|
Schwul durch Parkinson-Medikament? Didier Jambart, Vater zweier Kinder, klagt vor einem französischen Gericht wegen der Nebenwirkungen eines nicht näher bezeichneten _ Der kurios anmutende Fall stößt im Internet besonders in schwulen Blogs und Foren auf einiges Interesse. Generell überwiegt die Auffassung, dass das Medikament wohl eher eine latent vorhandene Neigung zu Tage gefördert haben könnte. Andere können die Wirkung aus eigener Erfahrung nicht bestätigen (aus den Kommentaren): I took that stuff briefly, and it was nasty. However, it did not make me turn gay. I already was. In einem Paper vom März 2007 mit dem Titel "Drug Insight: Impulse Control Disorders and Dopamine Therapies in Parkinson's Disease" beschreiben die Autoren sogenannte Impulse Control Disorders (ICDs) als häufige Nebenwirkung dieser Therapie: ICDs typically involve pleasurable or hedonic behaviors (e.g. gambling, shopping or sex) that are performed repetitively, excessively or compulsively, to an extent that interferes in major areas of life functioning.
undAmong patients with PD [Parkinson's Disease] who were taking a dopamine agonist, as many as 13.7% were observed to have an ICD. [Arzneimittel]
Champix: Warnung in Australien In den letzten Wochen sind gab es Meldungen, nach denen die Nikotinentwöhnungs-Pille Champix® (in den USA Chantix®) von Pfizer für Nebenwirkung wie Gemütsveränderungen, Selbstmordgedanken und sogar Suizid Während in den USA die FDA noch untersucht und Deutschland schläft, reagiert die Aufsichtsbehörde in Australien. Wenn im Januar Champix® dort auf dem Markt kommt, muss in einer zusätzlichen Packungsbeilage darüber informiert werden, dass einige Patienten während der Therapie mit Champix® an Depressionen, emotionaler Erregung und Suizidgedanken litten. There have been reports of depressed mood, agitation, changes in behaviour, suicidal ideation and suicide in patients attempting to quit smoking while taking Champix. Because these events are reported voluntarily from a population of uncertain size, it is not always possible to reliably estimate their frequency or establish a causal relationship to drug exposure. Das blog Furious Seasons vergleicht dies mit - und hierzulande der Fall Zyprexa® nie sonderlich ernst genommen wurde. [Champix]
Pharmakugelschreiber-Test (IX) ![]() Eigentlich kein Pharmakugelschreiber-Test. Das Schreibgerät von dem Unternehmen Desitin ist ein Druckbleistift. Getreu dem Werbe-Claim "Lamotrigin Desitin® quadro - das besondere Generikum gibt man sich nicht mit schöden Kugelschreibern ab. Selbst Laien finden auf der Internetseite alle Fachinformationen und die unmissverständliche, eigentlich an den Arzt gerichtete, Aufforderung, doch ein Kreuz bei "aut idem" auf dem Rezept zu machen. Wichtig, weil es auch preislich was Besonderes ist: Während 100 Tabletten mit 100 mg Wirkstoff von den bekannten Generika-Anbietern für unter 70 Euro (Apothekenverkaufspreis) zu haben sind, verlangt Desitin für die viertelbare Tablette 122,08 Euro. Den Preis beim Arzt zu rechtfertigen und durchzusetzen wird immer schwerer, da einige Krankenkassen Rabattverträge mit Herstellern für den Wirkstoff Der Bleistift ist blau, transluzent, 0,7 mm Mine und hat sogar eine einziehbare Spitze, damit die Kitteltaschen nicht leiden. Ansprechend, mit der Chance auf eine längere Halbwertszeit auf dem Schreibtisch als die 08/15 Pharmakugelschreiber. Ob dies dem Arzt hilft, die Arzneimittelbudgets und Rabattverträge zu vergessen, ist ungewiss, obwohl Lamotrigin stimmungsstabilisierend wirkt. [Pharmakugelschreiber]
Wucher in der Luft Fliegen ist billig? Fast 1000 Euro für Hin- und Rückflug (Economy) in eine europäische Hauptstadt, nicht einmal 700 Kilometer Entfernung und eingezwängt in einer Regionaljet-Kiste. Das grenzt an Wucher. Als Pharmakonzern würde ich ganz schnell auf Videomeetings umsteigen. Aber das Geld ist vorhanden und so fliegen 6 Personen aus 4 Ländern ein, für 4 Stunden Meeting. [heile Welt]
