Abbot bekommt Post

4.000 Unterschriften gegen die Firmenpolitik des Arzneimittelherstellers Abbott haben Mediziner zusammen mit der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner (SPD) gestern dem Pharmaunternehmen in Wiesbaden überreicht.

Hintergrund: Kaletra® ist ein innovatives HIV-Medikament, dass im Gegensatz zu früheren Zubereitungen nicht gekühlt werden muss. Es eignet sich daher besonders für Patienten in Ländern der so genannten Dritten Welt, die nicht über die Möglichkeit verfügen, Arzneimittel zu kühlen. Nach Angaben der Hilfsorganisationen ist die neue Kaletra®-Zubereitung für viele Patienten die einzige Möglichkeit, ihre HIV-Erkrankung adäquat zu therapieren. Nach Angaben der Hilfsorganisationen hat die Firma Abbott ausser in Südafrika in keinem der anderen Länder die Zulassung beantragt, wo Patienten dieses Medikament dringend benötigen.

Dazu auch eine Pressemitteilung der Organisation "Ärzte ohne Grenzen".

Für mich der wahre Hintergrund: In Thailand hat Ende Januar der Gesundheitsminister den Notstand ausgerufen, um das eigentlich patentgeschützte Kaletra® als Generikum aus Indien zu verkaufen. Abbot befürchtet, dass dies in anderen Ländern Schule macht. Mit Thailand wird verhandelt. Solange da keine Klarheit herrscht, wird Abbot nichts bezüglich der neuen Galenik des Medikaments unternehmen - eine Art Faustpfand bei den Verhandlungen mit den Schwellen- und Entwicklungsländern.
 
[Arzneimittel]
Autor: strappato   2007-02-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Positiver Bias

84% aller im Jahr 2003 mit Unterstützung der Pharmaindustrie durchgeführten und veröffentlichten klinischen Studien zum Thema Brustkrebs zeigten positive Resultate des untersuchten Wirkstoffes. Bei den unabhängigen klinischen Studien waren es nur 54%.
Peppercorn J, Blood E, Winer E, Partridge A. Association between pharmaceutical involvement and outcomes in breast cancer clinical trials. Cancer 2007.

Wer hätte das gedacht?

Dazu in der Newsweek ein Interview mit dem Hauptautor der Studie und noch ein Artikel in "News & Observer".

Interessant ist, dass alle Autoren der Studie für die Pharmaindustrie arbeiten:
  • Member of the Speakers Bureau for Genentech.
  • Consultant for Merck.
  • Consultant for GlaxoSmithKline, Bristol-Meyers Squibb, Sanofi-Aventis, Boerringer-Ingleheim, Berlex, Genomic Health, Genentech, Wyeth, Pfizer, and Astra Zeneca.
  • Receives research funding for clinical trials from Genentech, GlaxoSmithKline, Astra Zeneca, and Pfizer.
  • Consultant for Astra Zeneca.
Da erstaunt auch das Statement des Autors nicht:
Just because the results are positive, I don't think we can assume that the results are biased.

 
[Klinische Studien]
Autor: strappato   2007-02-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Wertewandel bei Ratiopharm

Die FTD porträtiert Philipp Daniel Merckle, der Chef von Ratiopharm. Ohne jedoch auf die Familiengeschäfte einzugehen.
 
[Pharmaindustrie]
Autor: strappato   2007-02-27   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Neues von der Diätpillenfront

Neues zum Thema Xenical® oder Alli® (Wirkstoff Orlistat).

GlaxoSmithKline (GSK) hat von Roche nun auch die Lizenz für den Vertrieb der rezeptfreien Version der Diätpille Xenical® ausserhalb der USA erworben. In den USA ist das Medikament unter dem Namen Alli® kürzlich zugelassen worden. Erwartet wird der Start auf den Schlüsselmärkten, zu denen wahrscheinlich auch Deutschland gehört, für Ende 2007.

Adweek befasst sich mit dem Marketing-Konzept für Alli®. Um sich von obskuren Diätmittel-Angeboten im Netz abzugrenzen will GSK unter MyAlliPlan.com eine Community aufbauen. Zugangscode gibt es in der Packung. In dem Artikel wird ein grosser Bedarf an medizinischen Informationen im Internet gesehen, den die Pharmakonzerne nicht abdecken. Wir werden in Zukunft wohl noch mehr pseudo-unabhängige Informationsangebote sehen - natürlich mit Community und blogs.

