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Experten reinterpretieren ENHANCE-Ergebnis für MSD Auf einer von MSD "unterstützten" Veranstaltung durften nicht ganz unerwartet die Lipidsenkungsspezialisten Professor Jürgen Schäfer von der Uni Marburg, Privatdozent Dr. Ulrich Laufs aus Homburg und der Lipid-Liga-Vorsitzende Professor Achim Weizel den Ärzte-Zeitungs-Redakteuren ihre Interpretation der gescheiterten Enhance-Studie in die Feder diktieren. Nach den bisher bekannten Ergebnissen der lange von den Herstellern vertuschten Studie hat die zusätzliche LDL-Senkung durch den Wirkstoff Ezetimb (Ezetrol® bzw. Inegy®) tendenziell sogar zu einer verstärkten Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen geführt. Ganz offensichtlich war also die LDL-Senkung mit dem teuren Medikament in dieser Studie ohne jeden Nutzen für die Patienten, was in Teilen der Fachwelt für Erstaunen gesorgt hat. Keine Zeitung versteht es so gut wie die Ärzte Zeitung, ihren Lesern solche Zusammenhänge schon in der Überschrift zu vermitteln. Und so titelt sie: "Auf die LDL-Senkung kommt es an". _ Üblicherweise werden für solche Anlässe nur zwei Experten benötigt. Dass hier noch ein dritter Experte zur Hilfe gerufen wurde, darf als Krisensignal gewertet werden. [Ezetrol]
Krankenversicherung als Hauptgewinn Der US-Staat Oregon verlost Krankenversicherungen für Bürger, die zwar arm sind und sich keine Krankenversicherung leisten können, aber nicht arm genug, um in das staatliche Medicaid-Programm aufgenommen zu werden. This is such a wonderful opportunity," said Ellen Pinney, director of the Oregon Health Action Campaign. "We've heard absolutely no complaints, just a lot of hope that they are the ones who will be selected."
ap[Ausland]
Broschürenschlacht um HPV-Impfstoff Gleich zwei Ankündigungen für neue Broschüren zum HPV-Impfstoff gab es in den letzten Stunden. Die Stadt Leverkusen teilt mit, dass sie in Schulen und Arztpraxen die Broschüre "Entscheidungshilfe für Eltern und Mädchen/junge Frauen" verteilt. Vermutlich entspricht diese etwa dem Ein "Aktionsbüro" mit dem Namen "tell someone" hält mit einer eigenen Broschüre, einer Pressemitteilung und einer Website (www.tellsomeone.de) dagegen, die einen wesentlich positiveren Eindruck der Impfung vermitteln. Was man beim Lesen der Pressemitteilung nur ahnt, findet sich erst in der Fußzeile der Website: Natürlich verbirgt sich hinter dem ominösen "Aktionsbüro" der Gardasil®-Hersteller Sanofi-Pasteur MSD. _ Noch besser getarnt ist der Auftritt des "Aktionsbüros" unter www.ichsagsweiter.de. Hier klärt erst ein Blick in das Impressum die Hintergründe auf. _ Nicht zu verwechseln ist das "Aktionsbüro" mit seinen Namensvettern vom äußersten rechten Rand des politischen Spektrums. [HPV]
Alles Essig mit Ratiopharm? Das fragt der Tagesspiegel in seiner morgigen Ausgabe. Und er bezieht sich dabei auf eine noch nicht veröffentlichte Studie des Verhaltensökonomen US-Forscher fanden nämlich heraus, dass – bitte hinsetzen – teure Medikamente besser wirken als billige, wenn der Patient nur weiß, dass seine Pillen, Drops, Dragees die teureren sind. Und das – bitte hinlegen – selbst dann, wenn weder in dem teuren, noch in dem billigen Präparat ein Wirkstoff enthalten ist. Kurz: Je Preis desto Wirkung kraft Einbildung. Bei Cornelia Yzer dürften bereits die Champagnerkorken knallen. Zu früh gefreut. Der Tagesspiegel sieht noch eine Alternative zu Originalpräparaten: Medikamente mit Tarnpreisen auszeichnen, die den eigentlichen bei weitem übersteigen, und die ergaunerte Marge irgendwohin überweisen. An die Kassen, die Hersteller, das Ministerium, weg damit nach Liechtenstein.