Pillen als Hauptgewinn Arzneimittelhersteller dürfen nicht mit Erfolgsgeschichten ihrer Kunden werben. Aussagen, ein Medikament unterstütze das allgemeine Wohlbefinden, sind dagegen zulässig, urteilte Anfang November der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg zu einem Streit um Ginseng-Präparate. In dem Fall ging es um eine Verlosung von Arzneimitteln. Dazu stellt der EuGH fest, dass eine derartige Werbemassnahme durch die Richtlinie 2001/83/EG nicht explizit verboten wird. Die Richtlinie fordere aber allgemein in ihren Erwägungsgründen, dass übertriebene und unvernünftige Werbung verhindert und ein zweckmässiger Einsatz von Arzneimitteln gefördert werde. Dem widerspreche eine Verlosung von Arzneimitteln, die einer unzweckmässigen und übermässigen Verwendung Vorschub leiste. Verbraucher würden von einer sachlichen Prüfung der Frage, ob die Einnahme des Arzneimittels erforderlich sei, abgelenkt. Darüber hinaus könne die Möglichkeit, bei einer Auslosung ein Arzneimittel zu gewinnen, einer verbotenen, kostenlosen Abgabe des Arzneimittels an die Öffentlichkeit gleichgestellt werden. (Az: C-374/05) Weiterhin können Pharmaunternehmen nur bei Ärzten mit Erfolgsgeschichten werben und diese an Verlosungen teilnehmen lassen... da besteht keine Gefahr der der unzweckmässigen und übermässigen Verwendung. [Pharmamarketing]
Blog Council - die Industrie schlägt zurück Thomas Knüwer hat den Blog-Council entdeckt. 12 US-Unternehmen haben sich zu einem Blogger-Verband zusammengeschlossen, um Cooperate-Blogging mehr Einfluss zu verschaffen. Mit dabei aus dem Bereich Pharma/Medizin: Kaiser Permanente, der grösste Managed Care Anbieter in den USA. $31 Milliarden Jahresumsatz, 149.000 Mitarbeiter, 13.000 Ärzte, 37 Kliniken, 400 Praxen. Ich kenne mich ein wenig in der amerikanischen Medizin- und Pharmablogosphere aus. Bisher war mir nicht bekannt, dass Kaiser Permanente bloggt. Beim googlen ist mir das gleiche aufgefallen wie Kate Zimmermann. Kein öffentliches blog zu sehen, aber dafür ein Watchblog, ein Artikel, in dem Kaiser vorgeworfen wird, schlampig mit vertraulichen Patientendaten umzugehen, ein blog-Eintrag, der eine PR-Kampagne von Kaiser auseinandernimmt, ein post in einem blog, in dem über Proteste von Patienten nach Schliessung eines Transplantations-Zentrums berichtet wird und - Achtung! - das Kaiser Permanente Medical research blog, leider time out, nicht erreichbar. Zu den Mitgliedern des Blog Council soll neben den CEOs auch das blog-Team gehören. "bloggers, management, marketing, legal, etc.". Das ist bei Kaiser Permanente wohl eher überschaubar. Die ganze Veranstaltung scheint dazu dienen, die Deutungshoheit der Konzerne über die Blogger wiederzugewinnen. Initiator des Blog Council ist Andy Sernovitz, der "Word of Mouth Marketing"-Guru und Ex-Chef der Word of Mouth Marketing Association (WOMMA), zu deren Mitgliedern auch Edelman gehört. Als krönender Abschluss passt, dass Kaiser 2005 eine bloggerin verklagt hat, die über unzureichende Datensicherheit berichtet hat. [Internet]
Burda-Alarm Früher als angekündigt hat der deutsche Ableger der Wissenschafts-Blogplattform ScienceBlogs seinen Betrieb aufgenommen. Hinter der Expansion nach Europa steckt die Hubert Burda Media Holding, die sich im September mit einer Minderheitsbeteiligung im einstelligen Millionenbereich an der New Yorker Firma Scienceblogs beteiligt haben soll, einer Tochter der Seed Media Group. Focus Online tritt als Partner der Plattform auf. Dem Lockruf des Geldes gefolgt sind die kritischen Geister von Plazeboalarm. Bleibt abzuwarten, wo sie sich im durch seriösen Wissenschaftsjournalismus geprägten Burda-Gesamtportfolio zwischen Publikationen wie Bunte Gesundheit und [Medien]
