Möglicherweise erhöhtes Melanom-Risiko bei Tysabri®

Im New England Journal of Medicine (NEJM) berichten Ärzte von zwei Fällen, in denen sich nach Therapie mit Tysabri® ein malignes Melanom entwickelt hat.

Der monoklonale Antikörper Natalizumab von Biogen Idec wird zur Behandlung von Multiple Sklerose eingesetzt. Tysabri® war kürzlich von der FDA auch für Morbus Crohn zugelassen worden. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hatte im Juli 2007 wegen nicht ausreichender Daten zur Wirksamkeit diese Zulassungserweiterung pdf-Dateiabgewiesen.

Es wäre das zweite Mal, dass Tysabri® durch schwerwiegende Komplikationen auffällt. Im Februar 2005, drei Monate nach Zulassung in den USA musste das Produkt vom Makt genommen werden, nachdem drei Patienten in klinischen Studien eine seltene virale Infektion des Gehirns, progressive multifokale Leukenzephalopathie, erlitten. Seit Juni 2006 konnte Tysabri® mit entsprechenden Warnhinweisen wieder vertrieben werden.

Die im NEJM geschilderten Fallberichte könnten keine Einzelfälle darstellen. Das Internetportal Health Day berichtet, dass ein Teilnehmer in einer früheren Studie nach der ersten Gabe von Natalizumab ein Melanom entwickelt hat und daran verstorben war.

Einstweilen rät Dr. John Thomas Mullen, ein Autor des Fallberichtes im NEJM, zur Vorsicht
Doctors should ask for a family history of melanoma and do a quick skin check.

 
[Tysabri]
Autor: strappato   2008-02-10   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Churnalisten


Die Journalisten seien im „professionellen Käfig“ ihrer „Nachrichtenfabriken“ gefangen und zu „Churnalisten“ verkommen (nach „to churn out“: auswerfen).

Die FAZ stellt Flat Earth News vor, ein Buch des Journalisten Nick Davies vor, das mit der britischen Qualitätspresse abrechnet.

"Ich war gezwungen, mir einzugestehen, dass ich in einer korrumpierten Profession arbeite", lautet Davies’ Fazit. Er sehe in der Qualitätspresse – aber auch im Rundfunk – Nachrichten, die vom gleichen Kaliber seien wie die, dass die Erde eine Scheibe sei.

Trifft wohl nicht nur auf die Medien im Vereinigten Königreich zu.
 
[Journalismus]
Autor: strappato   2008-02-10   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Lipitor®/Sortis® hilft nicht beim Rudern

Dr. Jarvik, in den USA bekannter Miterfinder eines Kunstherzens, der in Spots für Pfizer als Arzt auftritt, jedoch keine Lizenz zum Praktizieren hat, erhielt dafür 1,35 Millionen Dollar. Das in den Ruderszenen eines Spots eingesetzte Double, ein Profi-Fotograf und begeisterter Ruderer, sicher weniger. Lipitor® hilft anscheinend nicht beim Rudern.

Damit hat Pfizer einen nicht unbedeutenden Teil der 258 Millionen Dollar, die insgesamt von Januar 2006 bis September 2007 in den USA in die Werbung für den Cholesterinsenker Lipitor® (in Deutschland Sortis®) gesteckt worden sind, für Jarvik ausgegeben. Pfizer hatte Unterstützung durch bekannte Gesichter nötig: Die Kampagne mit Jarvik wurde gestartet, da der ärgste Konkurrent von Lipitor®, Zocor® von Merck & Co. (Wirkstoff Simvastatin), durch Patentablauf als preiswertes Generikum auf den Markt kam.

Leserbriefe in der NY Times lassen vermuten, dass die Wirkung von Testimonials in der Pharmawerbung überschätzt wird.
How disillusioning to read that Dr. Robert Jarvik is not the person rowing energetically across a lake! Watching the commercial inspired me to buy an expensive rowing machine for dry land. How can we accept the authenticity of Lipitor’s effectiveness when the manufacturer and a doctor deceive us with their commercial?