_Update 5.3.: Heute ist die Studie erschienen: JAMA Vol. 299 No. 9, March 5, 2008. [Wissenschaft]
Tamiflu®: Roche warnt vor neuropsychiatrischen Nebenwirkungen Roche hat auf Druck der FDA vor psychiatrischen Nebenwirkungen bei der Therapie mit Tamiflu® (Wirkstoff Oseltamivir) gewarnt. In einem Erste Indizien gab es schon vor 2,5 Jahren. Zuletzt hatte die Aufsichtsbehörde in Japan die Verschreibung an unter 19-Jährige untersagt. Roche hat einen Zusammenhang mit der Tamiflu-Einnahme immer bestritten und vor einem Jahr in Europa die Zulassung von Kapseln mit geringerer Dosierung, die speziell für die Behandlung von Kindern gedacht sind, beantragt. [Arzneimittel]
Kennzeichnungspflicht bei Kassenärzten Die Ärzte Zeitung weist auf die Änderung des Bundesmantelvertrags (BMV) hin (nur für Facgkreise online). Der Bisher hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bei fachgleichen Praxen nicht gemerkt, wenn ein Partner weniger als die vorgeschriebenen 20 Stunden/Woche tätig war, etwa wenn sich der Seniorpartner sich dem Golf zuwandte. Durch die Angabe der Artznummer wird das nun transparent. Praxen, die ausgelagerte Untersuchungs- und Behandlungsräumen dürfen dort kein Erstkontakt abrechnen. Beispielsweise müssen Radiologen, bei denen bestimmte Geräte nicht in den Praxisräumen stehen, nun den Patienten erst einmal in die Praxis bitten, um den Konsiliarkomplex abrechnen zu können. Ob das deutsche Gesundheitswesen damit einen grossen Sprung zu mehr Effizienz gelungen ist, bleibt fraglich. In jedem Fall ein weiterer Bürokratie-Stein, der den Kassenarzt langsam begräbt. [Ambulante Versorgung]
Rx geht weiter (Update) Eine weitere Folge von Update: Das eingebundene Video war Teil 6. Ist jetzt von den Produzenten berichtigt worden. -- Part 1 Part 2 Part 3 Part 4 Part 5 Part 6 [Rx]
Möglicher Abrechnungsbetrug bei Methadonprogramm Rund 1.000 Ärzte in ganz Deutschland verdächtigt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) des möglichen Betruges „oder der Schlamperei“ bei der Abrechnung der Heroinsubstitution mit Methadon. Das äusserte die Kasse gegenüber dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" vom 1. März. Allerdings beruht die Größenordnung des Verdachtes offenbar auf einer Schätzung. Die Kasse bezieht sich auf Unregelmässigkeiten, die die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen entdeckt habe, meldet das Ärzteblatt. In einer Pressemitteilung der AOK-Niedersachsen erläutert ein Vorstandsmitglied des IKK-Landesverbandes die Fälle. Nach einem konkreten Fall im Nordwesten sowie Auffälligkeiten auch in anderen Regionen Niedersachsens haben wir herausgefunden, dass eine Reihe niedergelassener Ärztinnen und Ärzte Rezepte für unerklärlich große Mengen der Ersatzdroge Methadon ausgestellt haben, häufig das Zwei- bis Dreifache der normalen Höchstdosis. Die Patientinnen und Patienten erhielten aber in Wirklichkeit deutlich geringere Tagesdosen. Mit dieser Masche brachten sich die beteiligten Mediziner in den Besitz beträchtlicher Mengen der Substanz, die sie dann, völlig unkontrolliert, an andere Süchtige abgaben, zum Teil sogar gegen Bezahlung und ausserhalb des Methadon-Programms. [Ambulante Versorgung]
