Avastin im „Off-Label-Use“ zulässig

Der Rheinische Merkur fasst in einem Artikel die Problematik um Avastin® und Lucentis® bei der Behandlung der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zusammen. Im Interview mit der Wochenzeitung beschreibt Klaus Lucke, Leiter der Bremer Augenklinik und beteiligt an der VIBERA-Studie die Haltung von Novartis gegenüber dieser Vergleichsstudie als "wohlwollende Duldung". Möglicherweise ein neuer Pragmatismus. Ähnliche unabhängige Vergleichstudien laufen in anderen Ländern, mit denen die Wirksamkeit des erheblich preiswerteren eigentlich für die Darmkrebsbehandlung zugelassenen Avastin® bei AMD auf eine evidenzbasierte Grundlage gestellt werden soll.

Zum Einlenken könnte sich Novartis zumindest in Deutschland auch durch ein aktuelles Urteil des Sozialgerichts Düsseldorf gezwungen sehen. Danach sind die im letzten Jahr von Krankenkassen mit Augenärzten vereinbarten Vorsorgungsverträge zulässig. Novartis hatte Augenärzte verklagt, die sich darin verpflichtet hatten, überwiegend Avastin bei AMD anzuwenden. Zwar sehe das Gesundheitsrecht vor, dass ein Medikament ohne Zulassung nur verordnet werden darf, wenn es kein wirksames Zugelassenes gibt, aber:
"Bei Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung spielt auch deren Stabilität eine grosse Rolle", so das Gericht.

Dies wirft ein neues Licht auf den vom Pharmakonzern mit dem Bundesverband der AOK vor 2 Wochen ausgehandelten Rahmenvertrag. Darin waren Arzneimittelkosten für die Behandlung mit Lucentis® in der Höhe begrenzt worden. Man darf auf Details zum Vertragsvolumen angesichts der möglicherweise geschwächten Position von Novartis gespannt sein.
 
[Avastin - Lucentis]
Autor: strappato   2008-07-04   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Champix®-Erfahrungen

Schon wieder Champix®.

Der Gründer und künstlerische Leiter des Annoyance Theatre in Chicago, Mick Napier, berichtet in drastischen Worten über seine Erfahrungen mit dem Medikament:
You see anything and you think, Okay, how can I kill myself with that? Thirty, 40 times a day.
Rund einen Monat nach Beginn der Einnahme erlitt er einen psychotischen Anfall und setzte das Medikament ab.

Ein halbes Jahr später fühlt er sich noch erheblich beeinträchtigt und kaum in der Lage, seinen beruflichen Tätigkeiten nachzugehen.
What also happens is that everything around me smells like black poison, whatever that means to you. It essentially smells like burnt shit. So most of the time, if I sit down to eat or go to the theater, everything smells like burnt shit for 15 minutes or so.

 
[Champix]
Autor: hockeystick   2008-07-04   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pfizer täuscht die Öffentlichkeit über Champix®-Selbstmorde

Seit Herbst 2007 ist das Pfizer-Medikament Champix® (in den USA Chantix®) zur Raucherentwöhnung wegen seiner schweren Nebenwirkungen bei gleichzeitig bescheidener Wirkung öffentlich unter Beschuss geraten. Besonders Berichte über zahlreiche Suizide und Suizidversuche unter Champix® haben die Pfizer PR-Strategen in die Defensive getrieben. Wir haben die Entwicklung hier im Blog mit einigen Artikeln begleitet.

Die Verteidigungslinie von Pfizer stand früh fest. Neben einigen handfesten Lügen über den Verlauf der klinischen Studien behauptete Pfizer - zunächst Hand in Hand mit den zuständigen Zulassungsbehörden - Raucherentwöhnung führe generell zu einer gedrückten Stimmungslage. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme des Medikaments und den Suiziden sei deshalb nicht belegt.

Diese Argumentation war schon dadurch unschwer zu widerlegen, dass Champix®-Anwender erst in der zweiten Woche der Einnahme mit dem Rauchen aufhören sollen, die Nebenwirkungen aber oft schon nach wenigen Tagen beobachtet wurden. Darauf wies auch die FDA hin, die im Mai 2008 eine Verschärfung der Warnhinweise durchsetzte.

