erregt und war der Reputation des Unternehmens bei Kunden und Patienten nicht gerade dienlich. Die Entscheidung erlaubt es dem Unternehmen die Klage gegen das ARC wegen der Lizenzvergabe an zwei der vier Unternehmen fortzuführen, ebenso wird die Gegenklage der betroffenen vier Unternehmen weiter ermöglicht. In den US-Medien wird dies als umfangreiche Niederlage von J&J interpretiert. [Ausland]
Eingeschränkter Kampf gegen Keime Journalismus in Deutschland: Kampf gegen Keime titelte gestern die Kölnische Rundschau und kündet von den Taten des NRW-Gesundheitsministers Laumann bei der Prävention von multiresistenten Erregern (MRSA) im Krankenhaus: In einem Erlass hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Kliniken dazu verpflichtet, die strenge Hygiene-Richtlinie des Robert-Koch-Instituts gegen multiresistente Keime (MRSA) einzuhalten. Dazu gehört auch ein wenige Euro teurer Test aller neu eingelieferten Patienten per Nasenvorhof-Abstrich. An dieser Kernaussage des Artikels stimmt nichts. Was sich hier im blog schon Mitte März
Das RKI hat kürzlich gemeinsam mit der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention die Empfehlungen für das MRSA-Screening hinsichtlich der bei der stationären Aufnahme einzubeziehenden Patientengruppen konkretisiert. Danach sind besonders Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese, Patienten, die aus Regionen bzw. inrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz verlegt werden, Kontaktpatienten von MRSA-Trägern, aber auch Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, liegenden Kathetern, Dialysepflichtigkeit, Hautläsionen chronischen Wunden und Brandverletzungen als Risikopatienten anzusehen. Nach dem Erlass sollen die Gesundheitsämter gezielt darauf hinwirken, dass die Krankenhäuser in NRW konsequent ihr Präventions-Management fortführen beziehungsweise intensivieren. Insbesondere ist sicherzustellen, dass bei der inhaltlichen Umsetzung der o.g. Empfehlungen folgende grundlegenden Strategien zur Prävention der Weiterverbreitung von MRSA beachtet bzw. umgesetzt werden: - Identifizierung, Erfassung und Bewertung von MRSA (Surveillance nach § 23 Abs. 1 IfSG) und Untersuchung von Risikopatienten auf MRSA bei der Aufnahme ins Krankenhaus, - strikte Umsetzung geeigneter Hygienemaßnahmen, - Sanierung von MRSA-Trägern (auch bei medizinischem Personal), - kontrollierter Einsatz von Antibiotika zur Vermeidung eines die Verbreitung von MRSA fördernden Selektionsdrucks und - Sicherstellung eines angemessenen Verlegungs- und Entlassmanagements. Keine Testung aller Patienten, keine direkte Anweisung an die Kliniken und keine Empfehlungen, die über die des RKI hinausgehen. Meilenweit von der vollmundigen Ankündigung im Januar entfernt. Eines muss man Minister Laumann lassen. Eine gute Presse hat er in seinem Bundesland. "Der Westen" hat die Meldung auch übernommen, die Westfälischen Nachrichten in ähnlicher Weise. -- Anmerkung: Dem Erlass ist ein Anhang mit der Auswertung einer Befragung von Kliniken in NRW beigefügt. Danach gaben die Kliniken im Mittel 1,9 MRSA-Fälle pro 1000 Patiententage an. Fast die Hälfte der antwortenden Krankenhäuser (46%) machte zu Nasenabstrichen auf 1000 Aufnahmen keine Angaben. 