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Ich bremse nur für GKV-Versicherte Beim Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wodarg, nur Kassenpatienten bei der Transplantation Organe von Kassenpatienten zugänglich zu machen, staunt man über die mangelnde medizinische Ethik von Gesundheitspolitikern. Im Grunde unterscheidet sich diese Forderung in ihrer moralischen Fragwürdigkeit nicht von Ideen seiner Politkollegen. Dass Wodarg im von Beruf Arzt ist, tritt verschärfend hinzu, verstösst es doch gegen jegliche Grundlagen ärztlicher Ethik und ärztlichen Handelns. Hoffentlich erinnern sich die Mediziner daran, wenn die Ärzte Zeitung oder andere Standesblätter das nächste Mal einen "Kollegen" feiern, der ein politisches Mandat oder Amt errungen hat. Kann der Organspender auch angeben, dass sein Organ nicht an Politiker geht? -- Zur Ergänzung: Von 2002 bis 2005 war Wodarg Sprecher der SPD-Fraktion in der Enquête-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin". Noch Fragen zur Gesundheitspolitik? [Politik]
Patientennetworking in Österreich Pharmamarketing in Österreich. Zum Thema "Sales – Ausverkauf am Pharmamarkt" hatte der Pharma Marketing Club Austria (PMCA) eingeladen. Wie geht es mit dem Vertrieb weiter angesichts der Herausforderungen von Gesundheitspolitik und Internet? Das Video offenbart eine Stimmung zwischen Ratlosigkeit und Pfeiffen im Walde. Zu den angesprochenen neuen "Kanälen" gehören zweifelsohne auch Patientenselbsthilfegruppen. Diese bekamen in Österreich in den letzten Wochen eine Anfrage mit dem Betreff "Umfrage bei SchmerzpatientInnen". Absender sind die "Focus Patient Ltd." und die "Meditia Information und Kommunikation". Darin wird um die Mitarbeit bei einer "Patientenumfrage für SchmerzpatientInnen" "ersucht". Im ersten Schritt sollen mögliche Fragen angegeben werden, die sinnvoll erscheinen, und anschliessend sollen die Verbände die Fragebögen verteilen. Sponsoren oder Auftraggeber werden keine genannt, dafür jedoch ein Testimonial einer Selbsthilfegruppe: "Bitte helfen Sie mit...". Ziel der Patientenumfrage ist, die zentralen Bedürfnisse und Interessen von SchmerzpatientInnen dem Gesundheitssystem und allen seinen Beteiligten aktuell nahe zu bringen und Verbesserungen für SchmerzpatientInnen zu ermöglichen. Die Patientenumfrage wird von MEDITIA INFORMATION UND KOMMUNIKATION und FOCUS PATIENT Ltd. durchgeführt und allen (anonymisiert) Kooperationspartnern als Basis für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt. Die Focus Patient Ltd. betreibt ein unabhängiges Patienten-Portal. Die Geschäftsführerin und Initatiatorin Ingeborg Obermayer kann auf eine lange Karriere in der Pharmaindustrie zurückblicken. Als Themenschwerpunkt nennt die Ex-Product Managerin bei AstraZeneca "Relationship Management". Auf der Internetseite gibt Meditia an, wir konzipieren, beraten und begleiten Informations- Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen Patient/innen, dem Gesundheitssystem und allen seinen Beteiligten, der Gesellschaft und der Öffentlichkeit. Dahinter steht die Anwältin und Mediatorin Angelika Krauss-Rirsch. Bei Meditia finden sich auch die Fragebögen und Ergebnisse früherer Umfragen zu Multiple Skelerose, Diebetes, Morbus Parkinson und altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) als pdf-Dateien. Hier werden die Auftraggeber klar. Während in den Fragebögen nur die Kooperationspartner "Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger" (SV) und das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend (BMGF) aufgeführt sind, enthalten die Berichte die Auftraggeber: Multiple Sklerose - Welldone im Auftrag von Merck Serono, Parkinson - Welldone im Auftrag von Schwarz Pharma, AMD - Welldone