Das hielt Pfizers Chief Medical Officer Dr. Joseph Feczko im Juni nicht davon ab, in einem Editorial des Wall Street Journals erneut mit Nebelkerzen zu werfen:
For example, did the person report a depressed mood because they were undergoing nicotine withdrawal? Did they smoke because they were depressed – or was their depression caused by Chantix?

In einem ausgezeichneten Artikel beleuchtet der Raucherentwöhnungsexperte John R. Polito die Schwächen dieser Argumentation. Polito betreibt das Internetportal Whyquit.com, das den "kalten" Nikotinentzug ("cold turkey") unter fachlicher Anleitung propagiert.
According to the U.S. Surgeon General, "historically, the great majority of smokers (more than 90 percent) who successfully quit smoking did so on their own." Today there are 45.7 million U.S. ex-smokers. If Pfizer and Dr. Feczko are correct and suicidal thinking and suicide are a normal part of quitting smoking, then where are the hundreds of news stories about cold turkey quitters killing themselves? You have probably never read one. Search as you might, I doubt you'll locate any.

[...]

Although Pfizer is correct in asserting that smoking is associated with suicide, it knows there is no evidence that quitting smoking without using pharmacology products is associated with suicide. What it hopes is that smokers and journalists won't recognize the difference.

Yes, millions with serious mental health issues smoke cigarettes. But how many smokers on the brink of committing suicide will endure full-blown nicotine withdrawal in hopes of extending life?

The fact that Pfizer has been unable to produce even one news account of any non-pharmacology quitter being driven to committing suicide is fully supported by medical research databases. PubMed may be the world's largest free searchable database of summaries (abstracts) of articles, studies and editorials appearing in the world's medical journals. It indexes 15,096 smoking cessation articles and 45,860 suicide articles. But a simple search of "smoking cessation" + "suicide" will not produce a single medical journal report of suicide by any non-pharmacology quitter. None. Why?

Polito führt zahllose Fallberichte aus Internetforen auf und liefert auch den Ansatz einer Erklärung, warum gerade der Entzug mit Champix® (Vareniclin) so häufig mit suizidalem Verhalten verbunden ist:
Could it be that the reason there are no news stories or medical journal articles about cold turkey quitters killing themselves when quitting is that non-pharmacology quitters always have an immediate escape route, a route blocked by varenicline's nicotine blocking effects and 24 hour elimination half-life? Could it be that as varenicline's captive prisoner to escalating depression, that the minds and thinking of far too many varenicline users saw only one way to make it end?

 
[Champix]
Autor: hockeystick   2008-07-03   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Kartellamt will gegen Pharma-Fortbildungen vorgehen

Die ärztlichen Standesorganisationen haben sich noch nie daran gestört, dass sich sogenannte Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte - abgesehen von der Qualität der Verpflegung - kaum von Kaffeefahrten unterscheiden. Der Unterschied: Während bei Kaffeefahrten die Vorzüge von Heizdecken und Wunderpillen angepriesen werden, geht es bei Fortbildungsveranstaltungen ausschließlich um Wunderpillen.

Eine moderne Variante dieser Kurse sind Internet-Fortbildungen. Auch diese werden den Ärzten von Seiten der Pharmaindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Arzt erhält vom Sessel aus die benötigten Fortbildungspunkte und lernt ganz nebenbei die Vorteile neuer, innovativer Präparate kennen.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung regt sich gegen diese Praxis nun Widerstand von unerwarteter Seite:
Das Kartellamt stört sich daran, wie Ärzte durch Schulungen der Industrie beeinflusst würden und will daher die Marktmacht der Pharmakonzerne begrenzen. Die kostenfreien Kurse der Industrie verdrängten unabhängige Schulungsanbieter, heißt es in dem Schreiben. "Es ist eine Marktverstopfung eingetreten."Auf dem Fortbildungsmarkt hatten sich seit der Gesundheitsreform gut ein Dutzend unabhängiger Schulungsanbieter etabliert. Bis auf zwei Firmen hätten alle aufgeben müssen, sagt ein Insider.