38% gaben zwischen 1 und 45 Nasenabstriche auf 1000 Aufnahmen an. Der Mittelwert lag bei 62,3 pro 1000 Aufnahmen - weil es einige Kliniken gab, die relativ viele Tests durchführten. In einer Region in NRW läuft das MRSA-net EUREGIO-Projekt, das von den teilnehmenden Kliniken ein intensives Screening fordert. In Düsseldorf gibt es ebenfalls Krankenhäuser, die jeden Patienten testen. In der Analyse des Ministeriums wird die Einschätzung der Gesundheitsämter, dass 57% der Krankenhäuser die RKI-Richtlinie umsetzen kritisch hinterfragt, weil von einer kompletten Umsetzung aller Empfehlungen nicht auszugehen sei, vor allem bestünden Lücken bei kostenintensiven Massnahmen wie Screening und Isolierung. -- Die Westdeutsche Zeitung hat das mit den Risikopatienten verstanden, aber der Erlass richtet sich für die Journalistin wieder an die Kliniken. [Politik]
Entwicklungskosten-Mantra Die Pharmaindustrie stöhnt gerne über die Entwicklungskosten von neuen Medikamenten und rechtfertigt damit hohe Preise. Nur: genaue Summen sind unbekannt. Regelmässig wird das Mantra der 1 Milliarde Dollar für die Erforschung und Entwicklung eines neuen Medikamentes, oder auch in Deutschland gerne Marcia Angell, früher Herausgeberin des NEJM, hat in ihrem Buch "Der Pharma-Bluff " Kosten von durchschnittlich 100 Millionen Dollar als realistisch eingeschätzt. Peter Rost weist auf ein aktuelles Interview mit einem Experten der schwedischen Arzneimittelbehörde hin. Lennart Forslund geht von 1 Milliarde schwedischen Kronen aus. Das wären umgerechnet 167 Millionen Dollar oder 107 Millionen Euro. [Pharmaindustrie]
Pfizer startet Transparenz-Initiative Das Wort mit dem grosen "T" scheint in den USA bei den Pharmakonzernen beliebt zu werden. Nun hat auch Pfizer eine "Transparenz-Initiative" angekündigt. Der weltgrösste Pharmakonzern veröffentlicht ab 2008 quartalsweise die Spenden und Zahlungen an Fachverbände und Patientenorganisationen. Im ersten Quartal 2008 hat Pfizer in den USA fast 10 Millionen Dollar verteilt. Mehr als ein Drittel davon (3,4 Millionen Dollar) ging an die Hausärztevereinigung in Kalifornien (California Academy of Family Physicians) für eine nationale Rauchstopp-Kampagne. Mal sehen, wann die Transparenz auch Pfizer Deutschland erreicht. Das wäre sicher nicht unbedingt im Interesse einiger Patientenverbände. [Ethik & Monetik]
Gesundheitsversorgung in Burma/Myanmar Das Center for Refugee and Disaster Response (CRDR) der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hat eine Analyse der Situation in Burma veröffentlicht. Die Forscher gehen davon aus, dass 3,2 Millionen Einwohner von den Folgen des Zyklons betroffen sind. Disease outbreaks have not occurred following the majority of tropical cyclones in the past several decades, primarily because of timely humanitarian response, which incorporates immediate prevention strategies including provision of adequate water and sanitation, and vaccination campaigns. The underlying population health status of the Burmese population and environmental factors place the population at increased risk of disease. In the aftermath of Cyclone Nargis, where humanitarian assistance is delayed and woefully inadequate in scale, the risk of disease outbreaks is especially high. Auch ohne die aktuelle Katastrophe ist das Gesundheitssystem in Burma desolat. Laut offizieller Angaben gibt es in jeder Region ein großes Krankenhaus, daneben kleine Gesundheitszentren und lokale Kooperationen mit gut ausgebildetem Personal. Tatsächlich erstreckt sich das Gesundheitssystem nur auf das zentrale Drittel des Landes.