In Australien kämpft Roche mit einem Werbeverbot. Dort ist Xenical® rezeptfrei erhältlich. Obwohl es für die Behandlung von krankhaften Übergewicht (BMI > 27) gedacht ist, hat Roche Werbespots bei "Australien Idol", der australischen Version von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) geschaltet. Ein Verbraucherverband hat daraufhin ein 19-jähriges normalgewichtiges Mädchen zum Testkauf geschickt und in 24 von 30 Apotheken das Medikament entgegen der Richtlinie erhalten. Roches Produktmanager fand das Werbeverbot ungrecht, da products with dubious ingredients largely based on green tea extract, eye of newt, wing of bat and guinea pig tail can be (advertised). Fledermausflügel verursachen auch keine Stuhlinkontinenz.
 
[Orlistat]
Autor: strappato   2007-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pfizer will Grosshandel kontrollieren

Pfizers Exklusivvereinbarung über den Vertrieb der Medikamente des weltgrössten Pharmakonzerns in Grossbritanien wird die Gerichte beschäftigen.

Pfizer will seine Produkte dort nur noch über UniChem, dem Grosshandelszweig des grössten europäischen Apothekenkonzerns Alliance-Boots vertreiben. Die Times meldet, dass die Grosshandelskonkurrenten einen letzten verzweifelten Versuch starten, dies abzuwenden.

Verkauft wird dies als Schutz der Patienten vor gefälschten Medikamenten ("counterfeit drugs"). Pfizer bemüht sich seit langem dies Thema für eigene Ziele zu nutzen. Der Dauerexperte zum Thema Arzneimittelfälschungen, Prof. Schweim, darf heute schon wieder seine 10%-These zum Besten geben und mit Zahlen ohne Quellenangaben jonglieren.

Von Brancheninsidern ist zu hören, dass Pfizer gerade dabei ist, unter dem Label des Patientenschutzes europaweit die rechtlichen Möglichkeiten zur Etablierung eines von ihnen kontrollierten Grosshandels zu auszuloten - nicht nur "in Betracht ziehen", wie es der Sprecher von Pfizer im Times-Artikel sagt. Es wird erwähnt, dass AstraZeneca and Eli Lilly ähnliche Massnahmen planen, um den Vertrieb - und damit den Wettbewerb und die Preise - stärker unter ihre Kontrolle zu bringen.

Ob dies der Wettbewerb ist, den der Cox Report fordert?
 
[Counterfeit drugs]
Autor: strappato   2007-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Korruption im Gesundheitswesen keine Bremensie

Anlässlich des Bremer Klinik-Skandals und seiner Aufarbeitung im Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft fand gestern eine Veranstaltung des Nordwestradios mit Peter Schönhöfer, Mitherausgeber des Arznei-Telegramms, statt.

Schönhofer lies keinen Zweifel aufkommen
Das deutsche Gesundheitswesen ist das drittteuerste der Welt, die Leistungen liegen aber im Durchschnitt, da versickert viel Geld in korruptiven Kanälen.

Der Bremer Klinikskandal ist auch ein Fall, der zu wenig Beachtung in den bundesdeutschen Medien bekommen hat. Der Radio Bremen Journalist Theo Schlüter führt ein online-Tagebuch darüber.
 
[Bremer Klinikskandal]
Autor: strappato   2007-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Inkontinenz als internationales Frauenleiden

Noch eine Sache, die nicht ganz neu ist, aber dennoch interessant:

Eine Pressemitteilung von Lilly und Boehringer Ingelheim zum Internationalen Frauentag 2005:
Internationaler Frauentag: Gemeinsam gegen Harnverlust.
In der PM wird auf das Informationsforum Kompetenz-In-Kontinenz hingwiesen, eine Internetseite, die verschämt am unteren Rand auf Lilly als Herausgeber hinweist.

Nicht nur Lilly und Boehringer versuchen auf Inkontinenz aufmerksam zu machen. Als "overactive bladder syndrome" sind die Symptome in den letzten Jahren von der Pharmaindustrie als therapiewürdige Krankheit vermarktet worden.

