1000 Tage "Stationäre Aufnahme"

In eigener Sache: Heute ist das Blog 1000 Tage alt. Am 6. Januar 2006 erstellt, der erste Eintrag rund 2 Wochen später. In dieser Zeit sammelten sich 3717 Postings und Kommentare an. Das kann man ststistisch bei antville/blogger nicht trennen. Jedoch schätze ich, dass rund 2700 1900 davon Blogartikel sind.

Gelegenheit den Lesern zu danken und auch "hockeystick", der als Co-Autor seit November 2007 einen wichtigen Teil beiträgt. Und nicht zuletzt dem Bloghoster Dirk Olbertz.

Auf die nächsten 1000 Tage.
 
[heile Welt]
Autor: strappato   2008-10-02   Link   (5 KommentareIhr Kommentar  



 

Unabhängige Arzneimittelinformationen beabsichtigt

Aufgeschreckt durch die Pläne der EU, den Pharmaunternehmen direkte Informationsangebote über Arzneimittel an die Patienten zu erlauben, wollen wichtige Verbände und Selbstverwaltungsgremien im Gesundheitswesen gemeinsam eine "unabhängige, seriösen und konstruktive Arzneimittelinformation für Patienten" aufbauen. Die heute veröffentlichte Absichtserklärung wurde unterzeichnet von:
  • Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
  • Arbeitsgemeinschaft Gesundheitswissenschaften Universität Hamburg
  • Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK)
  • Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)
  • Bundesärztekammer (BÄK)
  • Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
  • Verband der privaten Krankenversicherung e.V.
  • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV)
... und vom Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (äzq), das seine Erfahrung gemacht hat, wie schwer es ist, "unabhängige" Informationen bereitzustellen.

Meine persönliche Einschätzung: Bei den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Verbände und Gremien, wird das nie was. Verbände, die nicht beteiligt sind, versuchen es auf eigene Faust und diskutieren das Thema auf einem Kongress.
 
[Arzneimittel]
Autor: strappato   2008-10-02   Link   (4 KommentareIhr Kommentar  



 

Risk-Sharing = Marketing

Das sind Marketing-Instrumente der Firmen, um teure und oft nur vermeintlich innovative Produkte im Markt zu platzieren.
Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, zu Risk-Sharing-Verträgen in der Apotheken Umschau.
 
[Arzneimittel]
Autor: strappato   2008-10-02   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Patientenverbände nicht transparent

Die englische Zeitung "The Independend" berichtet über die Beziehungen von Patientenverbänden und Pharmaunternehmen. In Grossbritannien waren einige Patientenverbände in den letzten Jahren gesundheitspolitisch sehr engagiert und hatten öffentlichen Druck gegen Entscheidungen des National Institute for Clinical Excellence (NICE) gemacht und Patienten mobilisiert. Das NICE ist vergleichbar mit dem deutschen IQWiG und legt auf Basis von evidenzbasierten Kriterien die Erstattung für neue Therapien fest. In Deutschland war ähnliches zu beobachten, beispielsweise hatte bei der Bewertung der Insulin-Analoga durch das IQWiG der Deutsche Diabetiker Bund massiv Lobbyismus betrieben.

Die Zeitung hat sich die Finanzierung der beteiligten Verbände angesehen und teils extreme Abhängigkeiten von den Pharmakonzernen gefunden. So organisierte die Arthritis and Musculoskeletal Alliance (Arma) ein Protestschreiben von 10 Professoren gegen die Beschränkung bei der Bezahlung von teuren gentechnisch hergstellten Arthritis-Medikamenten. Der Geschäftsführer musste einräumen, dass mehr als die Hälfte des Etats seines Verbandes von Pharmaunternehmen stammt.

Die im Artikel angesprochenen Probleme gibt es auch hierzulande. Zwar gibt es Verhaltensrichtlinien, sowohl auf Seiten der Pharmaunternehmen, als auch bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG Selbsthilfe), jedoch besonders kleinere Verbände lassen Transparenz bei der Finanzierung ihrer Aktivitäten vermissen. Nur selten kommunizieren die Patientenverbände detaillierte Summen und für welche Projekte und Aktivitäten die Gelder der Pharmaindustrie geflossen sind.

Während Pharmaunternehmen Zahlungen an Ärzte und Verbände vermehrt offenlegen, stösst diese Transparenz bei den Patientenvertretern oft auf Unverständnis. Wie bei Wyeth, wo von 16 Patientenorganisationen keine schriftliche Genehmigung vorlag, Informationen über Art und Umfang von Kooperationen zu veröffentlichen.
 