im Auftrag von Pfizer. Für Diabetes steht der Bericht noch aus, aber im Fragebogen taucht ganz klein unten auf der letzten Seite der Name "Merck Sharp & Dohme" (MSD) auf. Auch ein Kunde der Pharma-PR-Agentur Welldone mit Januvia®, einem neuen Diabetesmedikament. Die Dokumenteneingenschaften der pdf-Dateien identifizieren Mitarbeiterinnen von Welldone als Verfasser. Was die aktuelle Umfrage zum Thema Schmerzen angeht, fänden sich in der Kundenliste von Welldone auch potentielle Auftraggeber: Mundipharma oder Pfizer. Da stellt sich da Frage wozu? Zwar sind die Beteuerungen, dies alles im Dienst der Patienten zu machen und unabhängig informieren zu wollen, nicht mehr recht glaubhaft, jedoch fehlt ein anderer Zweck und das Ministerium, SV und andere sind schliesslich mit dabei. Die Ziele werden beim Blick auf eine neue Unternehmung des Welldone-Chefs Riedl deutlich: Peri Consulting, in der Das Einbeziehen der Selbsthilfegruppen bei der Ausarbeitung des Fragebogens signalisiert Interesse und Empathie - etwas was bei Betroffenen sehr gut ankommt. Valdierte Instrumente zur Bewertung der krankheitsspezifischen Lebensqualität (HRQoL) fehlen. Sozialwissenschaftlich ist das methodisch fragwürdig. Es führt dazu, dass die Fragen auf 90% Zustimmung treffen. Der Effekt: Die Argumentation mit diesen Ergebnissen ist einfacher und die PR kann mehr Druck aufbauen. Um es mal zugespitzt zu formulieren: Peri verkauft die Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Ministerium und SV an interessierte Unternehmen aus der Pharmaindustrie. Meditia und Focus Patient sind Aushängeschilder für Unabhängigkeit gegenüber den befragten Patienten und sollen Auftraggeber und Ziel verschleiern. Das gibt es nur in Österreich. Sozialversicherung und Ministerium liefern die PR-Munition, damit die Pharmaindustrie gegenüber ihnen die Notwendigkeit von Mehrausgaben begründen kann. [Oesterreich]
Pfizer lügt auch in offizieller Champix®-Stellungnahme Nun liegt uns das offizielle Pfizer-Statement zu den FDA-Ermittlungen im Zusammenhang mit möglichen gefährlichen Nebenwirkungen von Champix® (in den USA: Chantix®) im Wortlaut vor. Klar war bislang nur, dass zahlreiche Medien über den Umfang der klinischen Studien und das Auftreten von Suizidfällen im Rahmen dieser Studien nicht wahrheitsgemäß berichtet hatten. Weiterhin war bekannt, dass Pfizer dem Pharma-Blogger Ed Silverman in einer E-Mail wahrheitswidrig mitgeteilt hatte, es hätte in den klinischen Studien keinen Suizidfall unter Champix-Anwendern gegeben. Offen war dagegen, ob Pfizer in seiner offiziellen Stellungnahme die Medien in diesen Fragen nur getäuscht oder ebenfalls belogen hatte. Letzteres ist der Fall. Beide Behauptungen, die eine nachweislich falsch, die andere auf Basis der publizierten Studiendaten höchstwahrscheinlich falsch, finden dabei bequem in einem Absatz platz: In the controlled clinical trial program of more than 5000 patients treated with CHANTIX, adverse events related to changes in behavior or psychiatric symptoms, including suicidal ideation, were rare and occurred at a rate comparable to placebo-treated patients. There were no suicides in patients taking CHANTIX in our clinical trials. _ Für die These, dass Pfizer in die Zahl 5000 schamlos die mit Plazebo oder Alternativpräparaten behandelten Studienteilnehmer eingerechnet hat, spricht auch die leicht unterschiedliche Formulierung gegenüber Ed Silverman: In clinical trials involving more than 5,000 patients [...]. Diese Wortwahl war zwar durchaus irreführend, aber nicht direkt gelogen. [Champix]
