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Inegy® und Krebs: Was wäre wenn? Der gestrige Artikel des Ärzteblatts zum möglicherweise erhöhten Krebsrisiko durch Ezetimib schließt mit den Worten: Bis die Ergebnisse der Endpunktstudien SHARP und IMPROVE-IT vorliegen, werden viele Millionen Patienten mit Ezetimib behandelt worden sein. Wenn sich dann ein erhöhtes Krebsrisiko zeigen sollte, wäre der Skandal wohl perfekt. Wie sähe denn der "perfekte Skandal" in Zahlen aus? Gehen wir zur Abschätzung des Ausmaßes der möglichen Katastrophe einmal nicht davon aus, dass es sich bei den zusätzlichen Krebstodesfällen in der SEAS-Studie um eine "statistische Anomalie" handelt. Gehen wir statt dessen von der durch die zusätzlich vorgelegten Daten keinesfalls völlig entkräfteten Annahme aus, dass diese Beobachtung repräsentativ war. In Wieviele Patienten werden zur Zeit mit Ezetimib behandelt? Genaue Zahlen hierzu gibt es nicht. Dividiert man die bekannten Umsatzzahlen durch den Herstellerabgabepreis, kommt man jedoch zu einer brauchbaren Schätzung. Weltweit sind 2007 etwa 5 Milliarden Dollar für Medikamente mit dem Wirkstoff Ezetimib umgesetzt worden, rund 135 Millionen Euro davon in Deutschland. Der Herstellerabgabepreis für eine Monatspackung Inegy® liegt in Deutschland bei knapp 50 Euro. Wir vernachlässigen an dieser Stelle das zweite, etwas preisgünstigere Präparat Ezetrol®, um eine konservative Schätzung zu erhalten. In Deutschland wurden im Jahr 2007 also rund 135 Mio. Euro / (12 * 50 Euro) = 225.000 Patienten mit Ezetimib behandelt. Weltweit - wenn wir im Sinne einer konservativen Schätzung von einem ähnlich hohen Preisniveau wie in Deutschland ausgehen - kommt man mit der gleichen Rechnung auf rund 6 Millionen Patienten. In Deutschland wäre also pro Jahr mit etwa 225.000 / 250 = 900 durch Ezetimib verursachten Krebstodesfällen zu rechnen, weltweit mit rund 24.000. Die beiden Studien, die eine endgültige Klärung der Frage bringen sollen, sind wohl nicht vor 2012 beendet. Damit wäre bei einem unveränderten Verschreibungsverhalten denkbar, dass die Zahl der zusätzlichen Krebstodesfälle weltweit bis zu diesem Zeitpunkt den sechsstelligen Bereich erreichen könnte. [Ezetrol]
Zuwachs beim Internet im Hause Bankhofer Die gesammelten Gesundheitstipps des Mr. Gesundheit gibt es nun als volle Dröhnung unter gesunde-hausmittel.de. Darunter auch viele Ratschläge gegen Cellulite, die nach ärztlicher Meinung nur ein gutes Gefühl Oder die beliebte Cola und Salzstangen bei Durchfall. Die postitive Wirkung ist nie schlüssig nachgewiesen worden. Cola enthält jedoch Koffein und viel Zucker. Beides kann den Durchfall verstärken. Der hohe Zuckergehalt erhöht den Wasserverlust zusätzlich. Das Koffein wirkt harntreibend; es geht noch mehr Flüssigkeit verloren. Die Salzstangen führen zwar Salz wieder zu, aber nur Kochsalz, alle weiteren mit dem Durchfall ausgeschwämmten Mineralstoffe nicht. Vom gleichen Herausgeber wird die Internetseite bankhofer-gesundheitstipps.de betrieben. Dort überrascht den Leser heute als Gesundheitstipp: Täglich Aspirin: Schützt Herz, verdünnt das Blut.