[Selbsthilfe]
Autor: strappato   2008-10-02   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Pfizer verabschiedet sich

Pfizer verabschiedet sich von der Weltmarktführerschaft. Der Pharmakonzern hat angekündigt, die Forschung und Entwicklung im bisherigen Kerngeschäft stark einzuschränken. In Anbetracht der auslaufenden Patente für wichtige Blockbuster in den nächsten Jahren, wie Lipitor®/Sortis®, dem mit über 12 Milliarden Dollar umsatzstärksten Medikament, war dies ein Spitzenplatz auf Zeit. Jedoch trauten Experten Pfizer zu, mit Fusionen und Übernahmen um den Verbleib in der Spitzengruppe zu kämpfen. Zuletzt gab es anhaltende Gerüchte über eine Übernahme von Bayer/Schering.

Nun hat das Pharmaunternehmen aktiv sich eine Schrumpfungskur verordnet. Pfizer will die Erforschung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Übergewicht, Knochenerkrankungen, Anemien, Magen/Darm, Leberfibrose, Muskelerkrankungen, sowie junge Entwicklungsprojekte einstellen. Alzheimer, Diabetes, Immunologie/Entzündungen, Krebserkrankungen, Schmerz und Psychosen (inkl. Schizophrenie) sind als prioritäre Felder identifizert worden. Pfizer geht den Weg zu Spezialtherapeutika, die ein niedrigeres Marketing-Budget und einfachere klinische Studien erfordern.

Schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter, die schon von den Sparprogrammen mit Einsparungen von 2 Milliarden Dollar gegenüber 2006 und Entlassungen gebeutelt werden. Zudem wird die nächste US-Regierung gezwungen sein, die Medikamentenausgaben herunterzudrücken, was auf dem grössten Pharmamarkt der Welt besonders Pfizer treffen wird.

Besonders zynisch sind in dieser Lage die Verlautbarungen der Manager. Forbes hat das E-Mail-Memo dokumentiert.
The new plan is entirely consistent with our growth strategies, including Our Path Forward and the Five Point Plan. It represents cross-divisional agreement on strategy for each DA [disease area], including long-term targets and metrics. We are confident that prioritizing our portfolio is the way to deliver value and provides clarity and direction for all managers and their teams.
"Growth strategy" ist da nicht zu erkennen. Nicht nur bei den betroffenen Forschern wird die Unsicherheit über die Zukunft bei Pfizer weiter wachsen.

Die Konkurrenz wird es interessiert zur Kenntnis nehmen. Pfizer war immer ein Trendsetter in der Branche. In den Konzernzentralen werden sicher neue Strategiediskussionen aufkommen.
 
[Pharmaindustrie]
Autor: strappato   2008-10-02   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Polypill zum Frühstück

Die Pille für alles kommt. Fünf Jahre nach der ersten im BMJ veröffentlichten Idee ist es soweit. In einer 12-wöchigen Studie wird eine "Polypill" gestestet, die vier Wirkstoffe (ASS, ein Statin, ein ACE-Hemmer und ein Thiaziddiuretikum) enthält und zur Prävention gegen Herz-Kreislauferkrankungen irgendwann jedem Bürger über 55 Jahren sozusagen zum Frühstück gereicht werden soll.

Medikalisierung der Gesellshaft, die dem indischen Pharmakonzern Dr. Reddy's (deutsche Tocher betapharm) Umsatz bringen soll, der das Medikament herstellt. Nach dem Bericht war es nicht so einfach gewesen, die vier Wirkstoffe in einer Tablette zu vereinen. Was trotz des Generika-Status dort auf ein Geschäft hoffen lässt. Der Aktienkurs von Dr. Reddy's Laboratories hätte es nötig. Die Aktie hat dieses Jahr 40% verloren und notiert am Rand des Tiefstkurses.
 
[Arzneimittel]
Autor: strappato   2008-10-01   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 

Medizinblogger - eine besondere Art

Bloggen über Gesundheit und Medizin ist ein schweres Geschäft - zum Leidwesen einiger Blogger.

Neben den sprachlichen Anforderungen kommen noch fachliche und nicht zuletzt ethische hinzu. Dies sollte sich bei näherer Betrachtung erfolgreicher Angebote niederschlagen.