Stiftung Warentest ergänzt Champix®-Bewertung Die Stiftung Warentest hatte im Mai die Raucherentwöhnung mit Champix® (in den USA Chantix®) unter die Lupe genommen. Nun wurde der Artikel online durch die vorläufigen Empfehlungen der FDA ergänzt. Die FDA hat die Berichte bislang noch nicht abschliessend ausgewertet. Sie rät dennoch Ärzten, bei Patienten, die Champix einnehmen, auf Stimmungs- und Verhaltensauffälligkeiten zu achten. Ebenso sollen Aufhörwillige ihren Arzt aufsuchen, wenn sie ein auffälliges Verhalten unter Champix bei sich beobachten. Weiter sollten sie nicht Autofahren und keine Maschinen bedienen - zumindest bis sie sicher wissen, wie die Raucherpille bei ihnen wirkt. Damit zeigt sich, wo die Interessen der Patienten aufgehoben sind. Die deutsche Aufsichtsbehörde BfArM hat sich noch nicht zu den Meldungen über psychische Nebenwirkungen geäussert. [Champix]
Recht und teuer Der Tagesspiegel hat in einem Artikel letzte Woche über die Diskussion um die Erstattung von Lucentis® berichtet. Glaeske kommt zu Wort, jedoch keine Zeile über die Studien mit Avastin® bei der Therapie der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD), die derzeit weltweit laufen oder geplant sind. Warum die Augenärzte verunsichert sein sollen, wird nicht weiter ausgeführt, auch kein Statement der Verbände. In der Wegen des identischen Wirkprinzips von Bevacizumab stellt trotz des Status einer ‚off label’ Anwendung und dem Fehlen von Phase III Studienergebnissen zur Wirksamkeit und Sicherheit die intravitreale Injektion von Bevacizumab eine rationale und inzwischen durch zahlreiche Berichte untermauerte Behandlungsalternative dar. Hier das Manuskript einer Fortbildung an der Uni Freiburg im Februar 2007, in der zum einen die Erfahrungen mit Avastin® referiert werden, und zum anderen die gesundheitsökonomische Frage angesprochen wird, mit geschätzten jährlichen Kosten von 2 bis 4 Mrd. Euro in den nächsten Jahren bei der Therapie mit Lucentis®. [Avastin - Lucentis]
Krankenkassenpleite in Wien Österreich wird schmerzlich daran erinnert, wie wichtig eine Gesundheitsreform wäre. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat 500 Millionen Euro Schulden angehäuft und sich für pleite erklärt. Defizite erwirtschaften auch andere Gebietskassen und lehnen es daher ab, den Wienern finanziell unter die Arme zu greifen. Derweil schiebt sich die Politik gegenseitig die Schuld zu. Ideal, da die WGKK ein Reservat der roten SPÖ und Gewerkschaften ist. Das Büro von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) sieht die Krankenkasse in der Pflicht: "Was einfach fehlt, ist ein tragfähiges Sanierungskonzept der Kasse." Dass die Gesundheitsministerin lediglich medienwirksame Auftritte für sich verbuchen kann und politisch kaum über Ansätze für eine Reform des Gesundheitswesens in Österreich hinaus gekommen ist, wird in den Medien nicht thematisiert. Zur Panik gibt es in Österreich selten einen Grund: "Die Versorgung der Wiener Bevölkerung ist auf jeden Fall sicher gestellt". Auch sonst wird der Fall locker genommen. Die Top-5 Ideen, mit denen die WGKK aus den roten Zahlen kommen will: die_top_5_ideen (mp3, 345 KB) Den Lesern aus Österreich zur Kenntnis. Es geht auch anders: In der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Beitragssätze im kommenden Jahr voraussichtlich stabil bleiben. Das lässt sich aus den Abschlüssen des dritten Quartals folgern, das die gesetzlichen Kassen insgesamt wohl mit einem Überschuss von mehr als einer halben Milliarde Euro abgeschlossen haben. [Oesterreich]
Champix® Erfahrungen ![]() Wellcome Images habe am 30, märz 2007 mit einer rauchentwönung mit champix angefangen, war einer der ersten patienten in österreich die dieses mittel bekommen haben. bereits am 13, april 2007 wurde ich von mehreren polizisten und sanitätern von einer 20m hohen autobahnbrücke gezogen, und verbrachte anschließend 3 monate in der psychatrie.