Auch von Pfizer. Da das blog Pharma Watch nicht mehr öffentlich zugänglich ist, zitiere ich aus dem Eintrag vom 14. April 2005:
CASE STUDY : “POSITIONING DETROL® (TOLTERODINE) (creating a disease)"
The following is derived from an internet posted PowerPoint presentation downloaded from http://www.pmrg.org/presentations.html called ‘Positioning Detrol: creating a disease’
Following the merger of Pharmacia and Upjohn, Detrol® (tolterodine) was “identified as the first, new, global mass marketing opportunity”.
Later the presentation heading “Converting a niche product into a Mass Marketing Opportunity” is followed by:
• “Increase the diagnosis and treatment of urge incontinence”
• “Expand the appropriate patient population (beyond urge incontinence) to those with “overactive bladder syndrome” (OAB) (without incontinence)
The next part of the strategy or “critical success factors :”
• “Establish OAB as a serious medical condition with profound negative impact on people’s quality of life… among physicians, consumers, payers and regulatory authorities”
• “Establish Detrol® (tolterodine) as the therapy of choice for OAB”
And finally:
• “Educate PCPs (primary care physicians) (including OBGs) how to screen for, diagnose and treat OAB”
• “Drive potential patients to physician offices by using DTC [direct to consumer] and PR with symptom recognition"

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2007-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Side Effects



Nicht mehr "breaking news", aber trotzdem interessant: Side Effects, ein Film über das Leben einer Pharmaberaterin. Buch und Regie Kathleen Slattery-Moschkau, die 10 Jahre lang für Bristol-Myers Squibb und Johnson & Johnson im Pharmaaussendienst tätig war.

Das BMJ schreibt:
Think big. Think money. Think drugs. And then think of all the sly, silly, ethically impaired things that people will do to sell drugs, and you'll have a taste of Kathleen Slattery-Moschkau's film, Side Effects.

Kathleen Slattery-Moschkau hat im Mai 2006 auch eine Dokumentation produziert: Money Talks: Profits Before Patient Safety.


Hier noch ein "Making of" Side Effects:

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2007-02-26   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

The next big thing

Was soll Big Pharma die nächsten Milliardenumsätze bringen?

Neue Mittel bei männlichen Errektionsstörungen und weiblicher sexueller Dysfunktion. Ein Artikel im Star-Ledger klärt auf.

Sex sells.
 
[Pharmaindustrie]
Autor: strappato   2007-02-25   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Medien wachen im Fall Sch. auf

Nachdem der Skandal um den im Haft sitzenden Prof. Roland Sch. und das Werksarztzentrum Recklinghausen über eine Woche lang nur die lokalen Ruhrgebiets-Blätter beschäftigt hat, sind nun auch andere Zeitungen aufgewacht. Den Wecker spielte wieder einmal "Der Spiegel" und die dpa, die sich auf das Magazin beruft.

Da hat die gesamte bundesdeutsche Medienlandschaft wieder ein brisantes Thema verschlafen. Es geht um den Gründer des grössten deutschen Werksarztzentrums mit 750 Unternehmen als Kunden, darunter bekannte Firmen wie Coca Cola, Degussa oder Randstad. Die vorgeworfenen Delikte reichen von unsachgemässer Lagerung von Medikamenten über die Abrechnung von ärztlichen Leistungen, die gar nicht von Ärzten erbracht wurden, bis hin zu Betrug bei der Verwendung öffentlicher Mittel. Der Professor war anerkannte Grösse im gesellschaftlichen Leben und er wurde regelmässig von Wirtschaftvertretern und Politik als Ideal des erfolgreichen Unternehmers präsentiert. Prof. Sch. war hier im blog in den letzten 7 Tagen Spitzenreiter bei den google-hits.

Man bekommt den Eindruck, dass Unregelmässigkeiten im Gesundheitswesen die deutschen Medien nicht besonders interessieren. Was auch beim Fall Zyprexa zu beobachten ist.

Kein Wunder, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dann am Ende regelmässig zur geräuschlosen Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung führen. Wenn das Gericht und der Beschuldigte zustimmen, werden dann Auflagen verhängt, zum Beispiel Zahlungen an eine gemeinnützige Einrichtung, da das öffentliche Interesse und die Schwere der Schuld dieser Einigung nicht entgegenstehen.

Übrigens: Bei der sz-online läuft die Meldung unter "Hochschule".

Und im Deutschen Ärzteblatt schafft es der Fall in die Rubrik "Vermischtes".

--
Update
Prof. Sch. wird wohl noch bis mindestens Freitag in U-Haft bleiben.
 
[FH Gelsenkirchen]
Autor: strappato   2007-02-25   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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