Mal abgesehen davon, dass es ohne Mengenangabe empfohlen wird (und Aspirin® ein Markenname ist), sind sich die medizinischen Experten einig, dass bei gesunden Menschen die Risiken für eine Magen- Darm-Blutung bei einer prophylaktischen Einnahme von ASS den Nutzen übersteigen. Daneben findet der Internetnutzer noch die "einzige Original-Homepage des TV-Gesundheitsexperten Prof. Hademar Bankhofer" - gesundheitswelten.com. Hier wird aktuell Zucchini für die Leber empfohlen, ohne genauer auf die vesprochene "Stärkung der Leber" einzugehen. Besonders hervorgehoben wird dagegen der Eisengehalt von Zucchini, der jedoch mit 1,5 mg/100g eher durchschnittlich ist und allenfalls für Menschen interessant, die sich vegetarisch bzw. vegan ernähren. [Internet]
BILD berichtet über mögliches Krebsrisiko durch Inegy® (Update 2) In der englischsprachigen Presse ist der Etwaige Hoffnungen der Marketingstrategen, das Gewitter könne hierzulande medial an ihnen vorüber ziehen, waren verfrüht. Ausgerechnet die BILD-Zeitung greift das Thema heute auf. -- Update: Jetzt hat das Ärzteblatt einen etwas anspruchsvolleren Bericht zum Stand der Dinge: Doch die Befunde der Meta-Analyse sind nicht ganz eindeutig. Zum einen zeigt sie eine erhöhte Rate von Krebstodesfällen (97 vs. 72 in der Kontrollgruppe), die aber nicht signifikant war (p= 0,07). Wurden allerdings alle drei Studien, also SHARP, IMPROVE-IT und SEAS zusammengenommen (134 vs. 92 Krebstodesfälle, Risk-Ratio 1,42), dann wurde das Signifikanzniveau selbst bei dem anspruchsvolleren 99-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-2,05; p=0,007) erreicht. Für die Herausgeber des New England Journal of Medicine wäre es deshalb voreilig, schon jetzt von einem Zufallsergebnis in der SEAS-Studie zu sprechen. [...] Bis die Ergebnisse der Endpunktstudien SHARP und IMPROVE-IT vorliegen, werden viele Millionen Patienten mit Ezetimib behandelt worden sein. Wenn sich dann ein erhöhtes Krebsrisiko zeigen sollte, wäre der Skandal wohl perfekt -- Update 2 (4.9.): Der von BILD (wie auch von anderen Medien, u.a. der Nachrichtenagentur Reuters) zitierte Prof. Heinz Drexel rudert mittlerweile zurück. [Ezetrol]
Mangostan, die Aroniabeere aus den Tropen Plazeboalarm ist über einen Artikel gestolpert, der von den Segnungen der Mangostan-Frucht handelt: Saftige PR bei den Bürgerjournalisten. Sehr unterhaltsam auch die Diskussion in den Kommentaren. -- Update: Da der Artikel, um den es geht, mittlerweile gelöscht worden ist, hier ein Blick in den Google-Cache. [Gesundheitswirtschaft]
Aufmerksamkeitsökonomie im Gesundheitswesen Häufigste Todesursache bei Frauen: Herzinfarkt! (Ärzte Zeitung, 08.05.2006) Brustkrebs bei Frauen häufigste Todesursache (Ärzte Zeitung, 01.09.2008) Die erste Aussage halte ich für fragwürdig, die zweite ist ganz sicher falsch. _ Hier die aktuelle Todesursachenstatistik aus Deutschland. 6,3 Prozent der 2007 gestorbenen Frauen verstarben an einem Herzinfarkt und 3,8 Prozent an Brustkrebs. Bei 41,4 Prozent der weiblichen Todesfälle waren sonstige Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems als Todesursache ausgewiesen. [Medien]
Interpretationsspielräume Eigentlich bringt Reuters die Ergebnisse der Studie gut auf den Punkt: AstraZeneca Plc's cholesterol drug Crestor has failed in a second clinical trial for heart failure, suggesting such statin medicines don't improve survival in patients with the chronic condition. [...] In the latest so-called GISSI-HF study, involving 4,500 patients followed for an average of 3.9 years, 29 percent of people taking Crestor died from any cause against 28 percent of those given a placebo, or dummy, pill. Schwierig, hier etwas Positives hineinzuinterpretieren. Aber kein Problem für einen ausgewiesenen und meinungsstarken Experten wie Michael Böhm. Michael Böhm verfügt über vielfältige finanzielle Beziehungen (Vortragshonorare, "consultant", "Speaker's Bureau", "Advisory board") zum Crestor®-Hersteller AstraZeneca und auch zu manch anderem bekannten Pharmakonzern (Abbott, Bayer, Boehringer Ingelheim, Berlin Chemie, Bristol-Myers Squibb, Cardiovascular Therapeutic, Kohl Pharma, Medtronic, Merck, Mitsubishi Pharma Co. Japan, MSD, Novartis, Pfizer, Hoffmann-La Roche, Schwarz Pharma, Sankyo, Sanofi Aventis, Servier und Takeda). Und Professor Michael Böhm zeigt denn auch meisterhaft, wie das Spiel gespielt wird: "Die Ergebnisse aus der GISSI-Studie in Bezug auf Statine bestätigen im Wesentlichen die bereits in der CORONA-Studie veröffentlichten Daten", sagt Prof. Böhm. "Eine der neuen Einsichten ist jetzt, dass auch Patienten ohne koronare Herzerkrankung sicher mit Statinen behandelt werden können, auch wenn damit die Syptome und die Sterblichkeit bei herzinsuffizienten Patienten nicht günstig beeinflusst werden. Auch hier werden wir genaue Subgruppenanalysen brauchen, um jene Patienten charakterisieren zu können, die vielleicht von einer solchen Therapie profitieren." [Pharmamarketing]
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