Aus einem Kommentar im blog Bedarfshaltestelle.also frage ich mich, wenn diese wirkung von champix bekannt ist, wieso darf es nacher von ärzten verteilt werden? damit man als nichtraucher stirbt??? [Champix]
Der moderne Barfuss-Doktor Jay Parkinson, MD MPH ist ein moderner Barfussarzt. Statt einer Praxis, eingerichtet vom Star-Innenarchitekten, langt ihm ein MacBook im Arztkoffer. Damit macht er Hausbesuche in Eine Art Mischung aus Hausarzt und Disease Manager, da er verspricht, seine Patienten durch das amerikanische Gesundheitssystem zu lotsen. Mit seinem Wissen und Kontakten sollen die Patienten auch Geld und Zeit sparen - nicht unplausibel, wenn man in SiCKO gesehen hat, wie Ärzte und Kliniken die persönliche Einkommensmaximierung vor das Wohl des Patienten stellen. Ein Pferdefuss hat das Ganze: Er beschränkt das Maximalalter seiner Patienten auf 40 Jahre und vermeidet dadurch multimorbide Patienten mit chronische Erkrankungen im Alter. Der Mediziner der Digitalen Bohème. Ganz stilecht sollen Parkinsons Kunden in einem Umkreis von 20 Minuten um seinen "home-base coffee shop" wohnen. Zu weit für Sascha Lobo. Doc Parkinson hat in den US-Medien einige Aufmerksamkeit bekommen, beispielsweise in der Washington Post oder dem WSJ Health Blog. Und wenn ärztlichen Fähigkeiten des Doktors ähnlich ansprechend sind, wie die fotografischen, dann müsste es mit der iPraxis sogar funktionieren. [Ambulante Versorgung]
Ärzte - Umsatz - IGeL Kein politisches Magazin im deutschen Fernsehen ohne den obligatorischen Beitrag zu Medizin und Pharma. Letzte Woche hatte sich [plusminus dem Thema IGeL (individuelle Gesundheitsleistungen) angenommen (mit videostream). Ein Milliardengeschäft. Liegt doch der durchschnittliche Umsatz mit diesen Selbstzahlerleistungen bei Vor diesem Hintergrund klingt die Kritik der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) eher hilflos. [IGeL]
Wimpernwunder bei Glaukompatienten Allergan? Kennt kaum jemand. Botox, das bekannteste Produkt des Pharmakonzerns kennt jeder. Seit Anfang der 80er Jahre zur medizinischen Behandlung eingesetzt, hat erst die kosmetische Wirkung gegen Falten den Umsatz gebracht. Der stieg von $5 Millionen im Jahr 1993 auf $1 Milliarde im Jahr 2006. Nun soll eine weitere kosmetische Anwendung eines Medikaments bei Allergan die Gewinne beflügeln. Lumigan®, ein Medikament gegen Glaukom, soll Augenwimpern wachsen lassen. In den deutschen Fachinformationen ist als Nebenwirkung "Wachstum der Augenwimpern bei bis zu 45% im ersten Jahr" aufgeführt. Dass Prostaglandine diese Wirkung haben können, ist schon lange bekannt. Einige US-Kosmetikafirmen haben sich in die Grauzone begeben und Prostaglandine in ihre Wimpernwunderprodukte gemischt - ohne es zu deklarieren. Der Markt ist gigantisch. Die Wimpern-Produkte kosten rund $150 in den USA, während die Glaukom-Augentropfen für 30 Euro mit Rezept in Deutschland zu haben sind. Verständlich, dass Allergan da mitverdienen will. Am 7. November hat Allergan eine Patentklage gegen 7 Kosmetikunternehmen eingereicht. Alles im Dienste der Gesundheit, wie Allergan es als Statement zur Verantwortung formuliert For more than 50 years, Allergan has been committed to the health, well-being and safety of the people who put their trust in our products. Every day, we strive to find innovative solutions to complex medical conditions to fulfill this commitment. [Pharmamarketing]
Schlossmarketing In einem stillen Tal zwischen Garmisch und Mittenwald steht ein englisches Schloss. Darin kann man sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch abnehmen. Ganz leicht.
So beginnt ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, inklusive Direktverlinkung aus dem Text auf das Schlosshotel. Warum steht da nicht "Anzeige" drüber? Was bekommt der Verlag für diese Werbung? Oder die Journalistin?[Medien]
Nebenwirkungen Dr. Claudia Keller arbeitet in der Forschungsabteilung des weltweit tätigen Chemiekonzerns Beyler. Das Unternehmen setzt seine ganze Hoffnung in die Entwicklung eines revolutionären Lifestyle-Medikaments mit dem Namen Defaminol. Die Schlankheitspille verspricht den Konsumenten spielend leichtes Abnehmen. Kurz vor der Lancierung der neuen Wunderpille treten bei Claudia Zweifel über eventuelle Nebenwirkungen auf. Sie versucht die Geschäftsleitung zu überzeugen, das Medikament noch zurückzuhalten. Aber niemand hört auf sie. Ein Alptraum von Lüge und Vertrauensverlust nimmt seinen Lauf, und Claudia Keller muss sich entscheiden, wie weit sie gehen will.
Wer nicht genug von solchen Geschichten kriegen kann: Heute Abend um 21:45 im Bayerischen Fernsehen.[Medien]
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