Die Pharmaindustrie will nur das Beste

Mal eine erfrischende Meinung:

Paul H. Rubin, Professor für Wirtschaft und Recht an der Emory University in Atlanta, plädiert bei forbes.com für ein uneingeschränktes Marketing durch den Pharmaaussendienst. Bestrebungen, den Wert von Geschenken an Ärzte zu beschränken oder anderen Restriktionen in der Beziehung der Pharmaindustrie zu den Ärzten erteilt er eine klare Absage.

Begründung: Die Pharmaberater unterstützen den Arzt beim Bewältigen der Massen von neuen Informationen und Studien. Forschung und Marketing sind beides Aktivitäten mit dem Ziel der Information. Wenn die Pharmakonzerne nicht mehr effektiv Marketing betreiben dürfen, hat das negative Auswirkungen auf die Investitionen in Forschung. Im übrigen ist die Vielfalt der Informationsquellen gewahrt, da der Arzt mit mehreren Pharmareferenten Kontakt hat.

Was die Vorwürfe angeht, dass der Pharmaaussendienst Schuld daran ist, dass Ärzte teure Medikamente gegenüber preiswerteren Generika bevorzugen, wiederholt Rubin die Standardantwort der Pharmaindustrie: Innovative, Patent geschützte Präparate kosten zwar mehr, aber sparen Ausgaben durch bessere Wirksamkeit und damit seltenere Arztbesuche und Krankenhauseinweisungen.
A recent report shows that the life expectancy of Americans is at its highest level ever and will continue to increase. It is truly amazing that this society keeps coming up with ways to demonize and penalize an industry that has provided us with so many benefits.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Eigentlich müsste man eine neue Rubrik "Märchen und Mythen" aufmachen.
 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2008-02-13   Link   (3 KommentareIhr Kommentar  



 

Avastin® gegen Brustkrebs: Presse jubelt zu früh

Positive Studienergebnisse für neues Medikament -
Roches "Avastin" erhöht in Kombination mit Docetaxel-Chemotherapie Überlebenschancen bei Frauen mit Metastasen.
Das berichtet heute die österreichische Zeitung "der Standard" und stützt sich dabei auf eine Reuters-Meldung.

Das wäre tatsächlich ein Anlass zur Freude. Genau das hat die fragliche Studie jedoch nach allem was wir wissen nicht gezeigt. Gemeldet wurde lediglich eine Verlängerung des "progressionsfreien Überlebens". Zu der Fehlinterpretation dieses Surrogatparameters durch Journalisten habe ich schon an anderer Stelle im Zusammenhang mit einer Reuters-Falschmeldung zu Erbitux® etwas geschrieben.

Die FDA sieht bislang davon ab, Avastin® für die Behandlung von Brustkrebs zuzulassen. Das ungünstige Nebenwirkungsprofil und das Fehlen eines Nachweises einer Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit der Patientinnen wird voraussichtlich dazu führen, dass auch die neue Studie an dieser Einschätzung nichts ändert.
 
[Arzneimittel]
Autor: hockeystick   2008-02-13   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

IQWiG - formale Fehler aber keine Vetternwirtschaft

Viel Aufregung, wenig Substantielles - dieses Fazit kann aus den Untersuchungen zum Verdacht der Vetternwirtschaft gegen das IQWiG und seinen Leiter Peter Sawicki gezogen werden.

Von den 71 Vergaben seit 2004 sind sechs von den Prüfern als kritisch bewertet worden. Drei davon gingen über den Umweg der Universität Graz an das Deutsche Institut für evidenzbasierte Medizin (DIeM), an dem Sawickis Ehefrau beteiligt ist.

Was das Handelsblatt nicht von der Diagnose "Ein Herzstück der rot-grünen Gesundheitsreform droht im Korruptionssumpf zu versinken" abhält. Peter Thelen sieht in seinem Artikel den "Klüngel-Verdacht im Kern bestätigt", muss im zweiten Teil einräumen, dass die BDO-Prüfer in keinem der beanstandeten Fälle Anzeichen dafür, dass Sawicki oder seine Frau von der Auftragvergabe Vorteile hatten oder auf Forschungsergebnisse Einfluss genommen wurde, fanden. Auch seien keine anderen Bewerber benachteiligt worden. In der Hoffnung, dass die meisten Leser nicht so weit kommen.

Der Fall hat ein wichtigen Aspekt in die Öffentlichkeit gebracht. Alle neutralen Bewertungen fussen darauf, dass es fachlich qualifizierte und wirtschaftlich unabhängige Gutachter gibt. Angesichts des vielfältigen Einflusses der Pharmaindustrie darf man daran zweifeln. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, stellte fest, dass unterm Strich sechs bis acht Einrichtungen blieben, die man mit neutralen Expertisen beauftragen könne.
Wir sehen, dass das IQWIG zunehmend Probleme hat, im deutschsprachigen Raum geeignete Auftragnehmer zu finden, auch weil sich viele am finanziellen Tropf der dem IQWIG feindlich gegenüber stehenden Industrie hängende Forschungseinrichtungen aus Furcht Geld zu verlieren, verweigern.

 
[IQWiG]
Autor: strappato   2008-02-13   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Seitenwechsel - von Selbsthilfe zu Pharmakonzern

Die langjährige Geschäftsführerin des Bundesverbands der Angehörigen psychisch Kranker (BApK), Margit Golfels, hat eine neue Aufgabe gefunden. Als nationale Patientenbeauftragte des Pharmakonzern Wyeth soll sie dafür Sorge tragen, dass beispielsweise die pdf-DateiLeitlinien des Unternehmens umgesetzt werden.