Für die englischsprachigen Medizinblogs kann dies aus einer Studie gefolgert werden, die kroatische Wissenschaftler im Journal of Medical Internet Research veröffentlicht haben. Die Forscher um Ivor Kovic befragten 80 Blogger, die auf englisch über Medizin bloggen. Bei einer Suche in Technorati entdeckten die Forscher, dass nur 5713 Blogs das Tag "Medicine" hatten und eine kurze Überprüfung ergab, dass bei einigen dies nicht mal entfernt mit dem Inhalt übereinstimmte. Daher sind in der Studie als Grundgesamtheit Blogs ausgewählt worden, die in Medgadget für die Medical Weblog Awards nominiert waren, die im handverlesenen Verzeichnis Medlogs oder bei Trusted.MD geführt sind oder Eingang in das Yahoo! Diretory gefunden haben. Also eine Auswahl, die Qualität versprach und reine copy-and-paste-Kommerzblogs oder SEO-Blogs, wie sie bei Gesundheitsthemen oft zu finden sind, ausschloss. Aber auch hier war die Anzahl von Blogleichen hoch. 46% der Blogs waren nicht mehr vorhanden oder inaktiv und das letzte Posting lag 1-2 Jahre zurück.

Ein paar Highlights:
  • Die Blogger sind relativ alt im Verleich zu den bekannten Blogger-Statistiken. 78% sind über 30 Jahre alt.
  • Sie sind gut ausgebildet. 71% haben einen Master- oder Doktorabschluss, 34% sind Ärzte.
  • Sie sind Fachleute. 70% arbeiten im Gesundheitswesen oder Pharmazie, 54% haben schon wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.
  • Sie bloggen als Hobby. 80% bevorzugen es von zuhause zu bloggen, Geldverdienen mit Blogs oder Kontaktpflege spielt als Ziel kaum eine Rolle (soviel zum beklagten Thema Vernetzung), 25% bloggen unter einem Pseudonym.
  • Die Blogs haben impact. Auf 66% sind andere Medien Aufmerksam geworden.
  • Trotz des fachlichen Hintergrunds benötigt das Blog viel Zeit. Bei 42% sind dies 1-5 Stunden in der Woche, bei 36% sogar mehr als 6 Stunden pro Woche.
  • Sie sind "Überzeugungstäter". Hauptmotivation ist Wissen zu teilen (74%), andere zum Umdenken zu bewegen (56%) und andere zum Handeln zu bringen (48%).
  • Zum in Deutschland beliebten Thema "Blogger vs. Journalisten" - Sie behandeln Informationen besser als Journalisten. 91% verlinken Originalquellen oft, 59% investieren oft extra Zeit zum Fach-Checking, 51% zitieren oft Personen oder Medien, 29% korregieren oft mögliche Fehler direkt. Wenn man die Antworten für "manchmal" dazunimmt, sind es jeweils über 90%.
Interessanterweise war nur bei 59% der Blogs in der Grundgesamtheit eine E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular angegeben. Die Möglichkeit zum Kommentieren wird wohl von einem grossen Teil der Medizinblogger als ausreichend für die Kommunikation mit den Lesern angesehen.

Die Autoren stellten fest, dass sich die befragten Medizinblogger, wenn man es mit anderen wissenschaftlichen Blogger-Untersuchungen vergleicht, sehr von anderen Bloggern bei der Motivation fürs Bloggen und dem "impact" des Blogs ausserhalb der Blogosphäre unterscheiden.

Die Studie bestärkt meine Meinung, dass Bloggen über Medizin und Gesundheit ein hartes Stück Arbeit ist. Sozusagen die Elite der Blogger ;-)

Wenn ich meinen Kommentar in der oben verlinkten Diskussion beim Bloggott nochmals zitiere:
Der content muss hochwertig/unique sein. Immerhin müssen “Gesundheitsblogger” sich gegen Unmengen von täglichen Gesundheits/Medizininformationen behaupten - von Apothekenblättchen bis focus-Online. Betroffene brauchen nur den google-news Service zu abonnieren, und erfahren alles relevante zeitnah. Da muss ein Blog schon einen ziemlichen Mehrwert bieten. Kann sehr anspruchsvoll sein, von den ethischen Anforderungen an die Güte der Information mal abgesehen. Z.B. kann eine vorschnelle oder falsche Interpretation von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen im schlechtesten Fall sogar Schaden anrichten.

Die Ergebnisse als SlideShare-Präsentation.