Schuld daran seien auch die Landesärztekammern, die als Zertifizierer ihre marktbeherrschende Stellung "missbräuchlich ausgenutzt" hätten, meint das Kartellamt. Es fordert daher die Bundesärztekammer und die 17 Länderkammern auf, Fortbildungen mit eindeutigen Produktempfehlungen nicht mehr zu genehmigen und "bereits erteilte Zertifizierungen zu entziehen".

 
[Pharmamarketing]
Autor: hockeystick   2008-07-02   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Stiftung Warentest rät zur Vorsicht bei Evra®



Die FDA hat ein Video auf youtube veröffentlicht, in dem die US-Arzneimittelbehörde auf das erhöhte Risiko für von Thrombosen beim Östrogen-Pflaster Ortho Evra® gegenüber den üblichen oralen Kontrazeptiva hinweist. Es datiert von April 2008 und berichtet über die Ergebnisse einer klinischen Studie, in der der Zusammenhang ein weiteres Mal gezeigt worden war. In den USA sind die Fachinformationen entsprechend angepasst worden.

Die enthaltenen Östrogenmengen der US-Variante und der des in Europa verkauften Pflasters unterscheiden sich geringfügig. Janssen-Cilag, die deutsche Tochterfirma der Pharmakonzerns Johnson & Johnson (J&J), steht auf dem Standpunkt, dass es sich bei Evra® um ein gänzliches anderes Produkt als das amerikanische handele. Doch die tägliche Hormonabgabe ist laut Herstellerangaben für beide Evras genau gleich. Bei beiden sollen 20 Mikrogramm Östrogen täglich direkt ins Blut gehen. Der WDR hatte im April 2006 einen aufschlussreichen Beitrag gesendet, in dem auch Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber des Informationsdienstes Arznei-Telegramm, seine Bedenken zu dem Verhütungspflaster äusserte.

In der aktuellen Juli-Ausgabe ihrer Zeitschrift "test" hat die Stiftung Warentest die Leserinnen informiert und zur Vorsicht geraten, insbesondere bei Frauen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Thrombosen haben. Ein besser einzuschätzendes Risiko hätten Verhü­tungsmittel zum Einnehmen.
Empfehlenswert: Niedrigdosierte „Pillen“ mit lange bewährten Standardgestagenen wie Levonorgestrel, kombiniert mit einer geringen Östrogenmenge. Das Risiko dieser Gestagene ist gut bekannt, steht in einem akzeptablen Verhältnis zum Nutzen.

In den USA steht J&J im Verdacht, die mit dem Pflaster verbunden Gesundheitsrisiken verschwiegen und Daten zurückgehalten bzw. manipuliert zu haben.
 
[Evra]
Autor: strappato   2008-07-02   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Vaginaverengungsschleichwerbung

Das Bildblog hat aufgeschrieben, wie sich die BILD-Zeitung in bemerkenswerter Weise für die kommerziellen Belange der Münchner Klinik "Sensualmedics" von Prof. Stefan Gress einsetzt.
 
[Journalismus]
Autor: hockeystick   2008-07-02   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Deutsches Ärzteblatt verschweigt den Fall Eberhard S.

Der unrühmliche Abgang des deutschen Diabetes-Papstes Professor Eberhard S. ist kein Thema für das Deutsche Ärzteblatt. Auch in der Ausgabe vom 27.6. findet sich kein Wort zu den Vorgängen.

Bislang war die Beziehung zwischen dem industriefreundlichen Professor und der offiziellen Publikation der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung weniger distanziert. Eberhard S. ist in den vergangenen Jahren rund 15 Mal im Deutschen Ärzteblatt zu Wort gekommen. Auch seine Wahl zum Präsidenten der Deutschen Diabetes Union (DDU) war dem Blatt noch eine Meldung wert.

So nimmt das Ärzteblatt seinen Lesern allerdings auch die Möglichkeit, sich nötigenfalls selbst noch rechtzeitig mit einem Rechtsbeistand in Verbindung zu setzen.
 
[Journalismus]
Autor: hockeystick   2008-07-02   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 



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