Da wartet noch viel Arbeit. Wyeth verpflichtet sich darin zu transparenter und öffentlicher Kooperation. Es soll eine Liste mit den Organisationen veröffentlicht werden, mit denen der Konzern zusammenarbeitet. inkl. den Gegenstand der Kooperation. Von den 35 Empfängern von Sponsorengeldern 2006 hat eine Organisation die Veröffentlichung verweigert, von 11 weiteren liegt Wyeth keine Genehmigung zu Veröffentlichung vor. Auf der Liste vermisse ich auch den BApK. Die Zusammenarbeit mit dem Verband, in dem die Wyeth-Patientenbeauftragte als Geschäftsführerin tätig war, wird von Wyeth in Unternehmensbroschüren besonders hervorgehoben.
 
[Selbsthilfe]
Autor: strappato   2008-02-13   Link   (2 KommentareIhr Kommentar  



 

Fette Umsätze mit Schlankheitsmitteln

Wie hart am Diät-Markt gefochten wird, zeigen Enthüllungen eines ehemaligen Verantwortlichen für Zulassungen beim Pharmakonzern Roche in Grossbritannien. Wie die Financial Times berichtet hat Roche grosse Mengen der Diät-Pille Xenical® an eine Abspeck-Klinik geliefert, obwohl bei internen Untersuchungen der Verdacht aufkam, dass die Medikamente in den Schwarzmarkt abfliessen.

Roches Geschäftspartner, Robin Huxley, war weder ein Arzt noch Apotheker - Roche hat da auch nicht nachgefragt. In kurzer Zeit war er für einen Grossteil der Umsätze mit Xenical ausserhalb des staatlichen Gesundheitssystems NHS verantwortlich. Der Pharmakonzern hat Huxley mit der Aussicht auf steigende Verkäufe sogar mit 55.000 Pfund bei der Übernahme einer weiteren Diät-Klinik unterstützt.

In einer Stellungnahme erklärt Roche, Opfer krimineller Machenschaften geworden zu sein und keine privaten Diät-Kliniken mehr direkt zu beliefern.
 
[Orlistat]
Autor: strappato   2008-02-12   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Gesundheitswesen in China

Boomland China. Über die chinesische Wirtschaft wird viel geschrieben. Wie das Gesundheitswesen aussieht, dringt kaum bis nach Europa vor. Einen Überblick gibt das Paper von Jens Leth Hougaard, Lars Peter Østerdal und Yi Yu vom
Department of Economics der Universität Kopenhagen:
pdf-DateiThe Chinese Health Care System: Structure, Problems and Challenges.
 
[China]
Autor: strappato   2008-02-12   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Hot, hot, hot



Basketballstar Shaquille O'Neal wirbt für Icy Hot, ein Wärme-Pflaster. Ist nur was für echt heisse Typen. So heiss, dass sich Patienten Verbrennungen 1., 2. und 3. Grades zugezogen haben. Der Hersteller hat einen Rückruf gestartet.
 
[Ausland]
Autor: strappato   2008-02-12   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Marketing 1.0

Wie läuft strategisches Online-Marketing in einem Medizintechnik-Unternehmen? Wie es sich der Marketing-Student im 2. Semester vorstellt. Man schickt eine Anja-Tanja vor und versucht per Serien-E-Mail die Relevanz der Internetseiten von Selbsthilfeverbänden abzuklopfen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Herr *** *** der Leiter unserer Abteilung New Media, führt eine Recherche zum Thema Communities für Menschen mit Behinderungen durch. In diesem Zusammenhang hat er mich gebeten die Besucherzahlen pro Monat/Jahr ihrer Website herauszufinden. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu einige Angaben senden könnten.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

*** ***

Corporate Communication

*** GmbH

 
[Pharmamarketing]
Autor: strappato   2008-02-11   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Frontenwechsel bei Biosimilars



In den USA wird - wie auch in Europa - kontrovers über die Zulassung von Biogenerika oder auch "Biosimilars", Nachahmer-Präparate, die auf den Patenten von biologischen/biotechnologischen Arzneimitteln basieren, diskutiert. In Europa sind Erythropoetin und Somatotropin bereits als Biosimilar auf dem Markt. Es geht um Milliardenumsätze, da in den nächsten Jahren weitere gentechnisch hergestellte Medikamente ihren Patentschutz verlieren.

Normalerweise sind die Fronten klar: Die Biotech-Entwickler und -Hersteller wollen die Latte möglichst hochlegen und verlangen, dass Nachahmer für Zulassungsanträge ausführliche vergleichende Daten zur Qualität sowie nicht-klinische und klinische Daten vorlegen, um zu zeigen, dass ein biologisches bzw. biotechnologisches Arzneimittel eines Nachahmers pharmazeutisch und klinisch im Vergleich zu dem Originalprodukt äquivalent ist. Dies hat die EU umgesetzt.

Interessant ist das oben verlinkte youtube-video. Ein Wissenschaftler des Biotech-Unternehmens Insmed erklärt, warum Biosimilars gut für den Wettbewerb und die Patienten sind. Er fordert die Regierung in Washington zum Handeln auf, um die Zulassung preiswerter Biosimilars zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs, MS oder Nierenerkrankungen zu ermöglichen.
 
[Biologicals]
Autor: strappato   2008-02-11   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Reaktion auf Enbrel-Artikel

Schnelle Reaktion. Wyeth liest anscheinend hier mit. Die Internetseite enbrel.at ist offline. Die Österreich-Vertretung des Pharmakonzerns Wyeth hatte dort ohne Zugangsschutz Marketing-Informationen über das Medikament Enbrel® angeboten.

Nun verweist die Seite auf http://www.comebackinsleben.at/
Um Sie auf dem Laufenden zu halten und Ihnen immer die neuesten Informationen bieten zu können, haben wir unsere Website verlagert.

 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2008-02-11   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 



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