Unethisches Marketing bei Novartis Der Artikel von Markus Grill im Stern, in dem geschildert wird, wie der Pharmakonzern Novartis seine Medikamente mit Schecks, Marketingtricks und Vergnügungsreisen in den Markt In firmeninternen Broschüren werden die Medikamente zu "Waffen" im Wettbewerb erklärt, eine positive Studie wird als "unser schärfstes Schwert" bezeichnet. Novartis ruft zum "Strassenkampf" in Arztpraxen auf. Gegenüber Ärzten sei "Streetfighting" angesagt und Exforge solle in "Bulldozer"- Manier durchgesetzt werden. Zur Vorbereitung des Straßenkampfs" werden Aussendienstler zu einer Tagung eingeladen, um sie "auf die entscheidende Attacke gegen den Wettbewerb" einzuschwören: "Der Sieg wird unser sein." Sie werden aufgefordert, "höchst aggressiv“ vorzugehen, getreu dem Motto, das die Mitarbeiterzeitung ziert: "Freundlich, clever, höchst aggressiv". Ein Novartis-Manager stachelt an: "Der Angreifer ist immer im Vorteil. Dem Verteidiger bleibt nur die Reaktion!" Vorstandschef Peter Maag spricht intern sogar von "Blitzkrieg". [Pharmamarketing]
Pharma-Tatort ![]() Joseph Feinlein, Referatsleiter im Ministerium für Gesundheit, wird tot in seinem Büro aufgefunden. Lobbyismus in der Gesundheitspolitik als Thema für den Tatort "Schleichendes Gift" in der ARD. Heute Abend 20:15 Uhr. Wie so oft hat auch dieser 'Tatort' sein Thema aus der gesellschaftlichen Realität genommen. Wir haben diesen spannenden Stoff angepackt, weil dafür einfach die richtige Zeit war. Und wir sind sicher, dass unser Film mit seinen starken Bildern und hervorragenden Darstellern das schleichende Gift des Lobbyismus sogar noch eindringlicher zeigen kann, weil man hier die Menschen hinter ihren Funktionen kennen lernen kann, in ihrer Gier und ihrer Angst...," sagt Rosemarie Wintgen, Leiterin des Filmressorts im RBB über die neue Produktion für Das Erste. [Medien]
Grippeimpfung in Jetgeschwindigkeit Zwischen Sicherheits-Check und Abflug noch ein paar Minuten Zeit? Wie wäre es mit einer Grippeschutzimpfung. In Atlanta, dem verkehrsreichsten Flughafen der Welt, und einigen anderen US-Airports wird dies in Verkaufsständen in Nähe der Gates angeboten. Patientenaufklärung, Abklärung von Gegenanzeigen und Impfung in wenigen Minuten. [Public Health]
Eli Lilly: Weiterbildung gegen Patientenklagen Eli Lilly will bei den US-Psychiatern Boden gut machen und sie gegen Klagen wegen Fehlbehandlungen wappnen. Die aussergerichtlichen Zahlungen von mehr als $1 Milliarde und die weiterhin offenen juristischen Auseinandersetzungen mit einigen Bundestaaten hatten in den USA den Umsätzen mit Zyprexa® geschadet. Die Verunsicherung muss gross sein, angesichts der Tatsache, dass Eli Lilly Ärzte und Patienten lange Zeit über das Risiko der Gewichtszunahme, und dass Zyprexa® Diabetes auslösen kann, getäuscht und illegales off-label Marketing betrieben hatte. Das zur Behandlung von Schizophrenie und Bipolaren Störungen zugelassene Medikament ist immer noch der wichtigste Umsatzbringer von Eli Lilly mit $4,3 Milliarden im Jahr. Zur Unterstützung der Verschreibungen hat das Unternehmen eine Beratungsfirma engagiert, die den Ärzten die beibringen soll, wie sie durch Dokumentation der Behandlung Klagen vermeiden können. Zyprexa® wird in der Präsentation nicht erwähnt. Die Essenz der Schulung ist: Ärzte können alles verschreiben, ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen und Gegenanzeigen, solange sie das rational begründen können. Und bei der Begründung hilft dann im Zweifel der Pharmaaussendienst. Hat tip: The Carlat Psychiatry Blog -- Dazu passend hat eine in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" veröffentlichte Befragung von Ärzten in den USA ergeben, dass zwischen ethischen Überzeugungen und dem praktischen Handeln eine Kuft existiert. Genau da stösst die Präsentation von Eli Lilly hinein. We need to change a system that currently encourages defensive medicine.
James Thompson, Vorsitzender der US-Ärztekammern, in der Washington Post.Wie würden die Ergebnisse einer solchen Studie in Deutschland ausfallen? [Zyprexa]
|
br> |
|
Letzte Beiträge und Kommentare / Frohe Weihnachten
(strappato) / OH!!!
(kelef) / Frohe Weihnachten
(strappato) / Subjektive Wahrnehmung
(casadelmar) / Sehr interessante Sichtweise,...
(akademischer ghostwriter)
Zum Kommentieren bitte einloggen. |