--
Aus einem anderen Blickwinkel: Für die Pharmaindustrie bedeutet dies, dass sie medizinische Blogs ernst nehmen muss. Das fachliche Wissen als auch die Motivation und die Vorgehensweise sprechen dafür, dass Medizinblogger im Gegensatz zu Masse der Medizinjournalisten nicht mit irreführenden Pressemitteilungen und aufgesexten Studiendaten überzeugt werden können.
 
[Internet]
Autor: strappato   2008-09-30   Link   (9 KommentareIhr Kommentar  



 

Konsumentenschützer verliert Abgeordnetenmandat

Noch einmal Österreich. Einer der wenigen, die sich auf höchtser Ebene kritisch mit der Pharmaindustrie beschäftigt haben, war der Nationalratsabgeordnete SPÖ, Johann Maier. "War", denn er hat bei der Wahl am Sonntag sein Mandat verloren.
 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2008-09-30   Link   (0 Kommentare)  Ihr Kommentar  



 

Grippepanik galore (Update)



Das erste herbstliche Wetter und die Experten kommen aus ihren Löchern. Herbstzeit = Grippeimpfung. In Österreich verbreitet Prof. Kunze seine alljährlichen Panikbotschaften. Heuer also eine "Grusel-Grippe". Die Kampagnen werden von den Impfstoffherstellern gesponsert und wie im Supermarkt gibt es Rabatt: Die Hersteller geben den Impfstoff um einen Euro billiger ab und die Apotheker legen noch 3 Euro dazu.

Alles ungeachtet von aktuellen Studien, die den Nutzen von Grippeimpfungen gerade für Senioren für überschätzt halten.
Das Team zieht indes aus der Studie nicht die Konsequenz, dass Senioren auf die Grippeimpfung verzichten sollten. Vor allem gebrechliche Menschen sollten sie in Anspruch nehmen, sie sollten sie aber nicht als Lebensversicherung betrachten, sondern weitere Vorsichtsmaßnahmen beachten. Dazu gehöre etwa das regelmäßige Händewaschen, die Vermeidung von Kontakten mit erkrankten Kindern und die Vermeidung von Krankenhausbesuchen während der Grippewelle.

Spielverderber beim Paniken sind die Deutschen:
"Die Situation ist nicht alltäglich, aber das heißt jetzt nicht automatisch, dass unter Nicht-Geimpften eine schwere Grippe-Welle droht", sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Institutes in Berlin, zum KURIER. "Es gibt keinen Grund für eine Alarmstimmung." Es handle sich ja nicht um komplett neue Viren, sondern nur um neue Stämme schon bekannter Krankheitserreger: "Das heißt, dass ein gewisser Schutz in der Bevölkerung schon vorhanden ist." Außerdem sei es für den Einzelnen egal, wie stark die Grippewelle ist: "Sie können auch während einer schwachen Grippewelle an den Folgen einer Infektion sterben."

--
Update
Auch in Österreich werden die Prognosen von Prof. Kunze mit Skepsis betrachtet.
Rund 400.000 Menschen jährlich erkranken in Österreich an der Influenza, bis zu 4.000 sterben an den Folgen, rechnet der Sozialmediziner Michael Kunze vor. Zahlen, die nicht ganz unumstritten sind. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl würden damit im Schnitt bis zu 0,07% der österreichischen Bevölkerung jährlich an Influenza sterben. Vergleicht man diese Ziffern, mit denen Impfstoffhersteller gerne für ihre Produkte werben, mit den entsprechenden offiziellen Zahlen aus der Schweiz und Deutschland, die jeweils bei maximal 0,01% der Bevölkerung liegen, drängt sich die Frage auf, ob Österreicher tatsächlich eine derart kränkliche und schwache Grundkonstitution haben, dass sie gleich sieben Mal ­häufiger von der Influenza ­dahingerafft werden als ihre Nachbarn.

 
[Oesterreich]
Autor: strappato   2008-09-30   Link   (1 KommentarIhr Kommentar  



 



Stationäre Aufnahme












Letzte Beiträge und Kommentare /  Frohe Weihnachten  (strappato)  /  OH!!!  (kelef)  /  Frohe Weihnachten  (strappato)  /  Subjektive Wahrnehmung  (casadelmar)  /  Sehr interessante Sichtweise,...  (akademischer ghostwriter)  
Zum Kommentieren bitte einloggen

Metainfos über das blog. Kontakt: strappato.

search noeszett Add to Technorati Favorites rss