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2008-02-10   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 


 

Brisante Themen zu kompliziert für Journalisten

Die Initiative Nachrichtenaufklärung identifiziert jedes Jahr die Top 10 der gesellschaftlich brisanten Themen, die die deutschsprachigen Medien unter den Tisch fallen lassen:
Ein Hauptgrund für die Vernachlässigung relevanter oder brisanter Themen sei, dass sie zu kompliziert sind und nicht in kurzer Zeit recherchiert und in kurzer Form verständlich dargestellt werden können, sagte Jury-Mitglied Peter Ludes von der Jacobs University Bremen. "Das ist eine Kosten-Nutzen-Analyse." Journalisten stünden unter enormem Zeitdruck. Gleichzeitig litten sie unter dem Druck von Anzeigenkunden oder auch von Unternehmen und Lobbyisten, die die Berichterstattung über heikle Nachrichten mit Prozessandrohungen verhinderten.

Themen wie der jüngst von den deutschen Medien ignorierte Zyprexa-Skandal mit Tausenden von Opfern und Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe sind offenbar so kompliziert, dass sie auch von der Initiative Nachrichtenaufklärung nicht in kurzer Zeit recherchiert werden konnten. Das Thema "Gesundheitlicher Verbraucherschutz und Patientenrechte" schaffte es zuletzt 1998 in die Top 10 der vernachlässigten Themen.
 
[Journalismus]
Autor: hockeystick   2008-02-08   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

TK für Kontrolle der Arzneimittelmuster

5,5 Milliarden Arzneimittelmuster könnten die Pharmaberater theoretisch jedes Jahr in Deutschlands Praxen abgeben. Diese Zahl nahm das "Wissenschaftliche Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen" (WINEG) zu Anlass, in einem pdf-DateiPositionspapier sich mit dieser Form des Pharmamarketings zu beschäftigen.

Nach dem Arzneimittelgesetz ist nur die Abgabe von zwei Ärztemuster (kleinste Packungsgröße) pro Jahr und Arzt erlaubt. Dabei zeigen manche Pharmaberater und Unternehmen mathematische Schwächen.

Das WINEG schlägt vor, die Musterabgabe zeitlich auf die ersten zwölf Monate nach der Zulassung des Medikamentes zu begrenzen.

Ein weiterer Punkt, der für eine stärkere Kontrolle der Ärztemusterabgabe spricht: Arzneimittelmuster werden meist von Pharmavertretern in die Praxen geliefert und sind so den Qualitätskontrollen für die Lagerung und dem Rückrufsystem entzogen. In der Pharmaaussendienst-Szene gibt es den Spruch: Woran erkennt man einen Pharmaberater? Daran, dass er sein Auto auf der Strasse stehen hat, weil der die Garage für die Medikamentenmuster braucht.
 
[Pharmaaussendienst]
Autor: strappato   2008-02-08   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Cholesterin-Debatte in den USA hält an

Sinn und Unsinn einer medikamentösen Cholesterinsenkung sind weiterhin Thema in den amerikanischen Medien. Nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der gescheiterten ENHANCE-Studie war die Debatte ausgebrochen, in der auch der Nutzen der in den USA bislang stets als Allheilmittel und Jungbrunnen gehandelten Statine hinterfragt wird.

In Deutschland findet das Thema bestenfalls als Störfaktor für erwartete Kursgewinne von Pharma-Aktien in den Börsentickern Erwähnung. Drei aktuelle Artikel, die man in dieser Qualität vom deutschsprachigen Medizinjournalismus nicht erwarten kann:

International Herald Tribune: What's cholesterol got to do with it?

CNN Money: Cholesterol skeptics have their day

Chicago Tribune: Jury still out on statin benefits
 
[Ezetrol]
Autor: hockeystick   2008-02-08   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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