Tankred Stöbe in einem [Public Health]
Operation Robin Hood Die ZEIT hat ein halbes Jahr nach dem vorläufigen Höhepunkt die Diskussion um Avastin® vs. Lucentis® noch einmal aufbereitet. Operation Robin Hood«, findet Bernd Mühlbauer, wäre ein durchaus geeigneter Tarnname für sein Vorhaben. Der Bremer Forscher und seine Mitstreiter legen sich mit drei ganz Großen der Pharmabranche an – der US-Biotechfirma Genentech sowie den Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis. [Avastin - Lucentis]
Aut idem Marketing in Österreich Österreich unternimmt Schritte zur Reform des Gesundheitswesens. Zu der Einigung zwischen Sozialpartnern und Regierung gehört auch, dass es eine "aut idem"-Regelung ("aut idem", lat. "oder das Gleiche") geben soll. Der Arzt verschreibt nur den Wirkstoff, die Apotheke entscheidet über das Präparat. In Deutschland ist das schon lange üblich. Nur sind unsere Nachbarn auf halben Wege stecken gelieben. In Österreich orientieren sich die Preise für Generika, Wirkstoffe ohne Patentschutz, am Originalpräparat. Neue Anbieter müssen jeweils einige vorgegebene Prozent darunter liegen. Ab dem 3. Generikum eines Originalproduktes ist die Untergrenze erreicht. Kein echter Preiswettbewerb. In der Folge wird sich das Marketing dann für Generika ab 2010 statt an die Ärzte an die Apotheker richten. Mit allen unschönen Konsequenzen, die wir hierzulande erlebt haben: Naturalrabatte in Form von Aktionen wie "vier-für-drei", die der Apotheker dann, natürlich der Krankenkasse in Rechnung gestellt hat, konnte erst ein Gesetz stoppen - auch in Österreich. Zuvor werden die Pharmahersteller in Österreich massiv mit Arzneimittelmustern die Praxen entern. Denn nach den Planungen sichert das Gesetz chronischen Patienten, die auf ein bestimmtes Produkt eingestellt sind, die Versorgung mit dem Präparat auch nach 2010 zu. Zusätzlich sollen die Ärzte einem Patienten weiter ein bestimmtes Medikament verordnen können, wenn dem Kranken nur dieses hilft - eine Herausforderung für die Pharmakommunikation. Mal zum Vergleich: In Österreich beträgt der Anteil von Generika am Arzneimittelmarkt nur 25% der Packungen und 14,5% vom Umsatzvolumen. In Deutschland sind dagegen 60% aller verkauften Packungen Generika und diese machen 28% des Gesamtumsatzes aus. Trotzdem beklagen die Krankenkassen weiterhin eine zu geringe Generika-Verordnung. Festbeträge, Rabattverträge und andere Massnahmen haben erreicht, dass Deutschland die niedrigsten durchschnittlichen Generika-Preise unter den fünf wichtigsten EU-Pharmamärkten hat. Vor 4 Jahren führte Deutschland noch weltweit die Preise an. Dagegen geht es in Österreich beschaulich zu. Das wundert nicht, wenn man sieht, wie die Reform erarbeitet worden ist: Die Sozialpartner - Gewerkschaften und Arbeitgeber - wurden von der Regierung beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten. Diese sind dann fast 1:1 von Bundesgesundheitsministerin Kdolsky durchgewunken worden. Fazit: Viel Arbeit für die Marketing-Abteilungen, die Strategien zu ändern, aber keine schmerzhaften Einschränkungen für die Pharmaindustrie. -- Ganz am Rande: Der österreichische Wirtschaftsminister war bis zu seinem Eintritt in die Bundesregierung als Umweltminister 1995 Geschäftsführer eines Generikaunternehmens, das sich in Familienbesitz befindet. [Oesterreich]
Lilly unterstützt Transparenz in den USA Eli Lilly unterstützt in den USA einen Gesetzentwurf, nach dem Honorare von Pharmakonzernen und Medizinprodukteherstellern an Ärzte beispielsweise für Vorträge oder Beratung ab einem Betrag von 500 Dollar veröffentlicht werden müssen. Für den republikanischen Senator Charles Grassley und seinen Kollegen von den Demokraten, Herb Kohl, die den Entwurf eingebracht hatten, zeigt dies, dass die Zeit für Transparenz reif ist. Lilly ist das erste Pharmaunternehmen, das sich hinter die Initiative stellt. Vielleicht hat Lilly es durch die We believe that being transparent is one way to help re- establish that trust," said Dr. Jack Harris, vice president of Lilly's U.S. Medical Division. Und in Deutschland und Österreich? Selbst die Veröffentlichung der Sponsoring-Aufwendungen an Verbände, ob Ärzte oder Patientenselbsthilfe, stellt für fast alle Unternehmen der Pharma- und Medizintechnikbranche eine unüberwindliche Hürde dar. Lilly hatte dem online-Magazin telepolis letzte Woche [Ethik & Monetik]