Brachial-Werbung Ist schon ein Jahr alt: Die Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide versuchen im Stil von schlechten Privatfernsehen-Comedy dem Ärztemangel abzuhelfen. Ob das der richtige Weg ist, junge Ärzte zu werben? In jedem Fall der ethisch falsche. Als Patient würde ich mir meine Gedanken machen. Presseecho: Hamburger Abendblatt Ärzteblatt -- Soll ich das unter "Pharmakugelschreiber" abheften? [Pharmakugelschreiber]
Politikerträume Die Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan will Deutschland wieder zur "Apotheke der Welt" machen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung beklagte sie fehlende übergreifende Kooperationen zwischen Forschungsinstituten, Pharmakonzernen sowie kleinen und mittelständischen Firmen, die gemeinsam Medikamente entwickeln. SZ: Die Ergebnisse in der Biotechnologie sind aber tatsächlich bescheiden: Von den zukunftsträchtigen gentechnischen Arzneien stammt nur gut eine Handvoll aus Deutschland. Schavan: Deswegen brauchen wir ja die millionenschweren öffentlichen Investitionen als Mutmacher. Und wir brauchen einen langen Atem. Die Wirkung der Förderungen wird sich nicht in Tagen oder Wochen entwickeln. Wer den Pharmamarkt kennt, weiss, dass dies illusorisch ist. Aber für ein paar Fördermillionen bestärkt jedes Unternehmen die Politik im Glauben, es wäre was zu reissen. [Politik]
Industrienahe Psychiater warnen vor Antidepressiva-Verzicht In der Süddeutschen Zeitung und in der Ärzte Zeitung melden sich nun - wenig überraschend - Professoren zu Wort, die vor eine Überbewertung der jüngst veröffentlichten Antidepressiva-Studie warnen. Die Studie hatte erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) besonders bei leichten und mittelschweren Depressionen geweckt und vor allem in den britischen Medien Ebenso wenig überraschend, dass beide Professoren über finanzielle Verbindungen zu den Herstellern von Antidepressiva verfügen, und dass diese in den beiden Artikeln nicht thematisiert werden. Professor Ulrich Hegerl, der in der Süddeutschen Zeitung zu Wort kommt, äußert sich beispielsweise auf Pfizer-finanzierten Veranstaltungen wohlwollend über deren Produkte. Und auch Professor Hans-Jürgen Möller, der in der Ärztezeitung dazu rät, weiterzumachen wie bisher, taucht immer wieder mit verschreibungsfördernden Aussagen über die Produkte der jeweiligen Sponsoren auf pharmafinanzierten Symposien auf. Seien es Antidepressiva oder z.B. auch die umstrittene Diätpille Acomplia®. [Ethik & Monetik]
Simon Cowell erteilt Pfizer eine Abfuhr "Der englische Dieter Bohlen", Last year my agent rang me and said ’You’ve been offered an incredibly big (£1 million) deal. It’s to be the face of Viagra'. In einem Interview mit der britischen Zeitschrift "Glamour" gab er an, sich schwer beleidigt gefühlt zu haben. Wollte Pfizer die Zielgruppe für die Potenzpille altersmässig nach unten erweitern? [Pharmamarketing]
Kostenexplosion im US-Gesundheitswesen Eine Analyse in der NY Times, in der die Herausforderungen in der Gesundheitspolitik für den nächsten US-Präsidenten (oder die Präsidentin) beschrieben werden. Public opinion polls show broad support for federal action to cover the uninsured. But Robert D. Reischauer, a health policy expert and president of the Urban Institute, said, “It will be difficult for Senator Clinton and Senator Obama to retain popular support for their plans once the details are specified.” Danach wird klar, warum die Kandidaten bisher sich um Details drücken. [Ausland]
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