Weiter Intransparenz bei Wyeth Anfang des Jahres hat der Pharmakonzern Wyeth in Deutschland eine neue nationale Patientenbeauftragte Dazu gehört auch die Transparenz: Die Wyeth GmbH veröffentlicht an geeigneter Stelle eine Liste mit denjenigen Patientenorganisationen, mit denen sie zusammenarbeitet. Ebenso werden Tatsache und den Gegenstand von Kooperationen veröffentlicht. In dieser Hinsicht ist die Bilanz der Patientenbeauftragten niederschmetternd. Während auf der Liste von 2006 von 11 Organisationen keine schriftliche Genehmigung vorlag und eine Organisation die Veröffentlichung abgelehnt hatte, sind es 2007 schon 7 Verweigerer und 9 Organisationen, die sich tot gestellt haben. Von dem Gegenstand der Kooperation ist auch für 2007 noch nichts im Internet veröffentlicht. Nicht gerade Ausweis der erfolgreichen Überzeugungsarbeit und der konsequenten Umsetzung der Unternehmens-Leitlinien. [Selbsthilfe]
Beziehung zwischen Selbsthilfeverbänden und Pharmaindustrie am Beispiel Janssen-Cilag Die Pharmaindustrie sucht den Kontakt zu den Selbsthilfeverbänden und diese lassen sich oft als Marketinginstrument missbrauchen. Bisher fehlt ein verbindlicher Kodex, der Standards für die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen festlegt. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Standard "Sponsoring-Vertrag" von Janssen-Cilag, einer Johnson & Johnson Tochterfirma, der bei von Janssen-Cilag geförderten Veranstaltungen von Selbsthilfeverbänden benutzt wird. Im §2 kommt man schnell zur Sache: ![]() Es wird klar festgelegt, was der Selbsthilfeverband für die finanzielle Unterstützung leisten muss. Der Sponsor soll auf allen Drucksachen genannt werden, auf der Veranstaltung darf sich Janssen-Cilag mit einem Stand präsentieren und Werbeartikel abgeben. Das könnte man als Verstoss gegen das Heilmittelwerbegesetz auslegen. Es werden keine Fachkreise angesprochen, sondern Patienten, die sich beim Selbsthilfeverband informieren wollen. Die Patientenverbände betonen immer wieder ihre Neutralität bei der Information der Betroffenen, Patienten und Angehörigen. So auch bei den Leitsätzen der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG Selbsthilfe), deren Einhaltung für die angeschlossenen Selbsthilfeorganisationen verpflichtend ist. Die lässt sich nicht mit der vertraglich vereinbarten Abgabe von Werbeartikeln in Einklang bringen. Janssen-Cilag hat eigene Grundsätze für die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen, in denen auf die nötige Unabhängigkeit eingegangen wird: Wir beachten die in der Satzung unserer Partner festgelegten Ziele und Aufträge und werden diese bei Kooperationen ohne Einschränkungen berücksichtigen. Wir respektieren in vollem Umfang das Bestreben der Organisationen nach Neutralität und Unabhängigkeit. Wir beachten, dass jede Form von produktbezogenen werblichen Aktivitäten unternehmensseitig unterbleibt. Trotzdem ist bei Janssen-Cilag ein Vertragsentwurf in Gebrauch, der diese Grundsätze des Unternehmens missachtet. ... und wird von Selbsthilfeverbänden unterschrieben, die ihre eigene Unabhängigkeit für kleines Geld verkaufen - zu einem Vertrag gehören bekanntlich mindestens zwei. Am Ende wird im Vertrag der Fall von "ärztlichen Veranstaltern/Kliniken" als Vertragspartner angesprochen, bei denen die Verwaltung ihre Zustimmung geben muss. Ein Indiz, dass er als Entwurf sowohl bei der Förderung von ärztlichen Fortbildungen, als auch von Veranstaltungen von Selbsthilfeverbänden dient. Wenn Janssen-Cilag seine Leitsätze Ernst nimmt, sollte es zumindest einen eigenen Vertragsentwurf für das Sponsoring von Veranstaltungen von Selbsthilfegruppen geben und Informationsstände und die Abgabe von Werbeartikeln sollten unterbleiben. [Selbsthilfe]
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